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22. Januar 2012, 09:50 Uhr

Romney scheitert an dunklem Geheimnis

Mitt Romney und Newt Gingrich haben beide ihre dunklen Geheimnisse. Doch während Gingrich damit offensiv umgeht, hat Romney sie im Dunkeln belassen. Das hat sich jetzt gerächt. Von Martin Knobbe, Columbia

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Nach seiner deutlichen Vorwahl-Niederlage in South Carolina muss sich Mitt Romney auf einen langen Vorwahlkampf einstellen© John Moore/Getty Images

Es war eigentlich wie immer. Mitt Romneys Wahlkampfsong "Born Free" von Kid Rock erklang, dann trat Mitt Romney himself auf die Bühne, zusammen mit seiner Frau Ann und einigen akkurat frisierten Vertretern seiner Großfamilie. Sie strahlten und winkten in die Runde und gaben Autogramme, so wie sie es in den vergangenen drei Wochen immer getan hatten, bei ihren vielen Auftritten auf Bauernhöfen, in Turnhallen und Metallwerkstätten. Anders war nur, dass sie diesmal die Party eines Verlierers gaben.

Mitt Romney, fünffacher Vater, Multimillionär und Ex-Gouverneur von Massachusetts unterlag bei der dritten Vorwahl um die republikanische Präsidentschaftskandidatur seinem größten Widersacher, dem einstigen Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich.

Der Abstand war mit zwölf Prozent der Stimmen durchaus gewaltig. Er kam zustande, weil sich Mitt Romney in South Carolina vom klaren Favoriten zu einem Kandidaten entwickelt hatte, der seine dunklen Geheimnisse hat. Bleiben sie dunkel, ist sein vorausgesagter Sieg am Ende des monatelangen Nominierungsmarathons durchaus fraglich.

Verwunderung über niedrigen Steuersatz

Es begann mit einem zarten Hinweis auf die immer wieder kehrende Frage, wie viele Steuern der Gründer der Risikokpitalgesellschaft Bain Capital eigentlich zahle. "Wahrscheinlich so um die 15 Prozent", gab Mitt Romney nun endlich am Dienstag dem Drängen der Reporter nach. Doch die vage Antwort warf nur noch neue Fragen auf: Wie gelangt man zu solch einem Satz, der selbst für die USA und ihre Steuerfreundlichkeit zu Reichen ungewöhnlich niedrig ist? Darauf hatte Mitt Romney dann keine Antwort mehr. Und seine Steuererklärung, die darüber Auskunft geben könnte, will er erst im April veröffentlichen.

Wie so oft, wenn Politiker keine Antworten geben, dann finden Journalisten sie irgendwann: Mitt Romney habe einen Teil seines Vermögens, das auf 250 Millionen Dollar geschätzt wird, im Steuerparadies der Cayman-Inseln investiert, berichteten mehrere Medien. Kein illegales Verhalten, aber doch fragwürdig für jemanden, der sich im Wahlkampf als Patriot feiern lässt. Mitt Romney kommentierte auch diese Aufdeckung nicht. Was ihn nur noch verdächtiger machte.

Gingrichs Medienschelte zeigte Wirkung

Auch Newt Gingrich ist kein Mann ohne Makel. Er hat vermutlich mehr dunkle Geheimnisse als sein Widersacher. Doch er geht mit ihnen klüger um.

Auch Gingrich soll Millionen gemacht haben, vor allem durch seine umstrittene Lobby-Arbeit nach politischer Karriere. Um kritischen Fragen zuvor zu kommen, hat er einen Tag vor den Wahlen noch schnell seine Steuerklärung des letzten Jahres veröffentlicht. Als Journalisten begannen, die Gründe seiner zwei Scheidungen zu hinterfragen, drehte Gingrich den Spieß einfach um - und beschimpfte die Journalisten. Einer dieser Attacken war der Moment, der alles veränderte.

Die CNN-Fernsehdebatte in Charleston hatte am Donnerstagabend gerade begonnen, die vier Präsidentschaftskandidaten standen auf der Bühne, und Moderator John King stellte die erste Frage. Sie ging an Newt Gingrich. Ob er den Vorwürfen seiner Ex-Frau etwas entgegnen wolle, er habe 1999 von ihr eine "offene Ehe" gefordert, weil er mit seiner heutigen Frau damals eine Affäre hatte. Nein, er wolle nicht, sagte Gingrich, "aber ich werde". Und hob an zu einer knappen, aber messerscharfen Medienschelte, dass selbst dem Routinier John King kurz die Gesichtszüge entglitten. Er finde das Verhalten der Medien "destruktiv, bösartig und von negativer Natur", sagte Gingrich. "Ich bin erschüttert, dass Sie eine Präsidentendebatte mit dieser Frage beginnen." Er bekam den vermutlich lautesten Applaus des Abends.

Nicht jede Schmutzkampagne geht auf

Es war ein Moment, der zeigte, dass nicht jede Schmutzkampagne aufgeht. Dass sie im Zweifel eher Anhänger als neue Feinde schafft. Und dass die Menschen in Amerika vielleicht doch mehr an realer Politik als an Gossip interessiert sind. Es war der Moment, als Mitt Romney im Treibsand der Umfragen zu sinken begann und sich nicht mehr befreien konnte. Sein zweistelliger Vorsprung in den Umfragen schmolz zu einem Minus dahin.

Noch am Morgen nach der Wahlnacht zieht Mitt Romney mit seinem Kampagnenteam weiter nach Florida. Dort wird am 31. Januar gewählt. Er wird wieder unzählige Bauernhöfe und Turnhallen beschallen und viele Hände schütteln. Er wird sich in Jacksonville seinen drei Konkurrenten in einer dieser unendlich vielen Debatten stellen. Und er wird etwas mehr von seinen dunklen Geheimnissen preisgeben müssen.

"Es wird ein langer, schwerer Kampf", rief er seinen Anhängern am Abend auf dem Messegelände in Columbia zu. Und es klang ein bisschen so, als müsse er das vor allem sich selbst noch einmal klar machen.

Von Martin Knobbe, Columbia
 
 
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