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12. Juni 2011, 14:22 Uhr

US-Republikanern droht Zickenkrieg

Den US-Republikanern steht ein "Catfight", ein Zickenkrieg bevor. Michele Bachmann will es mit Sarah Palin aufnehmen - und als Präsidentschaftskandidatin der Konservativen ins Rennen gegen Barack Obama gehen. Was die beiden Frauen verbindet und unterscheidet. Von Sabine Muscat, Washington

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Palins Rivalin: die Republikanerin Michele Bachmann© Brian Snyder/Reuters

Es weht ein Hauch von Sommer in den tristen Versammlungsraum über der Mensa der Southern New Hampshire University. Das schmetterlingsgelbe Kostüm von Michele Bachmann bringt ihre zierliche Figur zur Geltung, eine dreireihige Perlenkette bildet den seriösen Kontrapunkt. "Wir verbrauchen den Unterhalt einer Generation, die noch nicht geboren ist", mahnt die Republikanerin, die es mit Barack Obama aufnehmen will.

Vor ihrem Publikum aus Anhängern der Tea-Party-Bewegung, die auch in Sachen Haushaltspolitik konservativ ist, betont sie ihren Hintergrund als Steueranwältin, die eine selbstständige Praxis aufgebaut hat. Doch dabei greift sie zum krassesten aller möglichen Vergleiche: Als Schülerin habe sie sich gefragt, wie die Welt habe wegsehen können, als während des Holocaust sechs Millionen Juden vergast wurden. "Es gibt keine Analogie zu dieser fürchterlichen Tat", sagt sie. Um den Vergleich dann doch zu ziehen: "Heute sehen wir dem Verlust unserer ökonomischen Freiheiten tatenlos zu."

Im nüchternen New Hampshire mag so etwas befremdlich wirken, doch selbst hier sind die Zuhörer von Bachmanns Charme beeindruckt. Die rechtskonservative Basis im ersten Vorwahlstaat Iowa liegt der Politikerin längst zu Füßen - und scheint darüber fast Amerikas berühmteste Populistin vergessen zu haben, die in den vergangenen ahren für so viel Wirbel gesorgt hat: Sarah Palin.

Bachmann bringt sich systematisch in Stellung

Die frühere Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftskandidatin von John McCain hat Konkurrenz im eigenen Laden bekommen. Während Palin in einem Bus historische Orte an der Ostküste besucht und die Welt über ihre Präsidentschaftsambitionen rätseln lässt, bringt sich Bachmann systematisch für eine Kandidatur um die Nominierung ihrer Partei in Stellung. Am Montag wird sie an einer TV-Debatte in New Hampshire teilnehmen, wenig später will sie an ihrem Geburtsort Waterloo ihre Kandidatur verkünden. Es trifft sich gut, dass Waterloo in Iowa liegt.

Falls beide Damen antreten, könnten sich die US-Medien auf einen "Catfight" freuen, einen Zickenkrieg der Extraklasse. Einen Vorgeschmack bekamen sie diese Woche, als Bachmanns Berater Ed Rollins Palin als "nicht ernsthaft" abtat. Die Frauen würden um dieselben Wähler konkurrieren: um Anhänger der Tea Party, die für Budgetkürzungen und die Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform kämpft, und um wertkonservative Republikaner, die gegen Abtreibung und Homo-Ehe sind.

Glaubwürdigkeit kontra Promifaktor

Palins größtes Plus wäre ihr Prominentenstatus, Bachmann hätte einen Glaubwürdigkeitsvorteil. Als Kongressabgeordnete aus Minnesota hat sie seit 2007 eine Präsenz in Washington, im Repräsentantenhaus hat sie als Anführerin einer Tea-Party-Fraktion ein eigenes Machtzentrum aufgebaut.

In der Rubrik Familienwerte kann Bachmann wie Palin mit fünf leiblichen Kindern trumpfen. Doch kann sie ihre Überzeugungen zusätzlich dadurch untermauern, dass sie mit ihrem Mann, einem Familientherapeuten, auch noch 23 Pflegekinder aufgezogen hat.

Wie Palin hat die 55-Jährige eine modische Verwandlung hinter sich: Die noch vor zwei Jahren bieder herunterhängenden langen braunen Haare sind auf modische Schulterlänge gekürzt. Anders als Palin hat sie auch die früher schrille Art abgelegt, nicht jedoch die Lust an kruden Vergleichen. Als 2009 die Schweinegrippe ausbrach, bemerkte die Republikanerin, dass die Seuche zum letzten Mal unter dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter umgegangen sei. "Ich gebe dafür nicht Präsident Obama die Schuld", sagte sie. "Ich finde nur, dass es ein interessanter Zufall ist."

Von Sabine Muscat, Washington
 
 
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