. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. Dezember 2009, 13:28 Uhr

Köhler rechnet mit Hochschulpolitik ab

Bundespräsident Horst Köhler geht mit den Verantwortlichen für die deutschen Unis scharf ins Gericht: Der Hochschulbereich leide an einer "chronischen Unterfinanzierung", an "schlechten Betreuungsquoten, maroden Gebäuden und mangelnder Infrastruktur".

Köhler, Horst, Bundespräsident, Präsident, Bildung, Unis, Hochschulen, Studenten, Studierende

Hat Verständnis für die Studentenproteste: Bundespräsident Horst Köhler© Torsten Silz/DDP

Horst Köhler hat Bund und Ländern in ungewohnt scharfer Form vorgeworfen, zu wenig Geld in die Bildung zu investieren. Der Bundespräsident äußerte zugleich Verständnis für die Studenten-Proteste. "Deutschlands Aufwendungen für den Hochschulbereich sind seit Jahren unterdurchschnittlich, die chronische Unterfinanzierung wird in schlechten Betreuungsquoten, maroden Gebäuden und mangelnder Infrastruktur für Forschung und Lehre sichtbar", sagte Köhler am Mittwoch zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig.

Köhler kritisierte diejenigen in Bund und "vor allem" in den Ländern, die geglaubt hätten, man könnte das Hochschulwesen kostenneutral umbauen, vielleicht sogar durch die Einführung der Bachelor-Studiengänge Geld sparen. Es sei gut, dass Bund und Länder sich darauf verständigt hätten, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung zu investieren. "Wenn nun aber so lange gerechnet wird, bis das Ziel nominal erreicht scheint, ohne wirklich mehr Geld in die Hand zu nehmen, dann lässt das daran zweifeln, ob den Worten wirklich Taten folgen", kritisierte Köhler und fügte hinzu: "Wir brauchen die Kraft, Prioritäten zu setzen."

"Alter Wein in neuen, übervollen Schläuchen"

Die Länder seien die Hauptzuständigen für die Hochschulen, sagte Köhler. "Vor allem sie müssen das Thema zur Chefsache machen und können die Verantwortung nicht einfach weiterreichen an die Hochschulen, denen sie zwar mehr Freiheit gewährt haben, ohne das aber mit den nötigen Ressourcen zu unterlegen". Manche Hochschulen hätten den Reformauftrag dann auch nur nach der Devise umgesetzt: "Alter Wein in neuen, übervollen Schläuchen".

Köhler zeigte Verständnis für die Studentenproteste: Die Klage der Studierenden müsse nicht wundern, da das enge Korsett mancher Studien- und Prüfungsordnungen ihnen zu wenig Freiraum gebe. Zudem würden Leistungen, die sie anderenorts erbracht hätten, nicht oder nur mühevoll anerkannt. "Da haben an vielen Stellen immer wieder viele auf andere gesetzt", kritisierte Köhler: "Und deshalb ist jetzt auch wechselseitiges Fingerzeigen wenig hilfreich." Köhler erklärte, der Umbau des Hochschulsystems sei unbestritten notwendig: "zu lange Studienzeiten, zu viele Abbrecher, zu schlechte Studienbedingungen, zu wenig Unterstützungsangebote, zu wenig Chancengerechtigkeit. So konnte es nicht weitergehen."

"Wir brauchen mehr engagiert Lehrende"

Die größte Baustelle im Hochschulwesen sei derzeit der Bologna-Prozess, sagte Köhler. Mit der Umsetzung sei man aber in Deutschland nach zehn Jahren längst nicht da, "wo wir sein sollten". Für die Bologna-Reform wie für das Megathema Bildung insgesamt gelte: "Wir brauchen an vielen Stellen mehr Ehrgeiz und mehr Mitmacher."

Köhler forderte überdies die Einstellung von mehr Dozenten: "Wenn die Hochschulen mehr jungen Menschen offenstehen sollen, dann brauchen wir mehr engagiert Lehrende", erklärte er. Darüber hinaus forderte Köhler eine Exzellenzinitiative für die Lehre. Das Grundsatzproblem, dass gute Forschung sich auszahle, gute Lehre aber kaum, sei nach wie vor ungelöst.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Doppelkinnkrauler (03.12.2009, 17:47 Uhr)
Naja wenn man alles ließt, kommen leider echt noch traurige Wesen zu Tage siehe
http://cdu-politik.de/2009/12/01/minarettabstimmung-waere-es-da-nicht-doch-einfacher-die-regierung-loeste-das-volk-auf-und-waehlte-ein-anderes/comment-page-2/#comment-38922 .

Dietrich von Bern meint:
3.Dezember 2009 at 17:14
@ 81 Schnorchelentsafter meint:

?Zusatz, es sollte sicher eine genaue Differenzierung zwischen Muslimen die friedlich Ihrem glauben nachgehen?

Das sind in ihrer übergroßen Mehrheit die säkularen Moslems, die ja auch keine Prunk- und Protzmoscheen (als Symbol der islamischen Dominanz) für sich beanspruchen und die auch keine Sonderrechte für sich unter Zuhilfenahme unserer liberalen Rechtsordnung einklagen.

P.S. Zwischen einer Prunk- und Protz-(Sieges)-Moschee und einer ?Hinterhofmoschee? gibt es ja die verschiedensten Abstufungen, um ein würdevolles Gebetshaus zu bauen, dass sich harmonisch in den Stadtlandschaft einfügt und nicht als Fremdkörper von der autochthonen Bevölkerung wahrgenommen wird.

Schnorchelentsafter meint:
3.Dezember 2009 at 17:33
Im hier so löschfreudigem Forum

@Dietrich von Bern zu

?Das sind in ihrer übergroßen Mehrheit die säkularen Moslems, ??. Bei Differenzierung meinte ich bringst Du auch dreijährige Kinder um nur weil deren Eltern einst Moslems waren?
rockyciano (03.12.2009, 09:13 Uhr)
Unser Bundespräsident
hat es auf den Punkt gebracht - Glückwunsch Herr Köhler!!!
J_W_Studentin (03.12.2009, 08:52 Uhr)
Bildung
darf nicht ökonomisiert werden. Die Wirtschaft muss der Bildung folgen und nicht andersherum. "Back to the roots" und überlegen, wie Universitäten entstanden sind und unter welchem Bildungsberiff!
Schnorchel (03.12.2009, 02:36 Uhr)
Naja allein auf Berlin bezogen:

Einst dachten wir mit Zurückhaltung daran das die Zugewanderten Bonner Politiker Kinder hier Ihre neugebauten Sonderschulen brauchen, da wir ja steht`s davon ausgingen das Bonner Staatsverbrecher oder jetzt Minister genannt mehr als nur einige geistige defizite aufweisenund dementsprechend deren Kinder eine besondere Förderung benötigen. .
SethusCalvisius (03.12.2009, 00:37 Uhr)
Das ganze Dilemma
lässt sich an einem Beispiel aufzeigen:
Im Grunde müsste es eine bundesweite Bildungspolitik geben, da ist sich die Mehrheit, denke ich einig.
Die Kehrseite:
Wenn man die Bildungshoheit der Länder auf den Bund übertragen würde , wäre demnächst Frau Schavan für die Bildung in ganz Deutschland zuständig.
Das kann ernsthaft niemand wollen.
Schnorchel (02.12.2009, 20:35 Uhr)
Köhler rechnet mit Hochschulpolitik ab
Naja ich denke es würde schon ausreichen anstatt weit überbezahlte Pädagogen zu finanzieren, einfach mal Leute mit Ahnung in Mathematik, Physik, Biologie und was ich so leider hören muß in der deutschen Sprache zu unterrichten.

Entschuldigung aber ich meine einst vor vielen Monden (zu meiner Zeit wurden Mitmenschen noch mit Achtung und Respekt behandelt und begrüßt).

Scheint jedenfalls etwas zu sein was nicht umsonst dafür sorgt das Deutschland immer diese tollen Pisa Ergebnisse bringt.
Knuffiman (02.12.2009, 17:03 Uhr)
alles halb so schlimm,
so lang die profs noch unendlich viel zeit haben um nebengewerbe zu betreiben, in denen die studenten beschäftigt sind.
hier liegt etwas ganz anderes im argen.
Milli (02.12.2009, 15:31 Uhr)
Es ist 5 vor 12 ...
... was unsere Bildungssituation angeht. Ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe kann nur über Bildungspotential global mitspielen. Aber das wird kaputt gespart - zugunsten von Bankern und Finanzhaien. Deutschland als ehemaliges Land der Dichter und Denker ist schon kurz davor total zu verblöden.
Herr Köhler hat sich vermutlich auch über den peinlichen Auftritt der Frau Schavan bei Anne Will empört und sich des Themas angenommen. Gut so! Aber es wird nichts passieren, denn es ist ja gerade bei dieser Regierung, die nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten gewollt hat, schon klar erkennbar, wohin der Weg geht. Und Frau Merkel macht aus Gründen des persönlichen Machterhalts so weiter wie bisher: Keine Farbe bekennen, alles schön reden und Probleme nicht anpacken, sondern aussitzen. Armes Deutschland ! Und das Volk merkt immer noch nichts, weil es ja betont doof gehalten!
re-aktor (02.12.2009, 15:17 Uhr)
Eigentlich
bin ich kein Fan vom Köhler. Aber diesmal sagt er wichtige und vor allem richtige Sachen. Außer das mit der Chefsache. Merkel hat bereits vor einiger Zeit, sehr medienwirksam, die Bildungsrepublik ausgerufen. Effekt: Null.
Taten zählen. Und darin ist Merkel nun wirklich schlecht.
auwei (02.12.2009, 14:35 Uhr)
Der Herr Köhler
...ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Recht hat er - und Frau Schavan (als Maskottchen), vor allem aber die Länder-Bildungs-Duodezfürstchen sowie die Übereifrigen an den Hochschulen, die den Unterschied zwischen Magister (länger) und Bachelor (kürzer) im Hinblick auf den Stoff nicht verstanden haben, sollten sich mal ans Näschen fassen bzw. den Blick aufs Bein richten - da wurde nämlich soeben zu Recht ordentlich davorgepinkelt.
MEHR ZUM ARTIKEL
Bildungsstreik "Studium ist harte Arbeit"

40 Stunden pro Woche studieren und dazu noch arbeiten gehen? Für den Politologen Ulrich von Alemann ganz normal. stern.de sprach mit ihm über die Studentenproteste und die Bologna-Reform. mehr...

Bologna-Reform Alle haben versagt

Die Proteste der Studenten gegen die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master halten an. Hochschulpolitiker und Professoren machen sich gegenseitig für die verkorkste Reform verantwortlich. Wer trägt wirklich die Schuld? mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe