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3. Mai 2010, 14:09 Uhr

Ein Fall wie aus finsteren Zeiten

Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat vor der Wahl 2005 mit einer Initiative kooperiert, die anonyme Spenden eingeworben hat. Das erinnert an die finstersten Zeiten deutscher Parteienfinanzierung. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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In der Bredouille: NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, CDU© Mark Keppler/ddp

Man muss verstehen, dass Norbert Lammert nun erst mal gründlich prüfen lässt, ob an der nordrhein-westfälischen CDU und ihrem Chef Jürgen Rüttgers eine Spendenaffäre klebt. Parlamentspräsident Lammert ist Mitglied im NRW-Landesverband und Rüttgers ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl am Sonntag. Hier zeigt sich wieder einmal, wie heikel es ist, dass die Kontrolle über den korrekten Umgang mit Parteispenden in einem Amt angesiedelt ist, das wegen seines Inhabers keine Adresse parteipolitischer Neutralität sein kann.

Wetten, dass Lammerts Urteil über die aktuellen Vorgänge erst nach dem Wahltag erfolgt?

Gesetz und Rafinesse

Ein Blick ins Parteiengesetz könnte den Prüfvorgang indes beschleunigen. Dort ist eindeutig geregelt, dass die Annahme einer anonymisierten Parteispende verboten ist. Die Initiative "Wähler für den Wechsel" hatte vor der Landtagswahl 2005 eine fünfstellige Summe bei Spendern eingesammelt. Namen der Spender sind nie genannt worden. Die CDU hat ihrerseits die Initiative mit 40.000 Euro Honorar unterstützt. Damit ist klar, worum es den Beteiligten ging: Wahlwerbung für die Christdemokraten. Diesem Zweck kamen auch die Spendengelder zugute. Das aber hätte die CDU verhindern müssen. Denn anonymisierte Spenden sind verboten seit sich vor Jahrzehnten Spender hinter so genannten "Staatsbürgerlichen Vereinigungen" versteckten. Außerdem hätte die CDU die von der Initiative gesponserten Zeitungsanzeigen für die CDU als Sachspende ausweisen müssen.

Die Rechtslage ist eindeutig: Die Annahme einer anonymisierten Spende kostet das dreifache Strafgeld. Hinzu kommt Paragraf 31d der Strafvorschriften im Parteiengesetz: Wer dazu beiträgt die Herkunft der Parteigelder zu verschleiern, also falsche Angaben im vorgeschriebenen Rechenschaftsbericht macht, begeht ein kriminelles Delikt. Das kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Die Gelder, die zwischen der Wählerinitiative und der CDU geflossen sind, hätten im Rechenschaftsbericht zwingend angegeben werden müssen. Das war nicht der Fall und der ist damit auch kein Kavaliersdelikt. Sondern ein raffiniert getarnter Fall eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 60)
 
jps-mm (04.05.2010, 20:03 Uhr)
Stress bis zum Abwinken
Stress bis zum Abwinken

Dubiose Parteienfinanzierung, hohe Arbeitslosigkeit ? und jetzt macht Rüttgers auch noch die Griechenland-Krise zu schaffen. Keine guten Voraussetzungen für die Landtagswahl. VON PASCAL BEUCKER

Liegt nur noch knapp vor seiner SPD-Herausfordererin:

KÖLN taz | Augen zu und durch. Keine Woche vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen herrscht Krisenstimmung im Düsseldorfer Regierungslager. Am 9. Mai gehe es um eine "Schicksalswahl", versucht NRW-CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid seine angesichts immer neuer Katastrophenmeldungen tief verunsicherte Parteibasis zu mobilisieren. "Werben Sie per Telefon, SMS, E-Mail bei Verwandten, Freunden und Bekannten", heißt es in seinem Brandbrief. Es gelte, "einen Linksblock aus SPD, Grünen und Linksextremen zu verhindern", sekundiert die FDP in ihrem am Wochenende beschlossenen Wahlaufruf. Koalitionen mit Grünen oder SPD kämen für sie "nicht in Frage".

Ob ihnen das noch etwas nützen wird? Die jüngste Parteienfinanzierungsaffäre der CDU hat die Aussichten auf eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition auf ein Minimum reduziert. Jetzt sorgt auch noch die FDP für schlechte Spendenschlagzeilen. Wie aus einer Mitteilung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert an den Bundestag hervorgeht, erhielten die Freidemokraten im April als einzige Partei eine saftige Spende vom Verband der Metall- und Elektroindustrie NRW in Höhe von 60.000 Euro. "Der Vorgang erinnert an die Spenden kurz vor der Bundestagswahl im letzten Jahr aus Hotel- und Bankenkreisen", kritisiert Reiner Priggen, Vizefraktionschef der grünen Landtagsfraktion. Es sei zu vermuten, dass angesichts der anhaltend schlechten Umfragewerte der Arbeitgeberverband die FDP "mit einer finanziellen Nothilfe im finalen Wahlkampf noch zu unterstützen versucht, während die CDU durch eine dubiose Sponsoring- und Spendenpraxis ins Straucheln gerät."

Hinzu kommen schlechte Meldungen vom Arbeitsmarkt. Laut den jetzt veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hinkt NRW im Vergleich der Bundesländer beim Abbau der Erwerbslosigkeit deutlich hinterher, ist unter den Flächenländern sogar Schlusslicht. Das Image von Jürgen Rüttgers als "Arbeiterführer" bröckelt.

Zu schaffen macht Schwarz-Gelb zudem noch die Griechenlandkrise. Wie aus Regierungskreisen verlautet, bangt das Land um mehr als zwei Milliarden Euro. Die Landesbank WestLB soll sich mit einer Milliarde Euro in Griechenlandanleihen engagiert haben, die NRW-Bank mit 700 Millionen Euro. Hinzu kämen noch 300 Millionen Euro, die Landesfinanzminister Helmut Linssen (CDU) aus dem NRW-Pensionsfonds in Griechenland investiert habe. Es läuft für die amtierende Koalition einfach nicht rund.


Inzwischen scheint es nicht einmal mehr sicher, ob es der CDU gelingt, am 9. Mai vor der SPD ins Ziel zu kommen. Nach der jüngsten Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Bild-Zeitung liegen die Sozialdemokraten mittlerweile mit 35 Prozent gleichauf mit der Union, die damit beinahe zehn Prozent gegenüber der Wahl von vor fünf Jahren verlöre. Auch die Forschungsgruppe Wahlen taxiert die CDU bei nur 35 Prozent. Allerdings liegt hier die SPD mit 33,5 Prozent noch knapp dahinter.
jps-mm (04.05.2010, 20:00 Uhr)
Dubiose Praktiken in der CDU
Beinahe täglich kommen neue Details zur Initiative "Wähler für den Wechsel" ans Licht. Die vermeintlich unabhängige Initiative hatte 2005 für die CDU geworben.

Erst jetzt stellt sich heraus, dass die Initiative keineswegs unabhängig war. Die "Wähler für den Wechsel" wurden von einer Werbeagentur promotet, deren Rechnung die CDU übernommen hatte. Weil die Initiative Spenden sammelte, die nicht im Rechenschaftsbericht der Partei auftauchten, ermittelt die Bundestagsverwaltung wegen des Verdachts auf illegale Parteienfinanzierung. CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid räumte ein, man "könne juristisch durchaus die Ansicht vertreten, dass die Praxis bedenklich war."

Enttäuschter Olympiasieger

Während die Rüttgers-Wahlkämpfer eine "Schmutzkampagne" der SPD beklagen, zieht die Angelegenheit immer neue, für die Union unerfreuliche Kreise. Nun meldet sich einer der prominenten Unterstützer der Initiative "Wähler für den Wechsel" zu Wort - und fordert eine Klarstellung.

Im Gespräch mit sueddeutsche.de sagt Springreiter Ludger Beerbaum, er fühle sich von der CDU getäuscht: "Ich wusste nicht, dass hinter der Initiative die damalige Opposition steckte. Diese Enthüllungen sind im Nachhinein sehr merkwürdig. Das geht gar nicht." Der im münsterländischen Hörstel lebende Olympiasieger fordert die CDU auf, sich in dieser Angelegenheit bei ihm zu melden: "Ich verlange eine Erklärung von der Partei, wie es dazu kommen konnte."

http://www.sueddeutsche.de/politik/119/510240/text/

VaSi90 (04.05.2010, 13:39 Uhr)
Parteiengesetz ändern!
Also aus der Schlussfolgerung der jahrzehntelangen Parteispendenaffären der so ziehlich aller Parteien, müsste, wenn die Politik einen Krümel an Glaubwürdigkeit wiedergewinnen will folgendes hin ändern:
1. Politiker, die in einem Parlament "einziehen", MÜSSEN ALLE anderen Ämter "ruhen lassen".
2. Parteienspenden JEGLICHER Form sind AUSNAHMSLOS verboten!
3. Nach Ablauf einer Wahlperiode MUSS ein AbgeordneterIn einen Rechenschaftsbericht (wie bei AG's) abgeben und AUSNAHMSLOS ins Internet für jederman Veröffentlicht.
4. Nach Ablauf von vier Jahren des Miniteriumsamtes ist es nicht möglich in einem Unternehmen zu wechseln.
5. Bei Zuwiederhandeln kann das fünfache des gespendete Geld als Strafe aufgegeben werden. Bei Wiederholung erlischt das Mandat des Abgeordneten ausnahmslos sofort.
Begründungen, die Abgeortneten könnten sonst nicht mehr zurück in das frühere Beruf, lasse ich nicht gelten! JEDER Abgeortenet weis doch, was auf ihm zu kommt!!! ODER?
nightmare_online (04.05.2010, 11:06 Uhr)
Och seid ihr wieder niedlich, ihr CDU-Fans
Das ist mal wieder echt typisch. Nicht die CDU, die sich offenkundig mal wieder illegaler Mittel bedient hat, um die Parteikasse zu füllen ist das Problem, nein es ist ein Journalist, der dies benennt. Aber das kennen wir ja schon. Weder die Gesetzesbrüche des Bimbeskanzlers haben die CDU-Fans irritiert oder gar erschüttert, noch die jüdischen Spender in Hessen. Auch da waren vermutlich die eigentlch Schuldigen die bösen bösen Journalisten.
Sagt mal, ihr CDU-Anbeter: Ist bei Euch immer noch nicht angekommen, das Gesetzsbrüche meist (leider nicht immer, wie der Fall des Bimbeskanzlers zeigt) sogar dann verfolgt werden, wenn der Verbrecher ein CDU-Parteibuch hat?
vombromsberg (04.05.2010, 10:48 Uhr)
das war's.....
jürgen!
Pitt3 (04.05.2010, 10:01 Uhr)
Lieber Stern
noch nichts gemerkt ? Politiker dürfen alles denen passsssiiiert niiiiiiiiichts !!! Für diese Art von Menschen gelten völllllig andeeeereee Gesetze !! Diesé Art von Lebewesen hat in Deutschland nichts aber auch garnichts zu befürchten das beste Beispiel ist Kohl ! was ist ihm passiert bei der Spendenaffäre ?????????? N I C H T S !
ganzbaf (04.05.2010, 09:58 Uhr)
Die Schwarzchristlichen...

waren schon immer die scheinheiligsten und dreistesten Wählertäuscher und Wirtschaftskriecher.
Leider gibt es noch zu viele "Gläubige" in D. ;-S
tannebaum (04.05.2010, 00:26 Uhr)
zufall???
kurz vor der wahl die alten kamellen rausholen??? warum berichtet der stern nicht über ein vergehen der spd oder anderen. gibt ja genug. sagar inhaftierte gab es bei denen in den letzten jahren. oder leute, die ihre lobbykontakte nach der abwahl sich vergolden ließen...

herr schütz, dass sie ausschließlich links denken ist uns ja allen klar. das sie sich aber aktiv als wahlkämpfer einspannen lassen und gruner+jahr ihnen das auch noch bezahlt ist dreist.

wie war das mit journalismus und der überparteilichkeit??? ist das auch schon eine olle kamelle??? ich dachte, sie hätten ihr handwerk noch mit diesem regeln erlernt. schade...
tannebaum (04.05.2010, 00:23 Uhr)
@rockyciano
sie sind ja lustig. das heisst also alle dürfen klauen, stehlen und sich bestechen lassen - nur keine christen? sie sind ja lustig!!!! wenn einem keine ausreden einfallen, dann kommt das dümmste argument gerade recht, was?!
knackebusch (03.05.2010, 22:19 Uhr)
Stimmungsmache
Mit diesem Kommentar greift der Stern in den Wahlkampf ein. Der Hintergrund ist nicht neu, doch wenige Tage vor einer Landtagswahl derart Stimmung zu machen, ist schlechter journalistischer Stil. Wenn es ums liebe Geld geht, sind auch die anderen Parteien nicht besser. Da sitzt dann auch das Hemd näher als die Hose. Das hat Herr Schütz offenbar ganz bewusst "vergessen".
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