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4. September 2009, 17:44 Uhr

Atomkraftwerke können Kinder krank machen

Eine aktuelle Erhebung bestätigt den Verdacht: In der Nähe von Atommeilern besteht für junge Menschen ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Die Grünen, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hatten, sprechen von einer "Mega-Studie" und fordern neue Strahlenschutz-Richtlinien.

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Für die Studie wurden Werte von 75 Kernkraftwerken in fünf Ländern ausgewertet© Morris Mac Matzen/Reuters

Den Verdacht gibt es seit etwa 30 Jahren: Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks kann besonders für Kinder gesundheitsschädlich sein. Für sie besteht ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken, bestätigt jetzt eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie des Arztes und Epidemiologen Eberhard Greiser.

Bei Kleinkindern steigt Risiko um fast ein Fünftel

Demnach betreffen die Gefahren nicht nur Säuglinge und Kleinkinder, sondern auch Jugendliche vor allem bis 14 Jahre. Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Risiko bei Kindern unter fünf Jahren um 19 Prozent erhöht und unter 15 Jahren um 13 Prozent, berichtete Greiser am Freitag. Grüne und atomkritische Ärzte forderten, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern.

Dies war bisher immer abgelehnt worden, obwohl schon Ende 2007 eine aufsehenerregende Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz für Kinder unter fünf Jahren veröffentlicht worden war. "Die Studie stellt den entscheidenden Fortschritt bei der Beantwortung der seit etwa 30 Jahren diskutierten Frage nach gesundheitlichen Effekten in der Umgebung von Reaktoren dar", erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Dezember 2007. Dennoch gingen die Ergebnisse im Streit der Fachleute zunächst unter. Selbst die Deutsche Strahlenschutzkommission habe die Ansicht vertreten, dass radioaktive Emissionen aus Atomanlagen als Ursache für eine Zunahme von Leukämieerkrankungen grundsätzlich auszuschließen seien, erinnerten die Grünen

Künast will mit "Mega"-Studie wachrütteln

Für die Studie wurden Werte von 75 Kernkraftwerken in fünf Ländern ausgewertet, darunter auch Meiler in Deutschland und den USA. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, nannte die neue Untersuchung eine "Mega"-Studie, weil sie auf vielfältigen Expertisen und Gutachten basiert und so die Trefferquote erhöht: "Dies ist die umfassendste Studie in diesem Zusammenhang. Wir wollen jetzt wachrütteln." Sie forderte erneut den sofortigen Ausstieg aus den ältesten sieben Kernkraftwerken - wegen der hohen Kosten und der großen Gesundheitsgefahren.

Auch die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW forderte aufgrund der jetzigen Studie den Bundestag auf, den Strahlenschutz für die Bürger zu verbessern. "Das Gutachten belegt, dass für alle betroffenen Altersgruppen bis 24 Jahre ein signifikant höheres Erkrankungsrisiko als in anderen Landesteilen besteht", sagte IPPNW-Sprecherin Angelika Wilmen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
rolypoly (18.09.2009, 15:45 Uhr)
Atomwahlkampf
Schon lange wird die tiefe Angst vor den Folgen einer nuklearen Katastrophe als politisches Potential erkannt und genutzt.

Diese Studie ist für Menschen, die ein wenig mathematisches Verständnis aufbringen eine bittere Pille.

Man muss erkennen, dass hier erfolgreich Menschen im großen Stil verarscht werden und man erkennt, dass auch der Stern wohl aus finanziellen Gründen diese Spiel gerne mitspielt.

In Geestahacht gab und gibt es einen s.g. Leukämiecluster. Es wurden verschiedene Untersuchungen gestartet und es wurden keine Ursachen gefunden.

Insbesondere wurden keine erhöhten Strahlenexpositionen ermittelt.

Solange Geesthacht, mit seinem Leukämiecluster in derartige Statistiken eingebunden bleibt, wird das Ergebnis IMMER sein, das ALLE Kernkraftwerke Kinder umbringen.

Bindet man Geesthacht NICHT ein sind Kernkraftwerke harmlos.

Das bedeutet nicht, dass Kernkraftwerke harmlos sind.

Es bedeutet aber, dass die Auftraggeber der Studien VORHER wissen, dass sie ein Wahlkampfgeeignetes Ergebnis aus Steuermitteln finanzieren, dass wissentlich falsch interpretiert die Angst der Anwohner von Atomanlagen steigern soll.

Das ist korrupt.

Schon lange
knilch_59 (05.09.2009, 20:00 Uhr)
Man muss das Ergebnis relativieren und versuchen richtig einzuordnen
Wer zählt die Feinstaub-Opfer, die Asthmatiker und die anderen "Kollateralschäden" der konventionellen Kraftwerke? Von den Bergleuten bis zu den Opfern der Brenngase kommt da auch eine hohe Zahl zusammen. Von daher ist eine 5-fache Steigerung des Leukämierisikos zwar alarmierend, aber sicherlich noch kein K.O.-Kriterium für AKW-s. Tragisch ist, dass unser schon ans Irrationale grenzender Umgang mit Atomkraft eine sachliche Debatte und einen echten Vergleich von Chancen und Risiken, im Vergleich zu den Alternativen, schon fast unmöglich macht. So wirkt die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse aus der Ecke der Grünen schon wieder, als sei das Gutachten eine bestellte Auftragsarbeit ohne wirklichen wissenschaftlichen Wert. Aber gerade das Thema Atomkraft sollte rational bewertet werden! Zu viel hängt davon ab.
LaoLu (05.09.2009, 14:04 Uhr)
Na, Herr Wolkenspalter,
dann erklären Sie mir doch mal den Unterschied zwischen Krümmel und den angrenzenden Gemeinden entlang der Geestkante.
Oder den zwischen Stade und den übrigen 100 km südliches Elbufer.
Sind wohl eher Haarspaltereien, die Sie da betreiben, oder?
Wolkenspalter (05.09.2009, 13:01 Uhr)
Wahlkampf und Stigmatisierungen
Bevor man die Interpretation einer Studie veröffentlicht, sollte man deren Inhalt kennen und von unabhängigen Wissenschaftlern gegenprüfen lassen. Die von Technik und Wirtschaft ahnunglosen Grünen und ihre Helfershelfer an den Instituten machen aus einem Thema, das nur sachlich zu beantworten ist, eine Hexenverbrennung, wie es sie seit dem Mittelalter nicht mehr gab.

Standorte von Atomkraftwerken haben - außer dem Atomkraftwerk - noch andere Gemeinsamkeiten. Sie sind nämlich ausgesuchte Standorte, die nicht dem "Durchschnitt" eines Landes entsprechen. Insofern ist der Vergleich der Erkrankungsrate mit dem Durschnitt des Landes ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Man hätte AKW-Standorte mit solchen Standorten vergleichen müssen, die auch für AKWs geeignet wären, aber wo keines steht. Jeder Wissenschafler der Mathematik und Statistik weiß, dass der falsche Vergleich ein Kardinalfehler ist, der zu falschen Ursachen-Interptretationen führt - die sowieso von der Strahlenmedizin nicht bestätigt wurden.
Pengolodh (05.09.2009, 07:42 Uhr)
@esopherah: Cookies
Den Effekt hatte ich auch mit Firefox (Linux), als ich mal die Option "auf diesem Computer eingelogged bleiben" ausprobiert habe. Nach Löschen aller Cookies von stern.de ging's wieder.
Was diese Studien betrifft: die werden die Atomlobby wenig beeindrucken, sind ja nicht ihre Kinder. Aber es ist ihr Profit...
oppenwehe (04.09.2009, 20:55 Uhr)
Überraschung
Studien zum Reaktor in Stade haben ergeben, dass die Leukämie-Häufigkeit rund um den Reaktor signifikant höher ist als in anderen Regionen Norddeutschlands. Wer dort noch CDU wählt, ist selbst schuld.
esopherah (04.09.2009, 20:17 Uhr)
akw's sind sicher...
sicher ist nur dass den akw befürwortern nichtmal jetzt, wo sie als "kindermörder" gebrandmarkt wurden, auch nur im traum einfallen würde das sie falsch liegen.
Wenn das endlagerproblem, die gesamtkosten für die gesellschaft oder erlebte gaus nicht zum umdenken reichen, wirds auch jetzt nichts damit.
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