8. Mai 2009, 19:06 Uhr

Die Waffennarren lachen sich kaputt

Hoch und heilig hat die Politik nach dem Amoklauf von Winnenden versprochen, das Waffenrecht endlich zu verschärfen. Geschehen ist wenig. Stattdessen will man jetzt das Spiel Paintball verbieten. Die echten Waffennarren wird das freuen. Ein Kommentar von Sönke Wiese

Waffenrecht, Paintball, Sportschützen, Schützenverein

Hobbyschütze: Großkalibrige Waffen bleiben erlaubt©

Die geplante Änderung des Waffenrechts ist ein Paradebeispiel für Placebo-Politik: Sie bewirkt nichts, aber man tut so, als ob man etwas täte. Denn die Regierung will der Bevölkerung nach dem schockierenden Amoklauf von Winnenden sicherlich Beruhigungspillen verabreichen. Gleichzeitig dürfen die Maßnahmen aber einer wichtigen Interessengruppe keinesfalls ernsthaft wehtun: den Sportschützen. Sie sollen die Maßnahmen schlucken können, ohne groß aufzuheulen zu müssen. Vor allem zwei Entscheidungen illustrieren diese Placebo-Politik.

Erstens, das geplante Verbot von Paintball. Das Spiel mag man für einen zweifelhaften Zeitvertreib halten, aber letztlich ist es eine harmlose Räuber- und Gendarm-Variante mit Farbkugeln. Diese Spielzeugwaffen sind mit echten Waffen wegen Gewicht und Rückstoß in der Handhabung nicht zu vergleichen. Amokläufe lassen sich damit jedenfalls nicht trainieren. Man könnte ebenso gut Wasserpistolen verdammen.

Geringster Widerstand

Gleichzeitig wird, zweitens, zu wenig unternommen, um den Zugang zu Waffen ernsthaft einzuschränken. Der Besitz großkalibriger Waffen bleibt erlaubt. Ebenso das Training mit ihnen, lediglich die Altersbeschränkung soll von 14 auf 18 Jahre heraufgesetzt werden. Das bedeutet zwar, dass Jugendliche schwerer an diese Waffen herankommen. Gleichzeitig bleiben diese aber - etwa im Verein oder daheim im Waffenschrank - in Reichweite. Ein halbwegs gewitzter Jugendlicher kann sich locker Zugang verschaffen.

Die Politik geht somit den Weg des geringsten Widerstands. Denn Paintball, das schräge, aus den USA importierte Spiel, hat hierzulande nur ein paar Tausend Anhänger. Die Schützenvereine dagegen haben Millionen Mitglieder, in weiten Deutschlands prägen sie das ländliche Leben. Schützenfeste sind in vielen Dörfern der "kulturelle" Höhepunkt des Jahres. Diese mächtige Wählergruppe mag die Politik im Wahljahr nicht vergrätzen.

Vorbild Großbritannien

Und weil diese Placebo-Politik nichts verändert, bleiben auch die Risiken bestehen. Zwar gibt es, zugegeben, unter den Hobbyschützen nur sehr, sehr wenige gewaltbereite Waffennarren. Aber genau diese dürften sich angesichts der Paintball-Hysterie auf die Schenkel klopfen vor Lachen.

Die deutsche Politik hätte sich ein Beispiel an Großbritannien nehmen müssen: Dort griff der Staat 1997 nach einem Amoklauf konsequent durch und verbot großkalibrige Waffen komplett. Hierzulande aber ereifert man sich lieber hysterisch gegen ein Spiel mit Farbkugeln.

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Nach dem Amoklauf von Winnenden will die Regierung Paintball verbieten. Richtige Entscheidung?

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Ein Kommentar von Sönke Wiese
 
 
KOMMENTARE (10 von 65)
 
ThinkPirate (11.05.2009, 15:47 Uhr)
Nur keine Aufregung...
Paintball Verbot lachhaft:
Das Paintball-Spiel darf nämlich nach derzeitiger Rechtsprechung deutscher Verwaltungsgerichte nicht verboten werden. Mit einem Urteil vom 31. Januar 2007 (Az. 14 K 2097/03) hat die für das Polizeirecht zuständige 14. Kammer des Verwaltungsgerichts Dresden eine entsprechende Ordnungsverfügung der Stadt Bautzen aufgehoben. Der Sachverhalt: Die Klägerin betreibt gewerblich eine Freizeit- und Sporthalle auf dem Gebiet der beklagten Stadt, in der sie auch die Sportarten "Speedball", "Paintball" und "Sub-Air" anbietet. Mit Ordnungsverfügung vom 26. August 2002 untersagte die Beklagte der Klägerin, dort die Gelegenheit dafür zu bieten, dass mit Waffen oder Schussgeräten Farbmarkierungskugeln auf Menschen geschossen werden.
Den Widerspruch der Klägerin gegen diese polizeirechtliche Verfügung hatte das Landratsamt Bautzen mit Widerspruchsbescheid vom 19. März 2003 zurückgewiesen. Die Behörden waren in ihren Bescheiden – wie jetzt die Koalitionsparteien der Bundesregierung - davon ausgegangen, dass es gegen die Menschenwürde verstoße, mit realitätsnahen Waffen im Rahmen eines Kampfspiels auf Menschen zu schießen .
Die Richter kamen zur Auffassung, dass die für ein solches Verbot vom Polizeigesetz verlangte "Gefahr für die öffentliche Ordnung" nicht vorliegt. Der bloße Verdacht, dass das angebotene Verhalten später einer entwürdigenden Behandlung von Menschen Vorschub leiste, könne noch nicht die von den Behörden angenommene Verletzung der Menschenwürde darstellen. Ein entsprechender Wirkungszusammenhang zwischen dem Spiel und der Ausübung von Gewalt sei nicht belegt. Das Spiel selbst verletze weder Wertmaßstäbe des Grundgesetzes noch den gesellschaftlichen Wertekonsens. >>>Das ist eines von mehreren gleichlautenden Urteilen, die man im Bundestag nicht zu kennen scheint.
Aurum (11.05.2009, 14:56 Uhr)
Waffen
gehören in jeden Haushalt! Seit über 20 Jahren besitze ich Waffen, legal in Deutschland, jetzt ebenfalls seit Jahren im Ausland. Amokschützen gibt es überall auf der Welt. Prozentual gesehen zur Bevölkerung eines Landes aber ein Witz. Da sollten sich die Politiker doch eher mal die Selbstmordraten anschauen, oder veröffentlichen. Die werden nämlich unter den Tisch gekehrt.
Und wer beschützt meine Familie? Die schlechtausgebildete Polizei, deren Bimpfe im Jahr soviel Munition zum Übungsschießen zur Verfügung haben, wie ein Sportschütze an einem Tag?
Da lobe ich mir die USA oder Canada, wo Vater und Sohn am Wochenende auf die Jagd gehen können. Schon vergessen, liebe Deutsche... die Macht geht vom Volke aus, nicht von einzelnen Schwachköpfen der Politik.
schmutz (11.05.2009, 14:41 Uhr)
@Countryjoe
Ich bewerfe Waffenbesitzer mit Schmutz ? Na dann nennen Sie mir mal ein Beispiel, bevor Sie mir linksgrüne Ideologie anhängen. Soll ich mich eher an madicus hängen ? Ich denke nicht. Woher wollen Sie eigentlich wissen, das ich keine Waffenbesitzer kenne ? Etwa nur weil ich Sie nicht kenne ? Im Gegenteil, ich kann mit diesen Leuten hervorragend über Sinn und Unsinn von Schusswaffen streiten und hinterher einen Kaffee trinken.
Es geht hier nicht um Waffenarren (ich denke ein Erwachsener Mensch sollte über diesen Ausdruck hinwegsehen können), als darum das hier wieder ein Paradebeispiel abgeliefert wurde, wie unsere Politik versucht mit Placebo Effekten Wählerstimmen zu erheischen.
Countryjoe (11.05.2009, 14:14 Uhr)
@schmutz
Bewerfen sie keine Leute (Minderheit) mit dem, nach dem sie sich benennen, wenn sie keine Ahnung haben wovon sie reden sondern lediglich linksgrüne Ideologien nachbeten.
Firstundertaker (11.05.2009, 13:50 Uhr)
Welcher Volontär durfte hier den Artikel verfassen?
Traurig, traurig, was aus dem Stern geworden ist. Früher einmal war der Stern ein Sprachrohr des Volkes welches schonungslos Allmachtsansprüche des Staates anprangerte. Nun werden hier Stammtischparolen und Polemik verbreitet. Heute gab es einen Angriff mit Messern in einem Gynasium in Sankt Augustin. Werrden morgen Messer verboten? Wer töten will wird dies tun. Menschen haben sich schon niedergemezelt bevor es Schusswaffen gab. Womit hat man den im 30-jährigen Krieg gekämpft? Jedem halbwegs intelligenten Menschen sollte doch aufgefallen sein, dass es früher (ich bin 1967 geboren) soetwas nicht gab obwohl damals das Waffenrecht noch liberaler war als heute. Es bleibt die Frage, warum in jüngster Zeit vermehrt Amokläufe zu verzeichnen sind. Dies ist kein Problem des Zuganges zu Waffen (Fechter lernen z.B. mit Degen, Säbel und Florett dirket auf den Menschen einzustechen, hier ist aber kein Verbot in Sicht) sondern ein Gesellschaftsproblem. Offensichtlich ist unsere Gesellschaft derzeit nicht in der Lage unseren Heranwachsenden die nötigen sozialen Werte zu vermitteln. Stattdessen erleben sie immer wieder, dass der Einzelne nichts zählt. Unser Land bildet jedes Jahr junge Menschen zum Töten aus und transportiert sie in Regionen unserer Erde um dies auf Geheiß unserer Volksvertreter in die Tat umzusetzen. Nur hier bekommt das Kind dann den Namen Friedensicherung. Und wenn schon Großbritannien als Beispiel angeführt wird, sollte man sich doch wenigstens einmal kurz mit der Statistik der Gewalttaten seit Einführung des Waffenverbotes beschäftigen. Diese sind rapide gestiegen. Dem entgegen steht ein County der USA wo der Sheriff verfügt hat, dass jeder über 21, der dazu in der Lage ist, eine Waffe im verteidigungsfähigen Kaliber zu tragen hat und nachweisen muss, dass er damit auch umgehen kann. Seitdem sind die Verbrechen wegen Vergewaltigung um 90 und wegen Mordes um 60 % zurückgegangen. Es liegt nicht an den Waffen, sondern an der Gesellschaft. Wenn Großkonzerne trotz Milliardengewinne zigtausend Existenzen vernichten oder der kleine Mann es zum Volkssport ausweitet, seinen Nachbarn übern Tisch zu ziehen, wenn wir also unserer Jungend beibringen, dass der Einzelne völlig unwichtig und entbehrlich ist, dürfen wir uns über die ausufernde Gewalt nicht weiter wundern. Und das Paintball verboten werden soll lässt sich mit dem Amoklauf von Winnenden nicht begründen. Hier wird ein schlimmes Ereigniss benutzt um Rechte abzuschaffen. Damit werden die Opfer in den Dreck gezogen. Wenn man dieser Argumentation folgt müssen alle Fußballspiele unterhalb der zweiten Bundesliga verbieten Hier kommt es regelmäßig zu schweren Ausschreitungen mit Verletzten und erheblicher Sachbeschädigung. Auch ich bin dafür, das Maßnahmen ergriffen werden um solche Gewaltexesse zu unterbinden. Aber wenn so etwas hergenommen wird um massiv in die Grund- und Freiheitsrechte der Bürger einzugreifen, ist dies schon weit mehr als nur bedenklich. Rechte, die einmal aufgegeben wurden, lassen sich so leicht nicht wieder zurückholen. Zum Schluss soltte man sich auch einmal vor Augen führen, dass das erste Waffenrecht von den Nazis eingeführt wurde. Ziel war es, die Bevölkerung zu entwaffnen, damit man ungehindert und ungefährtdet ein Terrorregime aufbauen konnte. Waffen sind somit auf Zivilschutz.
schmutz (11.05.2009, 13:19 Uhr)
@uwewhttp
Es geht nicht darum, das sich in Großbritanien die Zahl der Toten durch Schusswaffen vervierfacht hat, sondern darum das in Deutschland eine mutlose Politik herrscht, die uns vorgaugelt das sie unsere Bedenken ernst nimmt. Doch statt sich gerade zu machen und ein Verbot von Schusswaffen zu erwirken, wird lieber auf einer Minderheit rumgehauen. Der Amoklauf von Winnenden wird zum Wahlkampfgetöse reduziert. So kann man der Opfer dieser Tragödie auch gedenken. Natürlich wird ein Verbot von Schusswaffen die Probleme nicht aus der Welt schaffen, die zu solchen Amokläufen führen, aber es ist tausendmal sinnvoller als Paintball zu verbieten. Nur wie schon gesagt, das würde Mut erfordern und den gibt es in unserer Politik nicht und deshalb wiedern mich unsere Volksvertreter eigentlich nur an.
uwewhttp (11.05.2009, 12:45 Uhr)
Großbritanien
Seit dem totalen Waffenverbot im UK im Jahre 1997, hat sich die Anzahl der mit Feuerwaffen verletzten oder getöteten Personen niocht nur nicht vermindert, sondern sich mehr als vervierfacht, s. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/crime/article2328368.ece
Dieser Kommentar zeigt mal wieder, wie toll deutsche Medien recherchieren.
schmutz (11.05.2009, 12:01 Uhr)
Waffennarren...
Die Besitzer von Schusswaffen können sich freuen. Computer- und Videospieler werden von der Politk gleich in die Kinderpornographie Ecke gedrängt und in Diskussionen als Spinner und Weltfremd abgetan. Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich mal sich die Beiträge zum Thema Videospiel Verbot zu lesen. Der Waffennarr ist da noch harmlos.
Zum Artikel.
Unsere Politik zeigt sich mal wieder von ihrer besten Seite. Man nehme eine Minderheit und stelle diese als Ursache allen Übels zur Schau. So kann man immerhin so tun, als würde man die Sorgen der Bürger ernstnehmen, ohne wertvolle Wählerstimmen zu vergrätzen.
Ich bin kein Paintball Spieler, aber diese Entscheidung zeigt mir das meine Stimme zu wertvoll ist um sie an diese "Demokratie" zu verschleudern.
Countryjoe (11.05.2009, 11:30 Uhr)
Waffen"narren"?
Ich frage mich wen der Verfasser dieses Artikels so primitivpopulistisch als Waffennarren bezeichnet? Offensichtlich kann er seine Hoplophobie und seine Parteilichkeit kaum im Zaume halten, ansonsten würde er sich solche, unbescholtene Bürger abwertende, Sprüche sparen.
ganzbaf (10.05.2009, 12:22 Uhr)
Boxen, Fechten und so weiter...

kann gerne gleich mitverboten werden.
Zumindest bei Olympia und bei Fernehübertragungen ist das auch nur Scheisse, die nur Idioten ansehen mögen ;-P
.
So gar für ein Verbot des Profifußballs wäre ich zu haben ! ;-)
Machen wir halt eine Volksabstimmung, ich werde jedes Ergebnis akzeptieren.
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