Vom Witzeschreiber zum Staatsfeind

31. März 2013, 17:15 Uhr

Ägyptens Justiz geht wegen politischer Witze gegen einen beliebten Komiker vor. Die Staatsanwaltschaft ordnet dessen Festnahme an, lässt ihn dann aber wieder auf Kaution frei.

Mursi, Beledigung, Satire, Ägypten,

Bassem Jussif: Vor dem Erfolg seiner Satire-Sendung war er Arzt. Zunächst wurde sie nur online ausgestrahlt, dann kam sie ins Fernsehen.©

Der ägyptische Komiker Bassem Jussif muss wegen seiner Witze über den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi zunächst nicht in Haft. Die Staatsanwaltschaft ließ ihn am Sonntag nach einem Verhör gegen eine Kaution von umgerechnet rund 1700 Euro wieder gehen, wie der Komiker über den Kurznachrichtendienst "Twitter" mitteilte. Allerdings dauerten die Ermittlungen in einem weiteren Fall noch an.

Am Vortag hatte der Generalstaatsanwalt noch die Verhaftung Jussifs angeordnet. Dem Satiriker wird vorgeworfen, mit seinen Parodien in der Fernsehshow "Al-Barnameg" Mursi und den Islam beleidigt zu haben.

Jussif - der gerne als ägyptische Antwort auf den US-Politkomiker Jon Stewart bezeichnet wird - hatte sich am Vormittag zu dem obersten Gerichtshof in Kairo begeben, um sich zu stellen. Dabei machte er sich erneut über Mursi lustig: Er trug einen überdimensionierten Hut - ein vergrößertes Imitat jener Kopfbedeckung, die Ägyptens Staatschef bei einem Besuch in Pakistan getragen hatte.

Über "Twitter" informierte er seine Anhänger: beschwerte sich anfangs, dass ihm nichts zu trinken angeboten wurde und mokierte sich darüber, dass Mitarbeiter der Behörde Fotos mit ihm machen wollten. Nach Angaben der Zeitung "Al-Ahram" hatten mindestens zwölf Personen Anfang März Klage gegen Jussif eingereicht, weil er Mursi beleidigt habe. Schon im Januar hatten islamistische Anwälte versucht, den Komiker vor Gericht zu bringen.

Wie in "faschistischen Regimen"

Der Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei kritisierte die Repressionen gegen Jussif scharf. Über "Twitter" erklärte der Oppositionsführer in der Nacht zum Sonntag, ein solches Vorgehen kenne man nur von "faschistischen Regimen". Das sei ein Zeichen für die Unsicherheit und die "Wagenburgmentalität" der islamistischen Regierung. Seit die Muslimbruderschaft in Ägypten an der Macht ist, häufen sich Klagen gegen Kritiker der Regierung.

Der ehemalige Arzt Jussif hatte nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im März 2011 mit einer Satire-Show im Internet begonnen. Schnell wurde er populär. Seine Sendung wurde fortan im Fernsehen ausgestrahlt.

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