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Weltkulturerbe in Gefahr: Politische Unruhen bedrohen immer mehr Kulturstätten

Islamistische Rebellen haben am Montag weitere Weltkulturerbestätten in Timbuktu im Norden Malis zerstört. Die Unesco hatte bereits im April dazu aufgerufen, die Stätten zu bewahren. Sie kann allerdings nur mahnen, Eingriffsmöglichkeiten hat sie nicht.

MALI: Erst in der vergangenen Woche setzte die Unesco die Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe von Timbuktu sowie das Grabmal von Askia auf die rote Liste des gefährdeten Weltkulturerbes. Dort werden Stätten aufgenommen, die durch Krieg oder Naturkatastrophen, Verfall oder neue Projekte gefährdet sind. Doch gerade diese Entscheidung war es, die Mitglieder der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine offenbar dazu brachte, die Mausoleen einzureißen.

SYRIEN: Auch in Syrien bedrohen die Kämpfe zwischen der Opposition und den Truppen von Präsident Baschar al Assad das nach den Worten der Unesco "außergewöhnliche Kulturerbe". In dem arabischen Land gibt es sechs Weltkulturerbestätten, darunter die Altstädte von Damaskus und Aleppo. Massive Schäden richtete der Konflikt dort offenbar noch nicht an. Allerdings berichtete die Unesco, dass beispielsweise die alte römische Wüstenstadt Palmyra als Stützpunkt der Armee genutzt wird.

ÄGYPTEN: Die Kunstschätze des Landes waren vor mehr als einem Jahr in Gefahr, als Kriminelle die Massenproteste gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak für Plünderungen nutzten. So stahlen Diebe mehrere Gegenstände aus dem weltberühmten Ägyptischen Museum in Kairo, darunter ein Bildnis des Pharaos Echnaton, das später wieder auftauchte. Zahlreiche Menschen schützten daraufhin zusammen mit der Armee die rund 120.000 Exponate in dem Museum, das allerdings nicht zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

LIYBEN: Der arabische Frühling bedrohte 2011 nicht nur in Ägypten, sondern auch in Libyen das Kulturerbe des Landes. Die Unesco rief deshalb dazu auf, die fünf Welterbestätten, darunter die alte Oasenstadt Gadames, zu schützen. Außerdem setzte die UN-Organisation wegen Menschenrechtsverstößen der inzwischen gestürzten Regierung unter Machthaber Muammar al Gaddafi die Zusammenarbeit mit dem nordafrikanischen Land aus.

IRAK: In der irakischen Stadt Samarra steht seit 2007 die goldene Moschee, eine der heiligsten Stätten der Schiiten, auf der roten Liste der Unesco. Das Gotteshaus war bei Anschlägen 2006 und 2007 schwer beschädigt worden. Die Angriffe führten zu einer Serie von Gewalttaten zwischen Schiiten und Sunniten, bei der Dutzende Menschen starben. Nachdem sich die Sicherheitslage in Samarra gebessert hatte, finanzierte die Unesco mit mehreren Millionen Euro den Wiederaufbau des Gotteshauses, das im April 2009 wiedereröffnet wurde.

AFGHANISTAN: Auch in Afghanistan setzte die Unesco das Bamiyan-Tal erst auf die rote Liste, nachdem die dortigen Riesen-Buddha-Statuen bereits zerstört waren. Taliban hatten 2001 die in Fels gehauenen Buddhas aus dem sechsten Jahrhundert gesprengt. 2003 nahm die Unesco "die Kulturlandschaft" und die archäologischen Stätten in die Liste des Welterbes auf - als Zeichen gegen religiösen Fanatismus und Intoleranz.

ivi/AFP / AFP