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"Die Partei" übernimmt die Macht in 31 AfD-Facebook-Gruppen

Drei Wochen vor der Bundestagswahl wird die AfD "feindlich" übernommen: Die Satirepartei "Die Partei" hat eigenen Angaben zufolge die Macht in über 30 geheimen AfD-Sympathisanten-Gruppen an sich gerissen. Der Kurs ist jetzt ein anderer.

Radikale Kurskorrektur: Am Sonntag hat die Satirepartei "Die Partei" rund um Martin Sonneborn die Macht in 31 -Gruppen, die der "Alternative für Deutschland" nahestehen, an sich gerissen.

Vor elf Monaten habe man die Gruppen mit eigenen Leuten "infiltriert", erklärte , Satiriker und Mitglied von "Die Partei", in einem Bekenner-Video. Das Video wurde am frühen Nachmittag auf Facebook online gestellt und in die Gruppen gepostet. "Nun übernehmen wir die Macht." Laut Shapira sind in den Gruppen rund 180.000 Menschen organisiert. 

"Björn Höcke": "Die Partei" benennt AfD-Gruppen um

Wie man sich diese "Machtübernahme" vorzustellen hat, zeigte sich noch am Vormittag: Das "Die Partei"-Team warf eigenen Angaben zufolge die ursprünglichen Administratoren aus den Gruppen, setzte sich selbst als Administrator ein und begann dann mit ihrer ganz eigenen Kurskorrektur.

Kurzerhand verpasste sie den Gruppen neue Namen, seitdem gibt es eine "Fangruppe für Martin Sonneborn" (Zuvor: "Fangruppe von Martin Reichardt", AfD-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt), eine "I <3 Antifa"-Gruppe (zuvor: "Antifa - Die Wahrheit!"), eine Gruppe namens "Freunde von Bernd Höcke" (zur Erinnerung: Der Mann heißt Björn. Ja, wirklich. - zuvor "Freunde von Björn Höcke") oder eine Gruppe mit Namen "Kopftuchpflicht für Deutschland" (zuvor: "Deutschland ohne Islam"). Zudem sollten die Gruppen von "geheim" auf "öffentlich" gestellt werden, kündigte Sprecher Shahak Shapira an.

AfD-Gruppen offenbar "gekapert und geknackt"

Als bisherige Administratorin der Gruppen nannte Shahak Shapira in seinem Video eine Frau namens Anne Teska. Anne Teska ist Mitglied der AfD, Beisitzerin im AfD-Kreisverband Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Als der stern Teska am Sonntagnachmittag telefonisch erreicht, reicht sie den Hörer an ihren Mann, auch er AfD-Mitglied, weiter. Seine Frau habe sich heute schon genug über diese Aktion ärgern müssen, erklärt er und bestätigt, dass Teska den Gruppen "als eine von mehreren Administratoren" vorgestanden hatte und nun rausgeworfen wurde.

Die 31 Gruppen, "einige politisch, andere weniger", seien offenbar "gekapert und geknackt" worden, das Ganze sei ganz sicher sauber vorbereitet worden, sagt er. Man habe sich bereits an Facebook gewandt und prüfe zudem strafrechtliche Schritte. Er spricht von einem "bösartigen Kommentar und einem bösartigen Video", das da ins Netz gestellt wurde.

Die AfD und der Bots-Vorwurf

Auf Shahak Shapiras Vorwurf, die Gruppen seien ursprünglich von Bots, also Computerprogrammen, erstellt und erst später an reale AfD-Mitglieder übergeben worden, entgegnet er: "Das ist Unsinn." Tatsächlich hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bereits im Februar berichtet, beim Aufbau der Gruppen könnten Bots im Einsatz gewesen sein, um Inhalte automatisiert zu posten.

Der Übernahme der Facebook-Gruppen durch "Die Partei" gewinnt Shahak Shapira auch vor diesem Hintergrund deshalb nur Positives ab: "Von nun an werden Sie ausschließlich von echten Menschen verarscht", sagte er in seinem Bekenner-Video und verkündete sogleich die neuen Regeln in den Gruppen. Eine von ihnen lautet: "Hetze gegen Muslime ist ab sofort immer gen Mekka auszurichten."



pg

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