25. Februar 2009, 06:09 Uhr

"Tag der Abrechnung ist da"

Großer Auftritt: US-Präsident Barack Obama hat seine Rede vor dem Kongress gehalten. Die USA müssten heute für die Fehler der Vergangenenheit zahlen, würden aber aus der Krise gestärkt hervorgehen, machte Obama seinen Landsleuten Mut. Während seiner Rede wurde er häufig durch Beifall unterbrochen.

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US-Präsident Barack Obama hat seine erste Rede vor beiden Kammern des Kongresses gehalten©

Die USA werden nach den Worten von US-Präsident Barack Obama gestärkt aus der schweren Wirtschaftskrise hervorgehen. "Wir werden uns wieder erholen und die USA werden stärker sein als zuvor", sagte Obama am Dienstag vor beiden Kammern des Kongresses in Washington. Seine Ansprache wurde häufig von langanhaltendem Beifall unterbrochen, zuvor war er von den Senatoren und Abgeordneten mit Jubel empfangen worden. Obama verteidigte das größte Konjunkturprogramm in der US-Geschichte und die Milliarden-Hilfen für die Banken als unbedingt notwendig, damit die USA nicht in eine "unbefristete Rezession" stürzten.

Auch wenn "die Wirtschaft geschwächt und das Vertrauen erschüttert" sei, habe Amerika mit seinem Einfallsreichtum und Fleiß Grund zum Optimismus, betonte Obama. "Das Gewicht der Krise wird nicht das Schicksal dieser Nation bestimmen." Die USA müssten heute für die gravierenden politischen Fehler der Vergangenheit zahlen. "Der Tag der Abrechnung ist da und nun ist die Zeit gekommen, die Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen." Amerika habe zu lange auf den kurzfristigen Erfolg gestarrt und dabei die die langfristigen Perspektiven aus den Augen verloren, sagte Obama.

Regulierung der Finanzmärkte angestrebt

"Wir lebten in einer Ära, in der zu oft kurzfristige Gewinne höher geschätzt wurden als langfristiges Wachstum. Wir schafften es nicht, weiter als an die nächste Gehaltszahlung, das nächste Quartal, die nächste Wahl zu denken", sagte Obama. Überschüsse seien dazu genutzt worden, die Reichen reicher zu machen anstatt darin eine Chance für Investitionen in die Zukunft zu sehen. Regulierungen seien zugunsten rascher Profite und auf Kosten eines gesunden Marktes eingeschränkt worden. Obama kündigte eine Gesetzesinitiative zu einer strengeren Regulierung der Finanzmärkte an.

Die staatlichen Investitionen und Hilfen für die Banken seien die Voraussetzungen für die Schaffung und Sicherung von Millionen von Arbeitsplätzen, sagte Obama. Insbesondere die Konsolidierung des Bankensektors und damit die Wiederbelebung der Kreditvergabe hätten eine entscheidende Bedeutung. Möglicherweise werde der Finanzsektor mehr als die bisher bewilligten 700 Milliarden Dollar Staatshilfe brauchen. "Wir helfen nicht den Banken, wir helfen den Menschen", sagte Obama. Er setzte sich erneut auch für die Rettung der US- Autohersteller ein. Eine neu aufgestellten, umstrukturierte Autoindustrie sei wichtig, um Millionen von Arbeitsplätzen zu retten. "Die Nation, die das Auto erfunden hat, kann sich nicht einfach von ihm verabschieden."

Abhängigkeit vom Öl verringern

Obama forderte umfangreiche Reformen, damit die US-Wirtschaft sich wieder erholen könne. Damit dieses Jahrhundert wieder ein amerikanisches werde, müsse man die "Abhängigkeit vom Öl und die hohen Kosten unseres Gesundheitswesens angehen, ... ebenso wie die Schulen, die unsere Kindern nicht auf den Berg von Schulden vorbereiten, denn sie erben werden", sagte Obama. "Das ist unsere Verantwortung."

Obama kündigte einen Etat für das Haushaltsjahr 2010 an, der "eine Vision für Amerika, einen Bauplan für die Zukunft" beinhalte. Der Etat erzwinge zwar "harte Entscheidungen", um das Staatsdefizit zu reduzieren. Er werde nicht alle Probleme lösen können, aber er spiegele die Realität wieder, die "wir geerbt haben": Eine Billion Dollar Defizit, eine Finanzkrise und eine kostspielige Rezession. Demokraten, Republikaner ebenso wie der Präsident selbst müssten manche Prioritäten opfern, weil es für vieles kein Geld mehr gebe. Als Beispiele nannte Obama missglückte Bildungsprogramme, Agrarsubventionen sowie "verschwendete Milliarden im Irak" und unnütze Waffensysteme aus den Zeiten des Kalten Krieges.

Obama versprach erneut eine "neue Ära" der Diplomatie. "Wir werden der Welt zeigen, dass eine neue Ära des (amerikanischen) Engagements begonnen hat." Amerika könne die Gefahren des Jahrhunderts nicht allein meistern, aber die Welt könne das auch nicht ohne Amerika.

Die USA würden weder dem Verhandlungstisch ausweichen noch die Feinde ignorieren, die Amerika gefährdeten. Seine Regierung wolle international ein Klima des Vertrauens herstellen. Aber die USA würden - insbesondere in Afghanistan - nicht zulassen, dass es sichere Häfen für Terroristen gebe, die sich gegen das amerikanische Volk verschworen hätten. Obama versicherte erneut, dass auch im Kampf gegen den Terrorismus "die amerikanischen Werte" gewahrt werden würden. Ohne jede Einschränkung könne er sagen, dass "die USA nicht foltern".

Die Republikaner kritisierten die Wirtschaftspolitik von Obama als "unverantwortlich" und "fehlgeleitet". Das Konjunkturprogramm der Regierung bringe "nur mehr Staat, höhere Steuern ... und bürdet künftigen Generationen Schulden auf", sagte der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, nach der Ansprache des Präsidenten im Namen seiner Partei. Politische Führung dürfe nicht bedeuten, einfach "die Steuern zu erhöhen und mehr Geld und mehr Macht in die Hände der Politiker in Washington zu legen". Der 37 Jahre alte Amerikaner mit indischen Wurzeln gilt als möglicher republikanischer Herausforderer von Obama bei der Präsidentschaftswahl 2012.

DPA
 
 
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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Nostradamus (25.02.2009, 22:29 Uhr)
Kritik an Obama
Man kann es nicht alle recht machen. Obama muss erstmal wieder das Wichtigste schaffen nämlich den Amerikanern den Glauben in die Zukunft zurück geben. Das ist Psychologie. Das allein wird nicht helfen. Er muss es mit Maßnahmen unterstützen.
Die Damen und Herren um George W. Bush anzuklagen halte ich für unnötig. Meine Meinung dazu ist ohnehin die, dass das Schlimmste was ein Mensch erfahren kann die Erkenntnis ist, dass er etwas falsch gemacht hat und die reift nicht bei Gerichtsprozessen sondern indem man ihnen durch alternatives Handeln zeigt, dass sie auf dem Holzweg waren.
George W. Bush war aus meiner Sicht auch Opfer falscher Berater. Als es um die Mauerschützen ging hat man beklagt, dass man die Führungsebenen nicht angeklagt hat. In dem Fall müßte man auch die anklagen, die George W. Bush und seine Leute mit fehlerhaften, unvollständigen oder gar falschen Informationen gefüttert haben. Wobei man schon sagen muß, daß es wohl so ist, dass diese genau nach jenen Informationen verlangt haben, die man ihnen vorgelegt hat.
Schön ist jedenfalls, dass der Iran sein AKW in Betrieb nehmen kann ohne, dass Bomben fallen. Der Iran hat niemals und wird niemals jemanden angreifen aber der Iran will der Welt auch zeigen, dass er autonom ist und ernst genommen werden will. Allerdings sollte man, wenn man ernst genommen werden will keine Dummheiten von sich geben.
Was mich gewundert hat ist der Umstand, dass George W. Bush nicht selbst die Schließung von Guantanamo Bay angeordnet hat, da er wußte, dass Obama eben dies tun würde. Das zeigt wie kurzsichtig er ist.
Womit bezahlen er und seine Mannen ihr tun? Letztendlich damit, dass sie nahezu jeder Mensch auf diesem Planeten im Geiste mit Schimpf und Schande bedenkt. Gibt es schlimmere Strafen? Die Namen dieser Leute sind für Jahrzehnte verbrannt.
Ich für meinen Teil halte es jedenfall für sehr wichtig, dass Obama Signale setzt, die ein "think positive" wieder zulassen denn das ist die Basis dafür das Ruder herum zu reißen und etwas fröhlicher in die Zukunft zu schauen. Hoffen wir auf die Vernunft und die amerikanische und europäische aber auch die deutsche, asiatische aber auch die, last but not least, die sowjetische Justiz.
faculdoc (25.02.2009, 18:09 Uhr)
Obamas " Tag der Abrechnung"
Ich habe bis jetzt vergeblich versucht,aus der Rede die Aktivitäten der Abrechnung ( ? ) der neuen Administration herauszufinden. Handelt es sich gar um eine Energie-oder Zinsabrechnung ...? Im Augenblick ist von Obama leider nur "warme Luft" zu vernehmen. Aber vielleicht kann er garnicht anders .
Über den unbeschränkten deutschen Götzendienst gegenüber den USA erspare ich mir jeden Buchstaben, wir gönnen uns ja sonst nichts .Aber hinsichtlich einer innerbundesstaatlichen Abrechnung seitens des US-Senats gegenüber den Verbrechern wie : G.W.Bush & Cheney,Rumsfeld,Rice,Paulson und vor
allem Grenspan nebst Vasallen der Fed Ex ...das hätte ich darunter verstanden.Diesen Verbrechern die Immunität entziehen und sie vor das Strafgericht -USA oder den Haag bringen und ordentlich ( !)
zur Rechenschaft ziehen. Ich staune,wie tolerant Obama mit den gewissenlosen Verursachern/Akteuren der vergangenen Regierung umgeht. Hat denn das amerikanische Volk die Rückbesinnung auf die letzten acht Jahre verloren ? Wenn sich die USA-Admin. neben dem neuen Programm nicht auf eine schonungslose
Zäsur mit den personellen Quellen dieses allein 10-jährigen nationalen und globalen Finanz-und Wirtschaftsdesasters einstellt,dann wird es m.E. kein Ende der US-amerikanischen Agonie geben. Ich hoffe von ganzem Herzen für Obama,dass ihm beide Mainstreams gelingen mögen.
schueki (25.02.2009, 15:02 Uhr)
Library of Congress
Sogar in der Library of Congress der USA steht:
"Exactly who invented the automobile is a matter of opinion. If we had to give credit to one inventor, it would probably be Karl Benz from Germany. Many suggest that he created the first true automobile in 1885/1886." Das haetten seine Redenschreiber mit einem Klick pruefen koennen, oder er hinterfragen sollen.
Ich sehe das nicht nur als kleinen Ausrutscher, sondern als Zeichen einer doch groesseren Amerika-Ego-Zentrik als gedacht. Aegerlich, insbesondere da ich mir viel von ihm erhoffe. Aber die ersten 100 Tage ist ja noch Einarbeitszeit, oder?
gayorg (25.02.2009, 12:32 Uhr)
Ronald Reagan
unwillkürlich hab ich an den SLOGAN VON REAGAN gedacht: let´s make america great again. Na dann gute nacht.
mramorak (25.02.2009, 11:58 Uhr)
Nicht das Auto war wichtig,
was er sonst sagte, war doch viel wichtiger. Denn der mann ist wirklich uninformiert. Was für diese Generation in allen Freien Ländern der Fall ist: Einseitige Information. Daher die dauernt Rufe nach Verstaatlichung, in Europa un im Obama-Amerika. Die folgen sind, dass keiner mehr Inwestiert. Und warum sollte einer Inwestieren, wenn er weiß, dass er morgen sein Geld los ist. Und die Staatsfunktionäre lassen die Menschen wieder hungern. Die nächste Generation kann dan durch all Städte der Welt ziehen und rufen "wir sind das Volk".
Vorsichtshalber hat der jetzige Präsident der USA sein eigenes Versagen für die nächsten 4 Jahren seinem Vorgänger in die Schuhe geschoben. Denn er weiß, das kommt an bei seinen jungen unerfahrenen Wählern. Kennedy hat auch so angefangen und hat die amerikanische Truppen in Vietnam massiev verstärkt. Er wieß auch, dass soetwas vergessen wird - nicht wenn ein Republicaner das macht! Ja, ja wenn worte etwas schaffen würden, wäre Obama der größte schöpfer seiner Generation.
Nostradamus (25.02.2009, 11:02 Uhr)
Plagiator
Der Mann schreibt bei mir ab.
Mopar (25.02.2009, 10:39 Uhr)
@ Wiebitte20081
Warum sollte ein amerikanischer Präsident, vor einer amerikanischen Flagge stehend, mit "Nation", das man nur mit "Nation" ubersetzen kann, etwas anderes meinen als die USA?
Anemone (25.02.2009, 10:31 Uhr)
"Tag der Abrechnung"
Als ich las "Der Tag der Abrechnung ist gekommen, nachdem das Land über seine Verhältnisse gelebt hat" habe ich eine Sekunde gedacht, er spricht in Berlin!
Wendepunkt der Geschichte? Ja - aber in welche Richtung!
tricky_dude (25.02.2009, 10:21 Uhr)
Das Auto
ja, erfunden wurde es hier, aber die einheimische Industrie war wieder mal Skeptisch, dann kam ein findiger Amerikaner names Ford, hat die Chance erkannt , die Fließbandproduktion eingeführt und billige Autos für alle gebaut. Deshalb ist der Glaube, daß Ford das Auto erfunden hätte in USA noch so verbreitet. Die lernen es so in der Schule. Es ist die alte Geschichte das bei uns was erfunden wird, die Industrie aber wieder nur rumhadert.
Malt (25.02.2009, 10:12 Uhr)
Yes, he knows!
"Wir lebten in einer Ära, in der zu oft kurzfristige Gewinne höher geschätzt wurden als langfristiges Wachstum. Wir schafften es nicht, weiter als an die nächste Gehaltszahlung, das nächste Quartal, die nächste Wahl zu denken"
.
Tja, das Problem ist schon mal erkannt... aber was kommt jetzt?
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