26. Februar 2013, 14:05 Uhr

Tod eines Gefangenen heizt Spannungen weiter an

Erstmals seit Monaten wird Israel wieder von einer Rakete aus Gaza getroffen. Und im Westjordanland gibt es neue Unruhen. Der Tod eines Palästinensers in israelischer Haft ist weiter ungeklärt.

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Proteste im Westjordanland: Die Palästinenser hatten Israel nach einer Autopsie am Sonntag vorgeworfen, den jungen Familienvater Arafat Dscharadat zu Tode gefoltert zu haben©

Der ungeklärte Tod eines Palästinensers in einem israelischen Gefängnis hat die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärft. Erstmals seit Ende November feuerten militante Palästinenser am Dienstag wieder eine Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Im Westjordanland kam es wieder zu gewalttätigen Demonstrationen gegen die israelische Besatzung.

Die Palästinenser hatten Israel nach einer Autopsie am Sonntag vorgeworfen, den jungen Familienvater Arafat Dscharadat zu Tode gefoltert zu haben. Israel betonte, die Untersuchungen zur Todesursache liefen noch.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte am Dienstag eine internationale Untersuchung "der Ermordung" des Häftlings. Auch die Vereinten Nationen mahnten eine "unabhängige und transparente" Untersuchung an, deren Ergebnisse nach Worten des UN-Koordinators für den Nahost-Friedensprozess, Robert Serry, "so schnell wie möglich" veröffentlicht werden müssten.

Tränengas und Gummigeschosse

Israel hat offiziell keinen Zeitpunkt für die Bekanntgabe des Ergebnisses der Obduktion genannt. Medienberichten zufolge könnte es bis zu zwei Wochen dauern.

In der Altstadt von Hebron und vor der nahe gelegenen israelischen Siedlung Kiriat Arba wurden israelische Polizisten und Soldaten erneut mit Steinen beworfen. Die Sicherheitskräfte setzten nach palästinensischen Angaben Tränengas und Gummigeschosse ein. Seit Wochen wird für die Freilassung von vier seit Monaten hungerstreikenden Palästinensern aus israelischer Haft demonstriert.

Die vom Gazastreifen aus abgefeuerte Rakete habe eine Landstraße südlich der Hafenstadt Aschkelon getroffen, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv auf Anfrage. Es habe keine Verletzten und nur leichte Schäden am Straßenbelag gegeben. Israel schloss als Reaktion jedoch Kerem Schalom, den einzigen Übergang für Waren von Israel in den Gazastreifen.

Reaktion auf den Tod des Häftlings

Nach Berichten aus dem Gazastreifen hatten Palästinenser bereits in der Nacht zum Sonntag drei Raketen abgefeuert, die aber israelisches Gebiet nicht erreicht hätten. Die palästinensische Webseite Amad berichtete, zwei bisher unbekannte Untergruppen der zur Fatah gehörenden Al-Aksa-Märtyrerbrigaden hätten sich zum Abfeuern einer Rakete aus dem Gazastreifen auf Israel bekannt. Sie hätten damit auf den Tod des Häftlings reagiert.

Im vergangenen November waren bei achttätigen Kämpfen zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen mindestens 164 Palästinenser und 6 Israelis getötet worden. Auf palästinensischer Seite wurden mindestens 1225 Menschen verletzt, in Israel mehr als 100. Insgesamt wurden damals mehr als 1500 Raketen auf Israel abgefeuert; Israels Luftwaffe griff etwa 1500 Ziele im Gazastreifen an und zerstörte Waffen und wichtige Einrichtungen der Hamas.

Die Kämpfe endeten mit einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe. Seither wurden sechs Palästinenser am Grenzzaun von israelischen Soldaten erschossen und Dutzende verletzt.

vale/DPA
 
 
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