Zwickauer Zelle hatte offenbar über hundert Helfer

24. März 2013, 08:19 Uhr

Das Netzwerk der Terrorzelle NSU war offenbar umfassender als bisher bekannt. Laut einem Zeitungsbericht sollen 129 Helfer dem Trio um Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt zur Seite gestanden haben.

Zwickauer Zelle, Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt, NSU, Rechtsextremismus, rechts

Bekennervideo als Zeichentrick: In dem Film, der die Cartoonfigur "Paulchen Panther" als Propagandafigur missbraucht, bekennt sich die Terrorgruppe NSU zu mehreren Morden an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern©

Das Netzwerk der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle war offenbar größer als bislang bekannt. 129 Personen aus der rechtsextremen Szene sollen zum engeren und weiteren Umfeld des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gehört haben. Dies berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf eine geheime Liste der Sicherheitsbehörden, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags jetzt zugegangen sei. Der NSU werden zehn rassistisch motivierte Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und einer Polizistin zur Last gelegt.

Der Prozess gegen Beate Zschäpe, einzige Überlebende des Trios und gegen vier mutmaßliche Helfer des NSU beginnt am 17. April in München. Mundlos und Böhnhardt waren im November 2011 nach einem gescheiterten Banküberfall in Eisenach tot in ihrem Wohnmobil gefunden worden, Zschäpe stellte sich der Polizei. Neben diesem harten Kern werde laut Zeitungsangaben gegen knapp ein Dutzend weitere Beschuldigte ermittelt. Zudem soll es zahlreiche Helfer gegen haben, die direkt oder indirekt Kontakt mit den mutmaßlichen Terroristen hatten. Die Unterstützer der Zelle sollen dieser demnach unter anderem Geld, falsche Papiere und Waffen beschafft haben.

Unklar ist dem Bericht zufolge weiterhin, welche V-Leute der Sicherheitsbehörden zum Umfeld des Terrortrios gehörten. Der NSU-Ausschuss habe deshalb am Donnerstag beschlossen, dass die Bundes- sowie die 16 Landesregierungen die neue Namensliste auf bisher unentdeckte V-Leute überprüfen sollen. Das bestätigte der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) der "Bild am Sonntag". Er sagte: "Die neue Zahl ist erschreckend hoch. Jetzt muss schnell geklärt werden, ob es darunter Mitwisser der NSU-Verbrechen und weitere V-Leute gab."

Bereits im November 2011 hatte der Chef des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, nicht ausgeschlossen, dass die Ermittler auf ein großes Unterstützernetzwerk stoßen könnten. Die rechtsextreme Gruppe Thüringer Heimatschutz, aus der der Nationalsozialistische Untergrund entstanden ist, habe zeitweise 170 oder 180 Mitglieder gehabt.

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