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10. September 2007, 07:14 Uhr

Der General und sein Bericht

Der US-Oberkommandierende im Irak, David Petraeus, wird heute seinen mit Spannung erwarteten Fortschrittsbericht vorlegen. Darin empfiehlt er offenbar keinen raschen Truppenabzug - entgegen der Forderung der Demokraten. Ein Porträt jenes Diplomaten in Uniform, der ein Desaster als ein Projekt der Zukunft verkaufen muss. Von Katja Gloger, Washington

Wird heute dem Kongress berichten: David H. Petraeus© Ali Abbas/EPA

Es wird einer der wichtigsten Auftritte seines Lebens, und er wäre nicht David Petraeus, General David H. Petraeus, wenn er sich nicht haarklein vorbereitet hätte. Am vergangenen Dienstag kam er aus Bagdad, nahm Quartier in Fort Myer, einer der traditionsreichen Garnisonen des Landes, von hier kann man über ganz Washington sehen. Und Fort Myer liegt nur ein paar Schritte vom nationalen Heldenfriedhof Arlington entfernt. Hier beerdigt man die Gefallenen des Irakkrieges.

Er hat seine engsten Vertrauten mitgebracht, seine Musketiere. Vier Verschworene, drei davon Irak-Veteranen mit Doktortitel, Männer, die wissen, wie er denkt. Männer, die ihm die Stirn bieten können. Seit vergangenem Donnerstag haben sie sich über drei hochgeheime Ordner voller Zahlen, Graphiken und Statistiken gebeugt. Diese Ordner sollen die Wahrheit erfassen über die Lage im Irak, und wenn es nur die einer widersprüchlichen Momentaufnahme ist. Darüber wird er an diesem Montag dem US-Kongress berichten. Er wird seine Sache gut machen. General David H. Petraeus gilt als begnadeter Verkäufer.

Keine Presse vorab, kein Auftritt in den Talkshows, mit denen man solche Ereignisse normalerweise einleitet. Auch kein Händeschütteln mit dem Präsidenten, nur ein paar sehr private Spaziergänge mit seiner Frau Holly. Und einen Ausflug nach Fort Benning in Georgia, um den Fallschirmsprung seines Sohnes Stephen zu beobachten. Der Politik-Student wird dort zum Offizier bei einer Spezialeinheit ausgebildet.

Probelauf mit bohrenden Fragen

Der Sonntag war schließlich für das "murder board", die "Anklagetafel", reserviert, eine Art Generalprobe, während der er mit allen nur erdenklichen fiesen Fragen bombardiert wurde. Wahrscheinlich hatte man sich auch noch einmal die Schaubilder angesehen, die es zu präsentieren gilt. Darunter sind zwei Stadtpläne von Bagdad. Der eine mit großen, blutroten Flecken. Bagdad vorher. Vor der Truppenerhöhung. Und der andere fast ganz grün, nahezu friedlich grün. Bagdad heute. Das Bagdad des General David H. Petraeus.

Natürlich ist der Inhalt seines Berichtes geheim, noch nicht einmal der Präsident soll ihn gelesen haben. Doch selbstverständlich sickerten in den Wochen zuvor einige wichtige Schlussfolgerungen durch. Und die besagen: "The surge" , die von Bush im Alleingang durchgesetzte Truppenerhöhung um 30.000 Soldaten war im Prinzip richtig. Das damit verbundene neue Sicherheitskonzept bietet die Chance auf einen Erfolg. Das ist viel weniger als ein Sieg. Aber mehr als erwartet. Eine winzige Hoffnung - und die reicht offenbar aus, man über den Abzug einiger Tausend Soldaten nachdenken kann. Vielleicht sogar schon Ende dieses Jahres.

Jetzt , so wird Petraeus dem Kongress berichten, braucht es mehr Zeit, damit sein Sicherheitskonzept auch Wirkung entfaltet. Und vor allem muss die irakische Regierung jetzt Verantwortung für ihr eigenes Land übernehmen. "Militärisch ist dieser Krieg nicht zu gewinnen", hatte er ja immer wieder gesagt.

"Dieser Krieg ist nicht verloren."

Trotz aller Einschränkungen könnte dieser Bericht George W. Bush jenen Satz liefern, mit dem er seinen desaströsen Feldzug, vielleicht gar einen guten Teil seiner Präsidentschaft legitimieren kann: "Dieser Krieg ist nicht verloren." Dieser Krieg, so die Botschaft, geht nur verloren, wenn die Politiker in Washington ihn weiterhin verloren geben - all die besserwisserischen Kriegsgegner bei den Demokraten, und auch all´ die wankelmütigen Republikaner, die es wagten, ihn zu kritisieren. Dann endlich könnte er all' die Zweifler, Kritiker auf die Plätze verweisen. Und er könnte derjenige sein, der die ersten Soldaten wieder nach Hause bringt.

Natürlich weiß General David Petraeus, dass sein Auftritt Höhepunkt einer penibel inszenierten Politshow ist. Denn am 15. September muss der Präsident der Nation berichten. Mit einer 15 Millionen Dollar teuren PR-Kampagne wird das Weiße Haus seine Botschaft auch landesweit ins rechte Licht setzen. "Freedom Watch" heißt die Gruppe, die in den kommenden Tagen in 20 Bundesstaaten Fernseh-Werbespots schaltet, "Beobachter der Freiheit". Die Truppe untersteht einem Profi: Ari Fleischer, während des Irak-Krieges Sprecher des Weißen Hauses.

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