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11. Mai 2010, 20:55 Uhr

Merkel und die Spekulanten

Rettungsprogramm für die Banken, Garantien für den Euro - scheinbar stündlich stellt Deutschland neue Milliarden bereit. Die Summe ist inzwischen so hoch, dass sie abstrakt geworden ist. Das verhindert den Protest. Vorerst. Ein Kommentar von Lutz Kinkel

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Sparen - aber wie? Kanzlerin Angela Merkel, CDU© Berthold Stadler/APN

Da sitzen sie, die Sprecher der Bundesministerien. Fein säuberlich aufgereiht vor der blauen Wand der Bundespressekonferenz, die Herren tragen Anzug, die Damen dezenten Schmuck. Ein neues Wort macht die Runde. Es heißt "Stabilitätsagentur". Das klingt beruhigend.

Ist es aber nicht.

Hätten die Sprecher zerfetzte Klamotten und Schmauchspuren im Gesicht, würden sie schreien, statt ihre Sätze zu glätten, wäre damit auch keinem geholfen. Aber es würde die Lage besser beschreiben. Denn dieses Arrangement, das Ordnung und Besonnenheit abstrahlt, ist eine Lüge. Deutschland ist in einem Krieg. In einem Finanzkrieg.

Ein Treffen in New York

Das aktuelle Schlachtfeld wurde am 8. Februar 2010 eröffnet, in einem Stadthaus in New York. Dort traf sich, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, ein erlesener Zirkel von Hedgefonds-Managern. Und beschloss bei gebratenem Huhn und Filet Mignon gegen den Euro zu spekulieren. Das dramatisch überschuldete Griechenland lieferte den Anlass. Gerät Griechenland unter Druck, gerät der Euro unter Druck, und dann beginnen sich die Wetten der Finanzmagnaten zu rentieren. Das war die Logik.

Knapp drei Monate später muss die deutsche Regierung ein Hilfspaket für Griechenland durch den Bundestag peitschen. Eine Woche später muss sie der noch zu gründenden europäischen "Stabilitätsagentur" Garantien in Höhe von 123 Milliarden Euro versprechen, damit die Währung nicht in sich zusammenfällt. Der Finanzminister ist krank, der Boulevard tobt. "Wir sind wieder mal Europas Deppen", titelte die "Bild" an diesem Dienstag. So einfach ist es natürlich nicht. Ein Jahrzehnt lang war Deutschland der Profiteur Europas. Der billige Kredite an die Nachbarn vergeben hat, damit sie deutsche Produkte kaufen - und deren Verschuldung tatenlos zusah.

Und der die Hedgefonds gewähren ließ.

Becks Risikogesellschaft

Hat noch einer mitgezählt? Es sind Milliarden und Milliarden und Milliarden. Bürgschaften, Garantien und echtes Geld. Für Griechenland, für den Euro, für die Krankenkassen, für die Agentur für Arbeit. Für Hoteliers, für Familien, für die Kurzarbeit, für die Bankenrettung. Die Summe ist inzwischen so groß geworden, dass sie nicht mehr fassbar ist. Sie ist abstrakt. Deswegen gibt es auch keine nennenswerten Proteste. "Wo sich alles in Gefährdung verwandelt, ist irgendwie auch nichts mehr gefährlich", schreibt der Soziologe Ulrich Beck. Sein Buch heißt "Risikogesellschaft".

Kanzlerin Angela Merkel kennt das Risiko. Sie weiß, dass es sich schleichend in Realität umwandelt. Die Kommunen sind finanziell am Ende. Der Bund auch. Die geplanten Steuersenkungen sind abgesagt, es gibt nichts mehr zu verteilen. Es muss gespart werden. Aber wie? Bei wem? Wie viel?

Die Antwort auf die Spekulation

Merkel sollte es jetzt sagen, klar und unmissverständlich. Und sie müsste alle Energie darauf verwenden, sich das Geld von den Finanzmärkten zurückzuholen. Sie zu regulieren, sie in die Schranken zu weisen. Doch sie hält sich zurück.

Die Spekulanten selbst werden Antworten erzwingen. Sie sind noch nicht am Ende. Sie haben gerade erst angefangen.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 79)
 
narrensyndrom (13.05.2010, 19:07 Uhr)
Für Schlaumeier - Dummheit lernt nicht!
Es ist doch ganz einfach! Die Menschen sind in der Mehrzahl "dumm" und dadurch wird das Prinzip Buy-and-Sell erst möglich, was auf dem Globus einfach alles dominiert. Rendite-Wahnsinn und Machtgeilheit führen auch dazu, dass menschenverachtende Systeme (China etc.) in diesem Spiel mitmischen und je komplexer das Spiel wird, desto weniger Einfluss kann durch Menschen mit "natürlichem Verstand" genommen werden, aber die sind es eigentlich, die wir in den Schaltzentralen bräuchten. Dumme Massenmenschen erkennen das aber nicht! Aus diesem Grund ist für jede Art von verkommener Struktur (auch Demokratie und Rechtsstaat) ein Neubeginn wünschenswert und das versuchen die "Mächtigen" so lange es geht zu verzögern. Das ist das was zur Zeit läuft durch Merkel und Co. Irgendwann ist alles dann "ausgemerkelt" und darauf kann man warten, es sei denn ein Supervulkan macht dieser verblödeten Spezies schon vorher den verdienten Garaus!
rockyciano (13.05.2010, 12:31 Uhr)
Die New Yorker Staatsanwaltschaft
hat eine Untersuchung gegen die Deutsche Bank eingeleitet.

Auch die Börsenaufsicht (SEC) hat die Deutsche Bank im Visier - näheres siehe heutige Ausgabe Handelsblatt.

Happy Birthday Herr Ackermann........
Prologo (13.05.2010, 11:29 Uhr)
Man kann es nicht oft genug schreiben, Merkel ist offensichtlich die größte Gefahr für Deutschland, oder?

Denn wie diese Frau, soweit man auch im Stern lesen kann, den Steuerzahler verschuldet hat, das gab es noch nie, oder?

Was Merkel als Kanzlerin geschafft hat, hat noch kein Kanzler vor ihr geschafft,....

....Merkel hat innerhalb einer Woche den deutschen Steuerzahler mit 272 Milliarden fast im Alleingang verschuldet, oder?

122 Milliarden Griechenlandhilfe, später im Bundestag abgesegnet, und 150 Milliarden EU Stabilitätsanteil 28 %, muss noch im Bundestag abgesegnet werden.

Dabei wurde der Stabilitätsvertrag umgangen, der Notfallartikel 122 ausgehebelt und alles ohne Zustimmung des Bundestages, oder??

Das ganze ist auch noch ohne feste Sicherheiten gegeben, bzw. es gibt einen Sparplan von Griechenland? Jeder Bänker wird dafür rausgeworfen, wenn er ohne Sicherheit Geld leiht!!

Dieser Geldregen für die EU erklärt sicher auch den Beliebtheitsgrad der Franzosen und Italiener und auch der Engländer, im Ausland für Merkel, so sieht es aus?

Nur wir sollen dafür bis 67 arbeiten und unsere Kinder wahrscheinlich bis 70, und das ist verantwortungslos dem deutschern Volk gegenüber, oder?

Die anderen EU Länder gehen mit 55, 60, und 63 in Rente, und ist das gerecht, frage ich? Und jetzt plärrt Koch schon, kein Geld für Kita und Bildung??

Sind wir die Deppen der EU fragt Bild,.....

....ja, wir sind die Deppen der EU, und wer hat uns dazu gemacht?? WER??

MfG,
T.
Helmers (13.05.2010, 00:42 Uhr)
Denke nach Ackermann
Herr Ackermann erzählen sie uns keine Märchen, jeder wusste, dass sie mit ihrer DB-Bank noch Drecksderivate verkauft haben, sich bereichert haben, obwohl sie schon lange wussten, dass sie nichts wert sind und dann haben sie noch die Frechheit besessen gegen die IKB zu spekulieren auf ihren Niedergang, eine Schande an sich, genau so dreckig wie Goldman Sachs, die auch gegen ihre Kunden gewettet haben und damit werden sie ihren größten Haftungsprozess noch erleben. Unsere Justiz hat wie immer zuverlässig versagt.
Ein uns allen bekannter Börsenmakler sagte: ?Wir leben in einer Schicksalsgemeinschaft in der EU mit dem Euro, wir müssen uns gegen die Spekulanten wehren!? Was macht Frau Bundeskanzlerin, Frau Merkel? Was hat bisher Frau Merkel getan, außer Milliardenpakte verteilt zur sog. Absicherung, sie hat keine Sicherheit begründet, das hat bisher jeder mitbekommen einschließlich ihrer CSU-Partner, sie hat nicht die Finanzhaie der Finanzmafia angegriffen, sie ist wie immer, nicht tätig gewartet und wartet noch, man muss diese Frau zum ?jagen? tragen und damit entstand ein wahnsinniger Schaden für die EU. Wenn sie morgen nichts tun Frau Merkel, dann sind einfach sie einfach weg, sie sind nur noch böse Geschichte, im Gegensatz ihres Ziehvaters Kohl, der sie aus der DDR- Geschichte geholt hat. Unsere westdeutschen Gemeinden sind inzwischen pleite. Warum brauchen wir über 600 Abgeordnete im Bundestag und so viele Bundesländer mit Parlamenten, ein Wahnsinnsposten? Ich habe sie aufgefordert Herrn Westerwelle und Frau Justizministerin zu den Verursachern der Krise USA u. England zu senden, nichts ist passiert! Die Finanzhaie haben noch mehr Blut geleckt.
jomimo (12.05.2010, 22:33 Uhr)
Das Ende der Wachstumsfahnenstange ...
ist längst erreicht.
Denn Wachstum kann nicht bedeuten, lasset uns die Tiefsee und den Restboden ohne Rücksicht auf Tropenwälder aufreißen, sondern lasset uns erhalten und hegen, was überhaupt noch übrig ist.
Jeder anderen weltrestzerstörenden Ideologie im Namen des Kapitalismus ist Einhalt zu gebieten.
Ohne wenn und aber.
Die CO2 Dikussion ist absurd. Um die Fürze von Wirbeltieren und Menschen kümmert sich immer schon der Baum mit dem Blatt. Photosynthese wird aber eingeschränkt, wenn die Zahl der Bäume auf der Welt dezimiert wird.
rockyciano (12.05.2010, 20:29 Uhr)
@knilch59
Wenn ich Ihren Schlussfolgerungen folge , würde das bedeuten: In Deutschland sind 12,5 Millionen Menschen von Verarmung bedroht - Hauptsache und oberste Priorität hat die Bankenrettung.

Das kann es wohl nicht sein oder Ihr Ernst sein??!!-Es sollte und muß immer eine ausgewogene Balance geben - sonst können wir einpacken.
rockyciano (12.05.2010, 20:07 Uhr)
ssteffen
Sie haben es auf den Punkt gebracht. - Denn Maschinen kann man nicht ausbeuten.-Genauso sieht es mit dem Euro aus - staat den Bürger zu belasten - her mit der Transaktionssteuer,Börsenumsatzsteuer etc.

Mit einem Blick auf die Zukunft - wie wird es sonst weitergehen,wenn die Rohstoffe und Lebensmittel knapp werden???!!-Soll stets der Zocker bzw. der Stärkere am Hebel sitzen?? Berechtigte Fragen.
knilch_59 (12.05.2010, 15:43 Uhr)
@ssteffen
Die Begrenztheit der Ressourcen ist relativ. Weg kommt ja auf unserem Planeten nichts. Alles kann recycled werden, alles nur eine Frage der hinzu zu führenden Energie, der erforderlichen Technologie UND DAMIT DER WIRTSCHAFTLICHKEIT. Derzeit leben wir in einer Phase, in der ?Urproduktion? nichts wert ist. Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse sind vergleichweise billig. Gut bezahlt wird die Verarbeitung von Rohstoffen, schlecht bezahlt sind die personengebundenen Dienstleistungen (sofern nicht der Staat das Lohnniveau garantiert, wie z.B. bei Ärzten), gut bezahlt sind hingegen wieder abstrakte Dienstleistungen wie Banken, Versicherungen, ... In einer neuen Zeit könnten sich ja diese Werthierarchie wieder mal ändern, und aus dieser Veränderung entsteht wieder ... Wachstumspotenzial.
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Natürlich ist es richtig, dass ?der Staat? derzeit in einer bestimmten Art und Weise Partei ergreift: Kein Mindestlohn, keine Vermögensteuer, kein Ausgleich bei der Familienfinanzierung, aber dafür Bankenrettung. Wenn mein Job auf der Kippe steht, ist das mein Problem, wenn ich vor 15 Jahren griechische Anleihen gekauft habe, ist das Schäubles Problem. Und sicherlich wäre es richtig, mal über einen neuen Generationenvertrag und neues Austarieren der Lasten nachzudenken.
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Aber, Produktivität zu besteuern, halte ich dabei für den falschen Weg. Zum Einen, weil es den Fortschritt hemmen würde, zum Anderen, weil dann z.B. Ärzte dann regelmäßig gar keine Steuern bezahlen müssten, sobald sie z.B. Rentner behandeln. Weil das ja unproduktiv ist! Andere böse Beispiele auf Anfrage ...
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Viel besser ist die Besteuerung strikt nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit - also Vermögen PLUS Einkommen. Wer nichts hat, aber viel verdient, zahlt mittelprächtig, wer viel hat und viel verdient, zahlt viel, wer viel hat und nichts verdient, zahlt mittelprächtig, usw. Firmen besteuern ist Blödsinn, solange sie kein Geld ausschütten. Also Unternehmenssteuer nur auf ausgeschüttete Gewinne, Privatentnahmen, Anteilsverkäufe, Eigenkapitalreduktionen, ... Das macht die Arbeitsplätze sicher, der Rest ist Sache der Tarifpartner. Wer gerade in der richtigen Branche arbeitet, verdient klotzig, in der falschen Branche verdient man eben weniger. Der Markt tariert das über Angebot und Nachfrage ruckzuck aus.
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Richtig und wichtig wäre in diesem Zusammenhang auch die Besteuerung von leistungslosem Vermögenszuwachs: Erbschaftsteuer, Wertzuwächse, Einkünfte aus Kapitalvermögen. Weil man hierfür ja nichts arbeitet, sollte die Steuer hierauf besonders hoch sein - heute ist sie niedriger als für Arbeit.
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Und übrigens: wie soll ich ?wertneutraler Geist? werten? Dass ich keine moralischen Werte haben soll?
ssteffen (12.05.2010, 14:18 Uhr)
Wachstum in die Unendlichkeit??
@knilch_59
ich habe immer einen sehr objektiven und wertneutralen Geist bei Dir vermutet. Aber die liberale These des unendlichen Wachstums ist allein durch die Begrenzten Ressourcen an Rohstoffen widerlegt. Wir können eher mit einem zyklischen Wachstum, wie Du es ein paar Zeilen tiefer beschrieben hast, rechnen. Das ist ein Gedanke, der in die derzeitige Wirtschaftssystematik passt.
-Wir bauen auf und reisen nieder, dann gibt es Arbeit immer wieder.-
Selbst, wenn das Wachstum auf Dienstleistungen basiert, ist der Markt nicht unendlich. Siehe Internetblase Anfang 2000.
Eine Reform ist nicht durch irrsinnige Wertschöpfungsketten zu erreichen. Eine Reform wäre zum Beispiel die Besteuerung von Arbeit sein zu lassen und dazu über zu gehen die Produktivität zu besteuern. Dann wäre die Steuer auf Menschliche Arbeit automatisch wieder gerecht. Denn Maschinen kaufen keine Maschinen.

Wir haben keinen Gott, wir haben Geld.
Neid, Missgunst und Gier regieren uns.
Das Leben ist schön.

knilch_59 (12.05.2010, 13:31 Uhr)
@auwei
Wir haben ja Wachstum. Sogar ewiges Wachstum kann funktionieren, weil die menschlichen Bedürfnisse ja glücklicherweise unbegrenzt sind. So können idiotische Mehrwerte geschaffen werden, für die Menschen zu bezahlen bereit sind: Autos, die nicht nur fahren, sondern von alleine einparken, Navi-s, den morgens-aus-dem-Bett-Rausheber, ... was da noch alles erfunden werden kann: Güter UND Dienstleistungen in unbegrenzter Menge! Es soll sogar heute Menschen geben, die, statt sich ihren Kaffee für 10 cent selbst zu kochen, ins Städtchen fahren (3,20 Euro), um dort einen Latte Macchiato zu trinken (3,80 Euro). Nötig ist das nicht, aber macht einfach Spaß und bietet Chancen zum unendlichen Wachstum.
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