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11. Dezember 2009, 13:44 Uhr

Guttenberg demontiert sich selbst

Guttenberg erklärt sich, Guttenberg widerruft sich, Guttenberg fliegt nach Afghanistan - das ist hektisches Krisenmanagement. Und kann nicht überdecken, dass er seinen eigenen Maßstäben nicht gerecht geworden ist. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Verteidigungsminister zu Guttenberg bei seiner Ankunft in Kundus an diesem Freitag© Marcus Rott/AFP

Falls Verteidigungsminister zu Guttenberg allen Ernstes jetzt nach Afghanistan gereist ist, um seinen Soldaten zu erklären, wie er bisher mit der Kundus-Affäre umgegangen ist, wäre er besser in Berlin geblieben. Denn sein Zick-Zack-Kurs in dieser Frage entzieht sich jeder logischen Erklärung. Und was bei zu Guttenberg anfänglich nach einer ehrenwerten Korrektur einer politischen Fehlbewertung des bisher blutigsten Einsatzes der Bundeswehr nach dem Kriege aussah, wird immer mehr zu einem Akt der Selbstbeschädigung.

Der Verteidigungsminister stellte sich wenige Tage nach Amtsantritt zunächst als Opfer des eigenen Hauses dar. Als Minister, den sein Generalinspekteur und sein Staatssekretär in die Falle einer völlig unzutreffenden Interpretation der Tragödie von Kundus hatten laufen lassen. Nur weil sie ihm wichtige Unterlagen des Vorgangs vorenthalten hätten, habe er den Tod von 142 Menschen zunächst verteidigt. Nur deshalb. Und deshalb sei auch die Entlassung von Wolfgang Schneiderhan und Peter Wichert absolut angemessen gewesen. Nichts daran zu deuteln gab es auch am Rauswurf des Amtsvorgängers Franz-Josef Jung, der wichtige Papiere über den Vorfall nicht gelesen haben will. Ein klarer Fall politischer Verantwortungslosigkeit.

Guttenbergs Maßstäbe

Mittlerweile ist diese Verteidigungslinie von zu Guttenberg selbst nachhaltig zerstört worden. Er selbst genügte nicht den Maßstäben, die er anderen in dieser Affäre gesetzt hat. Weshalb hat er denn nun die Bombardierung der Tanklaster am 6. November als militärisch angemessen bezeichnet? Ein Bericht des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK), in dem von zivilen Opfern die Rede war, hat ihm schon damals vorgelegen. Hat er ihn nur flüchtig gelesen, vielleicht gar nicht? Oder war er zu diesem Zeitpunkt zur Wahrheit nicht bereit und hat deshalb behauptet, ihm sei nur ein Nato-Bericht vorgelegt worden, nicht aber dieses Papier?

Wie auch immer - schon damals hätte er sich sehr viel gründlicher um Aufklärung bemühen müssen. Denn das IKRK hatte darauf hingewiesen, dass der Angriff mit internationalem Völkerrecht nicht zu vereinbaren sei. Und trotzdem hatte zu Guttenberg per Interview unverzüglich das Gegenteil öffentlich behauptet. Erst etliche Tage später legte er eine 180-Grad-Wende in seiner Beurteilung des Vorgangs hin.

Erklärungsnöte und Ausschuss

Die offenkundigen Erklärungsnöte demontieren den bisherigen Strahlemann der Ministerriege erheblich. Unterm Strich ist er seinen Amtspflichten ebenso wenig gerecht geworden wie der Amtsvorgänger. Dass überdies versucht wird, wichtige Details zur Aufklärung des Vorgangs unter die Tarnkappe eines "streng geheimen" Vorgangs zu stecken, kommt erschwerend hinzu. Wenn zu Guttenberg es vonnöten hält, den Soldaten vor Ort seine Pflichtausübung zu erklären, sollte er dies nicht nur in Afghanistan tun, sondern auch in der Bundesrepublik. Die allererste Adresse für umfassende Auskünfte müsste das Gremium des parlamentarischen Untersuchungsausschusses sein. Dort sollte der deutschen Öffentlichkeit auch endlich erklärt werden, weshalb die KSK-Spezialtruppe der Bundeswehr zu kriegerischen Einsätzen bei einem Unterfangen benötigt wird, das angeblich gar kein "Krieg" ist.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 54)
 
Administrator (11.12.2009, 16:52 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Malt (11.12.2009, 16:50 Uhr)
@auwei
was ist noch schlimmer als einen Fehler zu begehen? Daran fest zu halten!
SpringbokCT (11.12.2009, 16:45 Uhr)
Jeder Klick zählt
Schütz versteht offenbar sein Handwerk, wenn die ganze linksextreme Handaufhalterprominenz hier aufläuft.
auwei (11.12.2009, 16:40 Uhr)
@Benkku
OK, aber sie sind nunmal da. Das ist Fakt. Und mit dem muss irgendwie umgegangen werden. "Nochmal auf Null" geht nicht.
Benkku (11.12.2009, 16:23 Uhr)
Alles andere ist absurd.
Zitat: Und dann? War das alles - nach dem Motto: "Die Party war doof, ich bin dann mal gegangen?"
.
Nein! Die Deutschen sind da gar nicht hingegangen. Sie sind gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit hingegangen worden. Sie haben da nichts zu suchen.
laeppe (11.12.2009, 16:21 Uhr)
@auwei
Referendum von betroffenden Bevölkerungen ist nicht zu verantworten.
Siehe Südamerika. Dort werden die Yankees
in ihre Schranken verwiesen seitdem frei
gewählt werden darf.
Putsche ala CIA in Chile sind heute nur noch sehr sehr schwer durchführbar.
Medienbeobachter (11.12.2009, 16:17 Uhr)
Wie im Mittelalter
Wir bauen eine Demokratie scheint wohl in Afghanistan nicht zu funktionieren. Schwere wird es dadurch, dass man versehentlich immer mehr Zivilisten tötet. Und das an der Spitze dieser Demokratie ein Wahlbetrüger instaliert ist, ist auch nicht gerader förderlich. Vielleicht wenn man sich die ganze Geschichte schön lügt und versucht alle Taliban in den Himmel zu befördern, ist eine westliche Demokratie zwischen moslemischen Staaten möglich. Stören könnten dabei nur noch die Afghanen? Der Westen zivilisiert die Welt. Ob Afrikaner, Papua in Neuguinea oder .... wir bringen Ihnen schon bei, was richtig ist. Und als nächstes kommt dann der Iran?
dreicon (11.12.2009, 16:16 Uhr)
@Satyr (11.12.2009, 16:03 Uhr) Also alles was Recht ist,
aber die Debatte über die Hinrichtung von vielleicht 80, 90 Zivilisten, in deren eigenem Land, als "deutsche Selbstzerfleischung" zu bezeichnen, wirft auf Sie ein sehr deutliches Licht.
Prologo (11.12.2009, 16:14 Uhr)
Alles schießt sich auf Zu Guttenberg ein?
Von Merkel hört man wie immer gar nichts.
Sie liegt wie der Hase in der Furche und wartet, weil die Kugeln aus allen Richtungen pfeiffen, bis der Zu Guttenberg abgeschossen ist.

Ein genialer Plan, einen gefägrlichen Senkrechtstarter als Konkurenten auszuschalten. Und der Stern schießt kräftig mit.

Aber über den Wahlbetrug und Verursacher dieses Desasters,

der Frau Merkel,

schreibt der Stern gar nichts.

MfG,
T.
S
laeppe (11.12.2009, 16:09 Uhr)
@dreicon Sie schreiben noch besser
wie der Schütz. Präzise und knapp genau
auf den Punkt. Respekt.
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