Gauck soll Treffen mit NSU-Opfern abgelehnt haben

23. November 2012, 17:39 Uhr

Bundespräsident Joachim Gauck soll laut einem ARD-Bericht ein Treffen mit Angehörigen der NSU-Opfer abgelehnt haben. Die Hinterbliebenen zeigen sich verwundert - und loben Gaucks Amtsvorgänger.

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Will die Maßnahmen in der Folge der NSU Mordserie aber "mit Interesse verfolgen": Bundespräsident Joachim Gauck©

Bundespräsident Joachim Gauck hat einem ARD-Bericht zufolge ein Treffen mit den Familien der NSU-Opfer abgelehnt. Eine entsprechende Bitte der Türkischen Gemeinde in Deutschland für ein persönliches Treffen zum Jahrestag der Aufdeckung der Mordserie des rechtsextremen NSU im November habe das Bundespräsidialamt ausgeschlagen, berichtete das ARD-"Hauptstadtstudio. Die Familien mögen von einem solchen Treffen "absehen", zitierte die ARD aus einem Schreiben des Amts. Der Bundespräsident werde die Maßnahmen in der Folge der NSU Mordserie aber "mit Interesse verfolgen".

Bundespräsidialamt widerspricht

Am Abend widersprach das Bundespräsidialamt dem Bericht. "Selbstverständlich ist ein Treffen des Bundespräsidenten mit den Opferfamilien der NSU-Mordserie geplant", sagte ein Sprecher des Präsidialamtes am Freitagabend in Berlin. Ein solches Treffen sei bereits seit längerer Zeit vorgesehen.

Zu der abschlägigen Antwort des Amtes an die Opferfamilien sagte der Sprecher, auf "dieses konkrete Anliegen" sei Gauck nicht eingegangen, denn er wolle "seine eigenen Akzente" setzen und habe "seine eigenen Vorstellungen für ein solches Treffen". Der Sprecher wollte keine Angaben dazu machen, wann und an welchem Ort dieses Treffen geplant ist.

Die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John, zeigte sich verwundert über Gaucks Absage. "Ich finde es schade, dass ein solches Treffen nicht zustande kommt", sagte sie der ARD. "Mich sprechen immer wieder Hinterbliebene der Opfer an und berichten mir, wie wichtig Ihnen das Treffen bei Bundespräsident Christian Wulff war." Ex-Bundespräsident Wulff hatte die Opferfamilien im November 2011 zu sich ins Schloss Bellevue geladen und sich für einen offiziellen Festakt für die Opfer der NSU-Mordserie stark gemacht.

Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte Gaucks Absage. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundespräsident ein Zeichen gesetzt hätte", zitierte die ARD den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. Viele Hinterbliebene der Opfer seien enttäuscht über die Aktenvernichtungen der Geheimdienste, die der NSU-Untersuchungsausschuss ans Licht gebracht habe. "Der Gesprächsbedarf wäre also groß gewesen", sagte Kolat. "Es wäre deshalb schön gewesen, wenn der Bundespräsident Interesse gezeigt hätte."

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