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21. Dezember 2009, 11:23 Uhr

Was wusste Steinmeier?

Wer wusste wann was? Diese Frage beschäftigt nach dem verheerenden Luftangriff von Kundus die deutsche Politik. Jetzt muss sich auch Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritischen Fragen stellen. Nach stern-Informationen wusste ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes frühzeitig, dass bei dem Luftschlag Zivilisten starben.

Steinmeier, Auswärtiges Amt, Kundus, Kundus-Affäre

Was wusste er? Die Kundus-Affäre wird an Frank-Walter Steinemeier nicht vorbeigehen© Matthias Rietschel/AP

In der Kundus-Affäre muss auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier offene Fragen beantworten. Wie der stern in seiner neuen, wegen der Feiertage bereits am Dienstag erscheinenden Ausgabe berichtet, war bereits kurz nach dem Luftangriff ein Vertreter des Auswärtigen Amtes über tote Zivilisten informiert. An der Spitze des Amtes stand damals noch Steinmeier. Nach stern-Informationen nahm der Vertreter des Amtes in Kundus, Burkhard Ducoffre, als ziviler Leiter des Wiederaufbauteams der Bundeswehr am 4. und 5. September an Gesprächen teil, bei denen Bundeswehrsoldaten, Militärpolizisten und Vertreter afghanischer Behörden über tote Zivilisten referierten.

Wie das Magazin unter Berufung auf vertrauliche Protokolle weiter berichtet, meldete der belgische Stabsfeldwebel B., der am Mittag des 4. September mit einem Nato-Team in einer Ortschaft nahe dem Bombardement die Bevölkerung befragt hatte, es seien "14 Zivilpersonen getötet und 4 Zivilpersonen verwundet worden". Der Belgier kündigte eine Namensliste "zur Prüfung von Entschädigungszahlungen" an. Der deutsche Hauptfeldwebel D. bestätigte diese Meldung, sprach aber von "7 verwundeten Zivilisten". Diplomat Ducoffre war auch dabei, als am folgenden Tag ein Bezirksbürgermeister von zehn toten Zivilisten im Dorf Jacub Bay sprach.

Obwohl der Vertreter seines Ministeriums informiert war, sprach Steinmeier in den ersten Tagen nach dem verheerenden Luftangriff der Bundeswehr lediglich von "möglicherweise unschuldigen Opfern". Ende November forderte der SPD-Politiker, inzwischen Oppositionsführer im Bundestag, als einer der ersten einen Untersuchungsausschuss, um "unverzügliche Klarheit über die Hintergründe" der Informationspannen beim Luftangriff zu erhalten. Eine Anfrage des stern zu den Vorgängen ließ Steinmeier unbeantwortet.

 
 
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