Wulff lehnt Veröffentlichung von "Bild"-Anruf ab

5. Januar 2012, 17:33 Uhr

Was sprach der Bundespräsident auf die Mailbox des "Bild"-Chefs? Das Blatt wollte den Inhalt veröffentlichen. Doch Wulff lehnt das ab – und gerät nun noch mehr unter Druck.

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Wollte Bundespräsident Christian Wulff mit seinem Anruf beim "Bild"-Chefredakteur die kritische Berichterstattung in der Kreditaffäre verhindern - oder, wie er im TV-Interview angab, nur verschieben? Das Blatt widersprach Wulffs Äußerungen am Donnerstag und wollte die umstrittene Passage von der Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann publizieren.

Daraus wird offenbar nichts: Wulff lehnte die Veröffentlichung des umstrittenen Anrufs ab. Er erklärte am Donnerstag in einem vom Bundespräsidialamt veröffentlichten Schreiben (kompletter Wortlaut) an Diekmann: "Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich für Sie und für sonst niemanden bestimmt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben."

Die "Bild"-Zeitung bedauerte Wulffs Entscheidung: "Damit können die im Zusammenhang mit dem Fernsehinterview des Bundespräsidenten entstandenen Unstimmigkeiten, was das Ziel seines Anrufes angeht, nicht im Sinne der von ihm versprochenen Transparenz aufgeklärt werden", teilte die Chefredaktion mit.

Veröffentlichung theoretisch möglich

Diekmann hatte den Bundespräsidenten zuvor schriftlich gebeten, der Veröffentlichung zuzustimmen: "Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis."

Die Veröffentlichung der Mailbox-Nachricht ist theoretisch auch ohne die Zustimmung Wulffs rechtens - allerdings bedarf es einer genauen rechtlichen Abwägung. Das Verfassungsrecht schützt grundsätzlich das gesprochene Wort. Wenn Äußerungen von öffentlichem Interesse sind, könnte die Pressefreiheit schwerer als das Persönlichkeitsrecht wiegen.

Die SPD forderte nach dem "Nein" Wulffs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Einschreiten: "Wenn Frau Merkel ein Interesse hat, dieses scheinheilige Schauspiel zu beenden, dann sollte sie Christian Wulff davon überzeugen, der Veröffentlichung zuzustimmen", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

"Berichterstattung sollte unterbunden werden"

Wulff hatte in seinem Fernsehinterview zur Kredit- und Medienaffäre am Mittwochabend erklärt, er habe mit einem Anruf bei der Chefredaktion nur die Verschiebung eines Artikels über seinen 500.000-Euro-Kredit erreichen wollen. Dem hielt der Leiter des "Bild"-Hauptstadtbüros, Nikolaus Blome, im Deutschlandfunk entgegen: "Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden."

Nach Diekmanns Darstellung rief Wulff erst auf seiner Mailbox an, nachdem das Blatt einen Bericht über den privaten Hauskredit von Wulff auf Bitten des Präsidialamtes bereits um einen Tag auf den 13. Dezember verschoben hatte. Am Vorabend des Berichts habe das Präsidialamt eine schriftliche Stellungnahme kurz vor Redaktionsschluss zurückgezogen. "Dann erfolgte Ihr Anruf auf meiner Mail-Box", heißt es in Diekmanns Brief an Wulff, in dem er um Zustimmung zur Veröffentlichung des Wortlauts bat.

Umfragen: Wulff nicht überzeugend

Unterdessen wurde deutlich, dass die Mehrheit der Bundesbürger den Auftritt Wulffs im Fernsehen als nicht überzeugend empfunden hat. Das ergibt sich aus einem aktuellen ARD-DeutschlandTrend extra und aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-"heute-journal". Die Ergebnisse wurden am Donnerstagabend veröffentlicht. Allerdings sprachen sich gegenüber der ARD dennoch 60 Prozent dafür aus, Wulff jetzt "eine zweite Chance" einzuräumen.

Die Prozentangaben der beiden Umfragen weichen teilweise voneinander ab, laufen aber dennoch auf sehr ähnliche Ergebnisse hinaus. Laut ARD fanden 61 Prozent Wulffs Auftreten nicht überzeugend, laut Forschungsgruppe Wahlen 51 Prozent. 37 Prozent halten Wulff laut ARD für glaubwürdig, 35 Prozent laut ZDF. Die Unglaubwürdigkeitswerte liegen mit 56 Prozent bei ARD und 59 Prozent bei ZDF deutlich höher. Beide Umfragen sind repräsentativ.

ben/fw/DPA/Reuters
 
 
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