HOME

Kämpfe in Nordafrika: Was Mali Europa und Deutschland angeht

Frankreich fliegt Luftangriffe im Norden Malis. Auch Deutschland erwägt, den Einsatz zu unterstützen. Was genau passiert in dem nordafrikanischen Land? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Frankreich greift in die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen in Mali ein, seit drei Tagen fliegt das Militär Luftangriffe auf Islamisten im Norden des Landes. Nach Angaben der Pariser Regierung seien die Islamisten im Osten "auf dem Rückzug". Im Westen gebe es allerdings Schwierigkeiten, wie es aus dem französischen Verteidigungsministerium hieß. Insgesamt aber entwickle sich die Situation "günstig". Ein Sprecher der Islamisten sagte nun: "Frankreich hat das Tor zur Hölle für alle Franzosen geöffnet." Die Regierung sei in eine Falle getappt, die weit gefährlicher als der Irak, Afghanistan und Somalia sei.

Lesen Sie im Folgenden, in welcher Situation sich Mali befindet, wer die Aufständischen sind, warum Frankreich in den Konflikt eingreift und ob sich auch die Bundeswehr an den Kämpfen beteilligen wird.

Was passiert in Mali?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Das Land mit seinen 18 Millionen Einwohnern ist eines der Ärmsten der Welt. Wegen anhaltender Kämpfe in Norden des Landes, putschten Teile des Militärs im März 2012 die gewählte Regierung aus dem Amt. Danach eroberten Kämpfer der Tuareg, ein Nomandenvolk aus der Sahara- und Sahelzone, gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. Seitdem ist das Land de facto geteilt.

Wer regiert gerade in Mali?

Nach dem Staatsstreich hatte Putschistenführer Amadou Sanogo die Macht in die Hände einer zivilen Regierung gelegt. Aktuell steht Django Sissoko der Interimsregierung des Landes vor, einige seiner Minister stehen den Putschisten nahe. Die Führung des Landes kritisiert, dass die internationale Gemeinschaft zu wenig tut, um den Vormarsch der Islamisten und Tuareg Richtung Süden zu verhindern.

Wer sind die Aufständischen im Norden?

Die Aufständischen sind keine homogene Gruppe und bestehen im Wesentlichen aus drei Organisationen: Die "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" ist eine Tuareg-Gruppe. Sie kämpft seit Jahren für Autonomie im Norden des Landes und einen eigenständigen Staat Azawad in der Region. An deren Seite kämpft die islamistischen Tuareg von "Ansar Dine". Sie kontrollieren bereits alle wichtigen Städte im Norden. Ähnlich wie Taliban in Afghanistan haben die Islamisten in Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, mehrere historische Heiligtümer zerstört. Immer einflussreicher wird die Terrororganisation von "al Kaida im islamischen Maghreb" (AQM), die mit Drogenschmuggel und Entführungen bereits mehrere Millionen Dollar verdient haben soll. Die Terroristen gelten mittlerweile als Wortführer in Nordmali. Beobachter fürchten, die schwache Regierung und der Einfluss der Extremisten könnten dazu führen, dass Mali zu einer Brutstätte von international agierenden Terroristen wird.

Warum greift Frankreich jetzt in den Konflikt ein?

Konkreter Anlass war eine Entführung von sieben Franzosen und ihrer gescheiterten Befreiung. Seit Anfang Januar rücken die Tuareg und Islamisten immer weiter Richtung Süden vor. Über Monate schon warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Vergeblich hatte das Land die USA und die UN zum Eingreifen bewegen wollen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris nun zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Dabei geht es auch im Wirtschaftsinteressen, zudem befürchtet die Regierung von Präsident Francois Hollande, dass der Terror auf Frankreich selbst übergreifen könnte, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Was haben die Vorgänge in Mali mit Europa zu tun?

Die Islamistengruppe Ansar Dine hatte nach den Angriffen auf den Norden Malis mit Racheakte gegen Franzosen in der muslimischen Welt angedroht. Hollande ordnete eine verstärkte Terrorabwehr an Regierungsgebäuden sowie im öffentlichen Nahverkehr an. Nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums hat dies alles bislang keine Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland.

Welche Länder unterstützen den Einsatz Frankreichs?

Nach Worten des französischen Außenministers Laurent Fabius wird das Land bei seinem Einsatz von mehreren Nationen unterstützt. So habe etwa Algerien dem französischen Militär umfassende Überflugrechte eingeräumt, wie er in einem Interview sagte. Die Unterstützung sei riesig, und nannte dabei zudem Partner wie Großbritannien, Dänemark, "andere europäische Länder" und die USA. Der Einsatz in Mali sei "eine Frage von Wochen".

Wird sich auch Deutschland an den Kämpfen beteiligen?

Das Eingreifen Frankreichs in dem afrikanischen Land sei richtig, heißt es im Außenministerium. "Für die Bundesregierung ist klar, dass Deutschland Frankreich nicht alleinlässt", so ein Sprecher. Ein Kampfeinsatz der Bundeswehr aber wird in Berlin derzeit ausgeschlossen. Geprüft werde allerdings, ob sie medizinische, logistische und humanitäre Unterstützung leisten könne, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten könnten bei der Ausbildung mit dabei sein.

nik mit DPA/AFP/Reuters / Reuters