4. Mai 2012, 08:58 Uhr

Kubicki plant schon den Tag des Sieges

Schaffen die krisengeplagten Liberalen den Einzug in den schleswig-holsteinschen Landtag? FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki gibt sich optimistisch - und rechnet mit einer Jamaika-Koalition. Von Hans Peter Schütz, Kiel

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Optimistisch: Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki bei einem Wahlkampfauftritt in Kiel.©

Wie das am Sonntagabend des 6. Mai in Kiel laufen wird, wenn Schleswig-Holstein gewählt hat, weiß Wolfgang Kubicki schon heute ganz genau. "Um 18.10 Uhr werden wir uns glücklich bei der FDP in den Armen liegen." Denn er sei sich sicher, dass das FDP-Wahlergebnis dann zwischen 6,5 und neun Prozent liegt. Zweifel daran lässt er nicht zu.

Sagt zu Christian Lindner, dem nordrhein-westfälischen FDP-Spitzenkandidaten, mit dem er am Donnerstagabend in Halle 400 nahe dem Kieler Hafen die Abschlusskundgebung seines Wahlkampfs feiert: "Christian, ich bin sicher, dass wir ein gutes Ergebnis haben werden!"

Dafür kämpft Kubicki auch bis zur letzten Minute. Sechs Uhr in der Frühe des Wahltags, zieht er durch seine nahe Kiel gelegene Heimatgemeinde Strande, 1600 Einwohner, und verteilt den Wählern Brötchen zum Frühstück. Das macht er vor Wahlen dort schon seit 20 Jahren.

Mit den Genossen im Koalitionsbett

Auch seine persönlichen politischen Pläne liegen längst fest. Er würde gerne Finanzminister werden in Schleswig-Holstein, weil er dann zeigen könnte, "dass Politik mehr ist, als Buchhalterei". Voraussetzung wäre, dass künftig in Kiel eine Jamaica-Koalition regiert. Die jüngsten Wahl-Prognosen halten dies für möglich. CDU und SPD kommen danach auf 31 Prozent, die Grünen auf elf, der südschleswigsche Wählerverband (SSW) auf vier. Dann hinge die Mehrheit einer schwarz-grün-gelben Jamaika-Koalition von den Liberalen ab, die auf sieben Prozent taxiert werden. Für Kubicki ist das die "wahrscheinlichste Variante". Aus seiner Sicht sind Grüne und FDP in Schleswig-Holstein in vielen Punkten erheblich enger zusammen als SPD und Grüne. "Wir haben ein unglaublich gutes Arbeitsverhältnis zu den Grünen."

Mindestens ebenso denkbar ist natürlich eine Ampel-Koalition, da die SPD ebenfalls auf 31 Prozent taxiert wird, mit den elf Prozent der Grünen den vier des SSW aber ebenfalls zu keiner Regierungsmehrheit ohne die Liberalen käme. Doch da gibt es ein aus der Sicht von Kubicki vorerst unüberwindbares Hindernis: Mit den Genossen geht er nur ins Koalitionsbett, wenn die zuvor ihren linkslastigen Fraktionschef im Landtag, Stegner, entsorgen, am besten ganz weit weg. Mindestens bis Berlin. Mit dem SPD-Spitzenkandidaten Albig könnte Kubicki gut, mit den Grünen sowieso.

Kommt eine der beiden Koalitionen zustande, würde Kubicki, seit 16 Jahren Chef der Landstagsfraktion und zum fünften Mal FDP-Spitzenkandidat, als der er beim letzten Mal (2009) die Liberalen auf 14,9 Prozent gehievt hatte, gerne Finanzminister in Kiel werden. Er will dort beweisen, "dass Finanzpolitik mehr ist als Buchhalterei". Zum ersten Mal ist er auch bereit, seine glänzend renommierte Kanzlei für Steuer- und Wirtschaftsfragen zu verlassen, wo er weitaus mehr verdient als das Gehalt eines Landesministers. "Ich bin jetzt altersunabhängig", sagte der Sechzigjährige stern.de, "meine Unabhängigkeit kann man mir nicht mehr nehmen". Und auch im Ministeramt sei er nicht daran gehindert, mit seiner 15 Monate alten Enkelin Emma Philippa ab und an spazieren zu gehen. Und Golf werde er auch dann noch spielen.

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