14. September 2012, 10:20 Uhr

Islamisten rufen zu Großdemo nach Freitagsgebet auf

Die anti-amerikanischen Ausschreitungen in der arabischen Welt drohen im Laufe des Tages weiter zu eskalieren. Auch Deutschland verschärft jetzt die Sicherheitsvorkehrungen in den Botschaften.

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Protest vor der US-Botschaft: In Kairo wollen auch am Freitag zahlreiche wütende Moslems ihrem Ärger Luft machen©

In der arabischen Welt dauern die anti-amerikanischen Proteste wegen eines Schmähvideos über den Propheten Mohammed an. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo protestierten noch am frühen Freitagmorgen aufgebrachte Muslime in dem Bezirk um die US-Botschaft. Den Tag über waren dort bei Straßenschlachten mehr als 220 Menschen verletzt worden. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wurden am Donnerstag vier Demonstranten beim Sturm auf die US-Botschaft getötet und 31 weitere verletzt. Auch in Tunesien, dem Gazastreifen und im Iran gingen erboste Muslime auf die Straßen. Demonstrationen gab es auch in Afghanistan und Pakistan.

Die Proteste dürften nach den Freitagsgebeten einen neuen Höhepunkt erreichen. In Kairo haben Islamisten eine Großkundgebung angekündigt. Sie fordern eine offizielle Entschuldigung Washingtons, da das Schmähvideo in den USA produziert wurde. In Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über den Kurznachrichtendienst Twitter ebenfalls zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen. Ein hochrangiger iranischer Religionsführer, Ajatollah Nouri Hamedani, drohte mit "noch harscheren Reaktionen".

Angesichts der Proteste wurden die Sicherheitsvorkehrungen an den US-Botschaften weltweit verschärft. Auch Deutschland kündigte Maßnahmen an, um die Sicherheit an diplomatischen Vertretungen in mehreren islamischen Ländern zu gewährleisten. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: "Wir Deutsche machen uns natürlich auch Sorgen um unsere eigenen diplomatischen Vertretungen in den betroffenen Ländern." Die USA schickten nach Medienberichten neben einer Einheit von Elitesoldaten auch zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens.

Obama fordert mehr Schutz von jemenitischem Präsidenten

Nach den schweren Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Sanaa telefonierte US-Präsident Barack Obama am Donnerstagabend mit dem jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Beide hätten bekräftigt, dass zusätzlicher Schutz für das amerikanische Botschaftspersonal notwendig sei, teilte das Weiße Haus mit. Hadi habe Obama versichert, "alles, was möglich ist," zu tun, um Amerikaner im Jemen zu beschützen.

Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem in der Nacht zum Mittwoch der US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet worden waren, nahmen Ermittler mehrere Verdächtige fest. Zur Identität und Zahl der mutmaßlichen Angreifer machte der stellvertretende Innenminister Wanis al Scharif keine Angaben. US-Geheimdienste vermuten das Terrornetzwerk al Kaida hinter der Attacke.

Der Sprecher einer Islamisten-Miliz aus der ostlibyschen Stadt bestritt jedoch, in den Angriff auf das US-Konsulat verwickelt gewesen zu sein. Die Ansar al Scharia-Brigade habe bei den Protesten keine Rolle gespielt, sagte ihr Sprecher nach Berichten der libyschen Nachrichtenagentur Lana.

Film zeigt Mohammed als Mörder und Frauenheld

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi verurteilte die Gewalt. Allerdings forderte er die USA zu "ernsthaften Schritten" gegen den islamfeindlichen Videofilm auf. "Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll, und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion", sagte Mursi nach einem Gespräch mit dem EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy in Brüssel.

Unterdessen relativierte das Weiße Haus Äußerungen Obamas über die amerikanisch-ägyptische Beziehung. Der Präsident hatte in einem Fernsehinterview gesagt, das afrikanische Land sei "kein Verbündeter, aber auch kein Feind". Der Präsident habe den Begriff "Verbündeter" dabei nur im rechtlichen Sinne benutzt, sagte sein Sprecher Jay Carney. "Wie der Präsident sagte, ist Ägypten ein langjähriger und enger Partner der Vereinigten Staaten", meinte er.

In dem in den USA produzierten Videofilm wird der Prophet des Islam als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. Als Autor, Regisseur und Produzent des Films zeichnet ein "Sam Bacile". Recherchen von US-Medien ergaben bisher keine konkreten Spuren. Israel hat sich von Autor und Film distanziert. Zunächst hatte es geheißen, der Produzent habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt.

Der umstrittene amerikanische Pastor Terry Jones in Florida, der mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte, wollte den Film in den USA öffentlich zeigen.

jar/fw/DPA
 
 
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