Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts war eindeutig: Die Mischverwaltung der Hartz-IV-Jobcenter ist verfassungswidrig - eine Reform muss her. Doch die Union im Bundestag blockt. Martina Fietz sprach mit Hendrik Wüst, dem Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen.

Bislang arbeiteten unter dem Dach der Jobcenter die Arbeitsagenturen und Kommunen zusammen - ein Verfassungsverstoß© Heribert Proepper/AP
Hier geht es ausschließlich um die Sache. Wir können uns diese Ungewissheit bei der Jobvermittlung gerade in Zeiten der größten Wirtschaftskrise nicht erlauben. Die CDU-Ministerpräsidenten unterstützen deswegen nachdrücklich den von Jürgen Rüttgers ausgehandelten Kompromiss. Auch das Präsidium der Bundes-CDU hat entsprechende Beschlüsse. Der Fraktionschef hat nur Stunden nach der Präsidiumssitzung die Linie der Vorsitzenden verlassen. Es ist erstaunlich, dass er dieses Eigentor schießt.
Ich hoffe, dass sich die Führung der Bundestagsfraktion darüber im Klaren ist, dass bei der Bundestagswahl im September nicht diejenigen gewinnen, die die schönste Verfassungstheorie haben. Bei der Bundestagswahl geht es um Arbeitsplätze und Wachstum. Und genau das war der Antrieb beim Jobcenter-Kompromiss mit der SPD.
Wir schauen jetzt nach vorne. Wir hoffen, vielleicht doch noch einen Kompromiss zu finden.
Die Fraktionsführung stellt mit Ihrem Nein die Hartz-Gesetzgebung komplett infrage. Damals wurden Sozialkürzungen damit begründet, dass es leichter wird einen Job zu finden. Wenn das jetzt erschwert wird, müssen wir neu über Hartz diskutieren. Wenn das gewollt ist... Die Erhöhung des Schonvermögens ist ein Kernanliegen der NRW-CDU. Sie ist jetzt dringender denn je. Denn die Arbeitslosen müssen wieder von Pontius zu Pilatus. Die schnelle Vermittlung aus einer Hand ist bald Geschichte.
Wir brauchen in Zeiten der Krise keine Krücken, sondern dauerhafte Verlässlichkeit. Wer heute weiß, dass er morgen um seinen Job zittern muss, wird seine Aufgabe nicht mehr so erfüllen, wie wir es in einem solchen Jahr brauchen. Jeder guckt dann nur noch wie er in Zukunft an seiner alten und neuen Wirkungsstelle eingebaut verwendet wird.
Es wäre so oder so ein Unding. Wir brauchen ein leistungsfähige Arbeitsvermittlung und keinen Streit um Eitelkeiten.
Die Partei will für einen Sieg bei der Bundestagswahl kämpfen. Wir in Nordrhein-Westfalen hängen uns richtig für Angela Merkel rein. Wir wollen eine schwarz-gelbe Koalition im Bund. Diese Ziele können wir erreichen, wenn wir geschlossen kämpfen.
Wir sind nicht die Partei der marktradikalen Ordnungspolitik. Wir sind Volkspartei und müssen für alle da sein. Wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit müssen für uns gleichermaßen im Zentrum stehen. Wir haben große Chancen das in den nächsten Monaten deutlich zu machen.
Zur Person Hendrik Wüst ist seit September 2006 Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen. Mit 38 Jahren ist er der jüngste Abgeordnete der CDU-Fraktion. 1990 gründete Wüst mit Freunden die Junge Union in Rhede. Des Weiteren war er auf Kreis- und Bezirksebene in verschiedenen Funktionen im Vorstand tätig. 2005 wurde er schließlich mit 58,3 Prozent für den Wahlkreis Borken direkt ins Landesparlament gewählt.