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17. Oktober 2008, 07:57 Uhr

"Washington Post" setzt auf Obama

Mit der "Washington Post" hat die erste große US-Zeitung ihre Empfehlung im Rennen um die Präsidentschaft gegeben: Sie setzt auf Barack Obama. Den Wahlkampf von John McCain nennt sie enttäuschend. Obama warnt derweil seine Anhänger, die Demokraten könnten es noch vermasseln.

Barack Obama kann auf die mediale Unterstützung der "Washington Post" setzen© Jim Young/Reuters

Die "Washington Post" hat sich am Freitag offiziell für den demokratischen Präsidentenkandidaten Barack Obama ausgesprochen. In dem Leitartikel heißt es, die Wahl sei dem Blatt wegen des enttäuschenden Wahlkampfs seines republikanischen Kontrahenten John McCain leichtgefallen. Obama besitze die "Bewunderung" der Zeitung und habe "beeindruckende Qualitäten. Zwar gebe es wegen der geringen Erfahrungen Obamas in der internationalen Politik auch Vorbehalte und Bedenken, jedoch habe die Zeitung "enorme Hoffnungen".

"Obama hat das Potenzial, ein großartiger Präsident zu werden", schreibt die "Washington Post". Ebenfalls entscheidend sei McCains "unverantwortliche Auswahl" seiner Vizepräsidentenkandidatin Sarah Palin gewesen.

Obama sei intelligent und könne schwierige Sachverhalte schnell erfassen. Der Senator von Illinois besitze die Fähigkeit zur Aussöhnung und zur Konsensbildung. In der Innenpolitik bestehe die Hoffnung, dass er eine Antwort auf die Wirtschaftskrise "mit gesundem Respekt für die Märkte" finden könne. Der schwarze Senator habe zugleich eine Abneigung gegen wachsende Ungleichheiten in der Gesellschaft. In der Außenpolitik werde Obama die amerikanische Führung bewahren und den Kampf gegen Terrorismus fortsetzen. Zudem sei anzunehmen, dass er eine energische Diplomatie im Namen der amerikanische Werte und Interessen betreiben werde.

Die großen US-Zeitungen sprechen sich traditionell im Vorfeld der Wahl für einen Kandidaten aus. In London schloss sich die konservative britische Zeitung "The Times" der "Washington Post" an. Senator John McCain ist ein wirklicher Held und ein mutiger Politiker... Doch seine Zeit ist vorbei", schreibt das Blatt am Freitag in einem Leitartikel. "'The Times' hofft auf einen Sieg Obamas." Dieser habe "Charakter, Intelligenz und Urteilskraft" gezeigt. Im Gegensatz dazu sei McCain mit seinem Wahlkampf gescheitert, "und seine sonderliche Wahl der Vizepräsidentenkandidatin war unverantwortlich".

"Unterschätzt nicht unsere Fähigkeit, es zu vermasseln"

Obama warnte unterdessen seine Anhänger vor übergroßem Optimismus bei der Präsidentschaftswahl am 4. November. Zum Abschluss eines Konzerts von Bruce Springsteen und Billy Joel in New York trat der Kandidat der Demokraten am Donnerstagabend auf die Bühne und sagte, die Umfragen dürften nicht dazu verleiten, das Rennen schon für entschieden zu halten. "Unterschätzt nicht die Fähigkeit der Demokraten, sich die Niederlage aus den Klauen des Sieges zu schnappen", sagte Obama. "Unterschätzt nicht unsere Fähigkeit, es zu vermasseln."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Aaron71 (17.10.2008, 22:10 Uhr)
Er wird wohl gewinnen...
einerseits gut, andererseits schade. So erleben wir die durchgeknallte Vizepräsidentin Palin nicht, die ein hervorragendes Pendant zu Frau Ypsilanti abgibt.
Johann58 (17.10.2008, 15:09 Uhr)
@sinbringer
Ich stimme zum Teil zu. Obama hat im Vorwahlkampf mehr Einsatz der Europaeer in Afghanistan eingefordert, als er noch mit Hillary um die Kandidatur gekaempft hat. Allerdings muss man sagen, dass er wenigstens noch durch Asien und Europa gereist ist, wenn es auch nur Wahlkampf war. McCain kann sagen was er will, er steht fuer die Politik von George W. auch wenn er im Moment versucht sich zu distanzieren. Der Hinweis bei der Debatte er sei nicht George W. Bush war so ueberfluessig wie ein Kropf und statt immer wieder Obama persoenlich zu attakieren waeren Aussagen zu den Problemen und Loesungsvorschlaege sinnvoller gewesen. Der zunaechst so geniale Schachzug mit Joe the plumber geht inzwischen auch nach hinten los. McCains Auftritt bei David Letterman war im Uebrigen auch daneben. Gekuenstelt witzig und peinlich als Letterman ihn auf Sarah Palin angesprochen hat.
Gisella (17.10.2008, 13:59 Uhr)
@SinBringer
Wir haben Ronald R. Bush Sen. Clinton und Bush Jr. miterlebt-alles die gleiche Wichse. Unter dem Motto-"Wer nicht mit uns ist-ist gegen uns", das ist die These der USA. Warten wir es ab und dann schreiben wir nochmal über dieses Thema. Und was "srahlt" bei den Amerikaner- sind die uranverseuchten Bomben, die sie überall abgeworfen haben.
SinBringer (17.10.2008, 12:10 Uhr)
@Gisella
Richtig, dafür ist er auch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und nicht Präsident einer Weltregierung.
Fakt ist aber auch, dass man Obama durchaus zutrauen kann Rücksprache mit seinen verbündeten zu führen, ihre Ideen und Vorschläge zumindest anzuhören und mit in seine eigenen Überlegungen ein zu beziehen.
---
Bush und ich bin mir ziehmlich sicher McCain wäre von ähnlichem Zuschnitt, hat und würde jederzeit einfach alle Welt vor vollendete Tatsachen stellen und gefälligst kritikfreie Unterstützung erwarten und einfordern.
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Nicht zuletzt der Weltwirtschaft (und das bedeutet auch unsere deutsche Wirtschaft) betreffend ist selbst einem die amerikanische Wirtschaft stützende und fördernder Präsident durchaus eher zu unseren Gunsten als zu unserem Nachteil. Wir wissen doch nun eigentlich alle, dass die us-amerikanische Wirtschaft strahlkraft auf die gesamte westliche Welt hat.
Gisella (17.10.2008, 11:04 Uhr)
@Politix
Ich hoffe trotz aller Vorsicht, dass er gewinnt. Aber- wartet ab, was sich daraus ergibt. Auch der Mann wird nur für sein Land regieren, und uns auffordern,Gelder und Soldaten für ihre unsinnigen Kriege bereitzustellen. Nichts wird sich an der Politik der Amerikaner ändern- die sind so überzeugt, das beste, stärkste, grösste und demokratischste Land der Welt zu sein und da gehen sie auch nicht von ab. Na, wir werden es alle erfahren.
Politix (17.10.2008, 10:54 Uhr)
Autokorso!
Wenn Obama gewinnt, werde ich meiner unsägliche Freude darüber einen Autokorso initiieren und danach ein Fest feiern!
(Ich könnte mir sogar vorstellen, dass seine Wahl ein Signal an den Börsen für mehr Sicherheit sein könnte.)
Man wird sehen!
SinBringer (17.10.2008, 10:41 Uhr)
Wo er Recht hat...
hat er wohl Recht.
Wenn man daran denkt, daß man vor 4 Jahren glaubte John Kerry sei schon so gut wie durch vs. George W. Bush.
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