Hoffnung auf Frieden und Angst vor Racheakten

24. Januar 2013, 15:37 Uhr

Nachdem Teile der Tuareg dem Extremismus abgeschworen haben wächst das Risiko von Vergeltungsattacken auf das Berbervolk. Berichte über brutale Hinrichtungen durch die malische Armee häufen sich.

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Das Berbervolk der Tuareg hat nach wie vor erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Konflikts in Mali©

Mit Hoffnung und Sorge zugleich blickt die Welt auf die Tuareg in Mali. Denn eine Abspaltung der islamistischen Tuareg-Bewegung Ansar Dine hat dem "Extremismus und Terrorismus" abgeschworen und will eine friedliche Lösung des blutigen Konflikts. Zugleich schrecken Berichte über brutale Hinrichtungen durch die an der Seite französischer Soldaten kämpfende malische Armee den Westen auf. Die Tuareg könnten ein Ende des Konflikts in dem westafrikanischen Land beschleunigen - und zugleich Opfer brutaler Vergeltungstaten malischer Soldaten werden.

Mit der Ansar-Dine-Abspaltung Islamische Bewegung von Azawad (MIA) trat am Donnerstag überraschend eine neue bewaffnete Gruppierung in der ohnehin schon unübersichtlichen Gemengelage im Norden Malis in Erscheinung. Unter der Führung des einer großen Tuareg-Familie der Region Kidal entstammenden Alghabasse Ag Intalla will sie "alle Formen des Extremismus und Terrorismus bekämpfen" - eine klare Distanzierung von den islamistischen Gruppen Al-Kaida im islamischen Magrehb (AQMI) und von der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), mit denen Ansar Dine verbündet ist.

Westafrikanische und algerische Vermittler versuchten schon seit Monaten, einen Keil zwischen Ansar Dine auf der einen und AQMI und MUJAO auf der anderen Seite zu treiben. Denn mit den vor allem aus dem Ausland stammenden Kämpfern von AQMI und MUJAO, die einen Gottesstaat im von ihnen kontrollierten Norden Malis errichten wollen, dürften Friedensgespräche ausgeschlossen sein. Die Tuareg dagegen sind gewillt, ihre Forderungen nach mehr Autonomie auch auf dem Verhandlungsweg voranzutreiben.

Beobachter hegen Zweifel am Tuareg-Rebellenchef

Allerdings zweifeln Beobachter, dass der einstige Tuareg-Rebellenchef und jetzige Ansar-Dine-Anführer Iyad Ag Ghaly seine Verbindungen zu den ausländischen Islamisten auflösen wird. "Wenn Iyad eine Vereinbarung mit Mali unterzeichnet, unterschreibt er sein Todesurteil", sagte der malische Außenminister Tieman Coulibaly unlängst. AQMI-Anhänger würden ihn dann sofort "exekutieren". Dass die wenigsten Tuareg Sympathien für Ghalys islamistische Ausrichtung empfinden, dürfte neben dem Vormarsch malischer und französischer Soldaten jetzt zur Abspaltung der Islamischen Bewegung von Azawad (MIA) von Ansar Dine geführt haben.

Die Tuareg der von den Islamisten an den Rand gedrängten säkularen Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA) hatten schon vor mehr als einer Woche klar gemacht, gegen den "Terrorismus" kämpfen zu wollen. Wohlgemerkt an der Seite der französischen, nicht der malischen Armee. Denn die Tuareg hegen großes Misstrauen gegen die malischen Truppen - und das offenbar nicht zu unrecht: Menschenrechtsaktivisten werfen malischen Soldaten vor, an mehreren Orten mutmaßliche Gegner exekutiert zu haben, unter ihnen auch Tuareg.

"Ihre Ehre steht auf dem Spiel"

Die Vorwürfe schreckten die französische Regierung auf. Es wäre ein Fiasko für die einstige Kolonialmacht, wenn malische Soldaten bei ihrem nur dank der Unterstützung französischer Soldaten möglichen Vormarsch eine Blutspur hinter sich ließen. Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian mahnte, die malische Armeeführung müsse "extrem wachsam" sein und Übergriffe verhindern. "Ihre Ehre steht auf dem Spiel." Außenminister Laurent Fabius sagte, Menschenrechtsverletzungen seitens der malischen Armee seien "inakzeptabel".

Ob das die Racheakte stoppen wird, ist fraglich. Befürchtet werden weitere Angriffe auf die arabischstämmige und Tuareg-Bevölkerung, die von vielen Schwarzafrikanern in Mali der Zusammenarbeit mit den Islamisten verdächtigt werden. Schon im Dezember hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärt, es gebe auf Grundlage "ethnischer Kriterien" erstellte "Listen" von Bewohnern des Nordens Malis, die bei einer Rückeroberung des Gebiets durch Regierungstruppen mit Repressalien zu rechnen hätten.

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