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21. November 2008, 12:07 Uhr

Köhler fordert radikale Banken-Reform

In einer Rede vor führenden Banken-Chefs hat Bundespräsident Horst Köhler die Finanzbranche mit deutlichen Worten kritisiert. Die Banker seien blind für Risiken gewesen oder hätten sie bewusst ignoriert, sagte Köhler. Jetzt sei eine grundlegende Erneuerung des Bankgewerbes nötig.

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"Es geht darum, eine neue internationale Wirtschafts- und Finanzordnung aufzubauen": Bundespräsident Horst Köhler© Alex Grimm/Reuters

Bundespräsident Horst Köhler hat als Lehre aus der Finanzmarktkrise die Banken zu einer grundsätzlichen Umorientierung aufgefordert. "Lassen Sie die Phase hinter sich, in der Sie mit dem Finger auf andere Leute zeigen", sagte Köhler am Freitag in Frankfurt in einer Rede vor führenden Bankern wie den Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank, Josef Ackermann und Martin Blessing. "Ich glaube, wir brauchen eine grundlegende Erneuerung des Bankgewerbes." Banken müssten sich bewusst machen, dass sie zuallererst Treuhänder derer seien, die ihnen ihr Erspartes überantwortet hätten. Die wichtigste Aufgabe der Banken sei nun, Vertrauen zurückzugewinnen.

Commerzbank-Chef Blessing gestand die Mitschuld der Banker an der seit über einem Jahr andauernden Finanzkrise ein. "Wir Banken nehmen unsere Verantwortung an, mehr als je zuvor", machte er deutlich. "Ich gebe es zu: Ja, Banken und Marktteilnehmer haben Fehler gemacht." Blessing räumte ein, dass die Bankbranche allein die Krise aber nicht in den Griff bekommen könne und die Hilfe des Staates brauche. Er begrüße daher das 480 Milliarden Euro schwere Rettungspaket des Bundes.

Köhler sprach von einer tiefen und weltumspannenden Krise. Sie habe gezeigt, wie schnell das internationale Finanzsystem instabil werden könne. Er plädierte für die Schaffung einer internationalen Aufsicht: Dabei solle der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wächterfunktion über die Stabilität des globalen Finanzsystems übertragen bekommen. Zudem solle der IWF unabhängiger werden, sagte Köhler, der vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten Chef des Fonds war.

"Banker waren blind für Risiken"

Die Verursacher der Krise sitzen nach Ansicht Köhlers in den Hauptstädten und Finanzzentren der größten Industrienationen. Kritisch äußerte er sich zu den Vergütungssystemen die "Herdenverhalten" der Banker verstärkt hätten. "Und es sind Fragen nach den Renditen, an denen sich eine ganze Branche offenbar so berauscht hat, dass sie blind wurde für die Risiken - oder sie bewusst ignoriert hat." Solide kaufmännische Grundregeln seien missachtet worden, Teile der Finanzbranche hätten sich von der Realwirtschaft abgekoppelt.

Zuversichtlich stimme allerdings, dass sich die weltgrößten Wirtschaftsländer auf dem Weltfinanzgipfel jüngst auf ein umfangreiches Vorgehen gegen die Krise geeinigt hätten, betonte Köhler. Nun gehe es darum, eine neue internationale Wirtschafts- und Finanzordnung aufzubauen, "die ihre Legitimation daraus ableitet, dass sie sich in den Dienst der globalen Menschheitsaufgaben stellt". Insgesamt sei die Krise nur durch einen internationalen Kraftakt zu lösen. "Ich bleibe dabei: Die Dimension der Krise heute verlangt ein Bretton Woods II, eine Versammlung der Besten, die mit Sachverstand, Moral und politischem Willen systematisch an die Arbeit gehen." In dem amerikanischen Ort Bretton Woods war 1944 unter Führung der USA die Grundlage für die Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt worden.

"Lassen Sie unsere Mittelständler nicht im Stich"

Köhler appellierte auch an die Banken, mittelständische Unternehmen weiter mit Krediten zu versorgen. Das Kreditgewerbe solle sich wieder auf seine Funktion als Dienstleister für ihre Firmenkunden besinnen. "Lassen Sie vor allem unsere Mittelständler nicht im Stich." Deren Produkte seien weltweit gefragt. "Sie verdienen Vertrauen. Gerade in der Krise", sagte Köhler. "Eine panikartige Verkürzung der Bankbilanzen hilft jetzt niemandem."

Im Zuge der Finanzkrise haben sich die Ängste der Wirtschaft - vor allem im Mittelstand - vor einer Kreditklemme verstärkt. Von einer solchen Situation sprechen Experten, wenn Banken ihre Kreditvergabe stark drosseln oder den Geldhahn ganz zudrehen und Firmen geplante Investitionen streichen müssen. Nach allgemeiner Auffassung gibt es in Deutschland derzeit zwar keine Kreditklemme, die Kreditkonditionen allerdings haben sich teilweise deutlich verschärft.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
sedanon (22.11.2008, 13:59 Uhr)
Es ist kaum 2 Monate her, da
konnten unsere Politiker den (Bank-)Managern gar nicht tief genug in den Hintern kriechen, da diese ja für den "Aufschwung" (auf den Schultern hunderttausender Leiharbeiter) verantwortlich waren.
Ein 3/4 Jahr vor den Wahlen entdecken nun diese Politiker wieder ihr Gewissen und ihr "Herz" für den Wähler.
Wer 200 wieder darauf hereinfällt und CDU oder SPD wählt (FDP ist sowieso unwählbar), WILL beschi..en werden.
knilch_59 (21.11.2008, 14:33 Uhr)
Was für ein Glück!
für einen EX-Banker (Weltbank), rechtzeitig ausgeflogen worden zu sein.
.
Dann kann man natürlich am Besten auf seinen ehemaligen Brüdern und Schwestern rumhacken.
.
aber so ist unser Staatsoberhaupt - das typische Spiegelbild unserer selbst. Wir sind und bleiben im Geiste Wendehälse, da sind sich Ost und West soooo gleich!
arniston (21.11.2008, 14:24 Uhr)
horst
danke horst, war fast schon zu spät, jetzt werden sie dich in ,,neues aus der anstalt,, wohl in ruhe lassen ....
Robbespierre (21.11.2008, 13:15 Uhr)
Was bin ich froh...
daß wir so einen gescheiten Bundespräsidenten haben. Nur schade, daß er das alles nicht schon vor der Bankenkrise proklamierte. Aber auch dafür gibt es sicherlich schlaue Gründe, die wir Normalsterbliche nie erfahren werden...
endbenutzer (21.11.2008, 13:03 Uhr)
Die Frage stellt sich...
...wie die Banken in die Pflicht genommen werden, um den enormen finanziellen Schaden in der Wirtschaft (der ausschließlich von Bankern verursacht wurde), wieder auszugleichen? Schließlich werden die Banken auch künftig wieder flüssig sein, wenn sich die Wogen einigermaßen geglättet haben. Oder kurz gefragt: was ist eigentlich mit Schadenersatz?
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