11. Mai 2010, 10:15 Uhr

Mehr Bartsch! Und weniger Lafontaine

Will die SPD mit der Linken kooperieren, im Westen, in NRW, vielleicht auch im Bundestag? Im stern spricht SPD-Parteichef Sigmar Gabriel über koalitionäre Verlässlichkeit, die neue Macht im Bundesrat und die K-Frage. Von Andreas Hoidn-Borchers

Sigmar Gabriel, die Linke, SPD, Reformpartei, Oppositionspartei, Koalitionspartner, Bundesrat

Über das (Un-)Glück einer Kanzlerschaft: SPD-Chef Sigmar Gabriel©

In der Diskussion um Bündnisse mit der Linkspartei im Bund hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel davor gewarnt, rechnerische Mehrheiten automatisch mit politischen Mehrheiten gleichzusetzen. "Wichtig ist die gemeinsame inhaltliche Substanz", sagte Gabriel dem Hamburger Magazin stern. Bevor sie Koalitionen eingehe, müsse die SPD deshalb "immer prüfen, ob es inhaltliche Gemeinsamkeiten und Verlässlichkeit gibt. Wenn nicht, dann kann man vielleicht gerade noch eine Regierung bilden, aber sie wird nach kurzer Zeit an ihren inneren Widersprüchen ersticken oder sogar platzen." Wer ein aktuelles Beispiel brauche, müsse sich nur CDU und FDP ansehen. Damit rot-rot-grüne Bündnisse künftig nicht diskreditiert werden können, müsse die Linke sich entscheiden, ob sie "Reformpartei, meinetwegen auch eine sozialistische Reformpartei" sein wolle oder "eine Oppositionspartei mit einem im Kern kommunistischen und ziemlich antiparlamentarischen Programm", so Gabriel. "Die Linke muss sich ändern. Mehr Bartsch und Brie. Und weniger Lafontaine und Wagenknecht."

Nach dem unerwartet guten Ergebnis bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen warnte Gabriel seine Parteifreunde vor zu großer Euphorie. Die Sozialdemokraten hätten "einen Vertrauensvorschuss bekommen", den sie nun mit ihrer Arbeit rechtfertigen müssten. "Die SPD hat eine Trendwende geschafft. Aber unser Erneuerungs- und Öffnungsprozess hat gerade erst angefangen", sagte Gabriel dem stern. "Natürlich sind wir längst nicht fertig mit dem Umbau der SPD." Die Partei müsse "wieder anschlussfähig werden an das aufgeklärte Bürgertum", das moderne Themen wie Umweltschutz ebenso interessierten wie soziale Gerechtigkeit. Die SPD werde nun Schritt für Schritt ihre Vorstellungen von einem "fairen Zusammenleben" entwickeln. In diesem Zusammenhang kündigte Gabriel für kommendes Jahr ein Konzept zur Finanz- und Steuerpolitik an. Die SPD wolle dabei vor allem Städte und Kommunen finanziell absichern und entlasten.

"SPD darf keine Neinsagerpartei sein"

Gabriel will die neue Macht seiner Partei im Bundesrat nicht zu einer reinen Blockade-Strategie nutzen. "Die SPD darf keine Neinsagerpartei sein", sagte Gabriel dem stern. "Dieser Platz im Parteienspektrum ist besetzt." Die SPD werde ihre "Alternativen benennen". So müssten "mutige kleine und mittlere Unternehmen, die in der Krise investieren, dringend entlastet werden". Andererseits werde es in der Länderkammer künftig "weder eine heimliche noch eine unheimliche große Koalition geben". Seine Partei werde "klar sagen, was wir ablehnen, weil es den Menschen in Deutschland schadet", so der SPD-Politiker. Als Beispiele nannte er die Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern und die Einführung einer Kopfpauschale bei der Krankenversicherung.

Im Blick auf die Kanzlerkandidatur 2013 sagte Gabriel, er habe es "früher schon für Unsinn gehalten", dass der Parteivorsitzende den ersten Zugriff habe. Antreten solle, wer die besten Chancen besitze, so Gabriel. "Die besten Chancen muss nicht der Vorsitzende haben. Das kann sein, muss aber nicht sein." Allerdings ließ der SPD-Vorsitzende auch Zweifel durchblicken, ob der Job des Kanzlers überhaupt erstrebenswert sei. "Das private Glück steigert das Amt sicher nicht. Und zu Hause hält sich die Begeisterung bei mir mit Sicherheit in Grenzen."

Das vollständige Interview

Das vollständige Interview ... mit Sigmar Gabriel lesen Sie im aktuellen stern

 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
gokahe (13.05.2010, 15:38 Uhr)
Mehr SPD,
weniger Gabriel, Steinmeier, Steinbrück, Nahles und wie die in der Seeheimer- und BILD(Bertelsmann)politik Gefangenen alle heißen. Dann könnte es vielleicht wirklich eine Trendwende (bis her nur eine Gabrielillusion) geben. Ich glaube aber der Absturz (begonnen und angeschoben lang ist es her, durch den "großen" heute alten SPD-Mann, wenn es auch weh tut, Schmidt heißt er) geht weiter. Beruhigend im angemessenen Abstand wird die CDU folgen. Sie die CDU wirkt aber kleverer, sie wird die SPD mit Hilfe von Gabriel in NRW einfangen und ein bißchen (23 ist zu unterbieten) stutzen. Die Medien (Stern hat mit Güllner den Anfang gemacht) bereiten den Weg. Die Stärkung von Grün (Schwarzgrün) ist gewollt, Die Stärkung der Linken falls die U-Boote (Bartsch , Brie,...) nicht zünden bzw. nicht wollen wird erstmal billigend in Kauf genommen und läßt sich medial zum Nachteil der SPD (siehe vor der Bundestagswahl) gut nutzen.
Es bleibt spannend, wenn es auch traurig für die SPD ausschaut.
gruß gokahe
gokahe (13.05.2010, 15:23 Uhr)
Mehr SPD,
weniger Gabriel, Steinmeier, Steinbrück, Nahles und wie die in der Seeheimer- und BILD(Bertelsmann)politik Gefangenen alle heißen. Dann könnte es vielleicht wirklich eine Trendwende (bis her nur eine Gabrielillusion) geben. Ich glaube aber der Absturz (begonnen und angeschoben lang ist es her, durch den "großen" heute alten SPD-Mann, wenn es auch weh tut, Schmidt heißt er) geht weiter. Beruhigend im angemessenen Abstand wird die CDU folgen. Sie die CDU wirkt aber kleverer, sie wird die SPD mit Hilfe von Gabriel in NRW einfangen und ein bißchen (23 ist zu unterbieten) stutzen. Die Medien (Stern hat mit Güllner den Anfang gemacht) bereiten den Weg. Die Stärkung von Grün (Schwarzgrün) ist gewollt, Die Stärkung der Linken falls die U-Boote (Bartsch , Brie,...) nicht zünden bzw. nicht wollen wird erstmal billigend in Kauf genommen und läßt sich medial zum Nachteil der SPD (siehe vor der Bundestagswahl) gut nutzen.
Es bleibt spannend, wenn es auch traurig für die SPD ausschaut.
gruß gokahe
REINI2 (13.05.2010, 14:41 Uhr)
Wer hat uns verraten...die Sozialdemokraten...alter Spruch, aber stimmt!
Selbst wenn die Linke über 30% bekommen würde....sie wäre in keiner Regierung.

Da würden eher csucdufdpspd eine Koalition der Ausbeutung von Volk und Arbeitnehmer eingehen....und dafür viel Beifall von Wirtschaft, Banken und den gleichgeschalteten Medien erhalten!

csucdufdp...kann man schon lange nur wählen, wenn man an der Zerstörung des Sozialstaat ein Interesse hat.
Den meisten Erfolg damit haben jedoch immer noch spd und grüne! Die reden von ihren sozialen Absichten.....um sie anschließend ins Gegenteil zu verkehren! Die laufen schon lange nur noch der Wirtschaft hinterher! Ihre <Erfolgsliste> ließt sich dementsprechend:
REINI2 (13.05.2010, 14:23 Uhr)
Gesucht wird...eine Neoliberale Partei mit Ausbeuter- Charakter !
Da sieht man doch wieder, wie gleich csucdufdpspdgrüne sind...Eine Einheitspartei mit neoliberaler Ausrichtung!
Das heißt...zuerst kommt die Wirtschaft mit den Banken...dann die Lobbyisten...früher mal Politiker genannt und ganz weit hinten kommt das Volk!
Und wenn es heißt, dass man sparen muss, dann bedeutet es nur, dass der Sozialstaat NOCH schlanker und das Volk NOCH ärmer gemacht werden soll!
Damit kennen sich spd und grüne bestens aus...muss man es euch immer wieder erklären für was diese Parteien verantwortlich sind?
Bitte sehr:

Hartz4,
Agenda,
1? Jobs,
Leiharbeiter ohne Rechte
Rente mit 67,
Lohndumping,
Mehrwertsteuer auf 19%
KEIN Mindestlohn
800 Milliarden für Banken-Betrüger,
Privatisierung von Energie, Krankenhäusern und dem Sozialwesen
Verkauf von Wasser- und Abwasserrechten
Hungerlöhne für Sozialberufe
Zerstörung des Sozialstaates,
Steuererleichterung für Unternehmen und Reiche
Keine Vermögenssteuer
SINKENDE Reallöhne, trotz Rekordgewinnen der Unternehmen
Städte und Gemeinden sind PLEITE, Bäder und Büchereien schließen...usw.

Und die anderen drei...cducsufdp sind NOCH schlimmer!
Die Linken sind die einzigen, die diese Schweinereien anprangern und sich für einen Sozialstaat einsetzen!
Wirtschaft, Banken, Medien tun alles dafür, diese Partei zu verunglimpfen und zu denunzieren!
Die spd und die grünen sollen sich doch bei ihren neoliberalen Freunden anbieten....besser kann man es doch nicht erkennen, wie sie den Wähler verdummen!!
sternenhagel (13.05.2010, 06:54 Uhr)
NEIN
Das könnte Herrn Gabriel so passen, die Linke in den Sumpf der Traditionspartei des Verrats zu ziehen. Dazu kann es nur ein klares NEIN der Linken geben. Nein zur Beteiligung am Krieg in Afghanistan, Nein zu Sozialabbau und Harz, Nein zur Bezahlung der Krise des Kapitalismus.
Ja zur Überführung der Banken, der Schlüsselindustrien etc in Gemeineigentum ohne oder höchstens gegen eine symbolische "Entschädigung, ja zur 30-Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich, ja zu einer Politik ohne faule Kompromisse hin zu einem demokratischen Sozialismus.
tannebaum (12.05.2010, 17:23 Uhr)
@bitte-sachlich
das bundesverfassungsgericht hat gesagt, dass es nicht nötig ist, dass kreuze in schulen hängen. es aber nicht verboten.

das eine christliche partei eine neigunghat, dass deren sysmole dort sichtbar sind, wo diese auch gepflegt werden, ist doch sicher nachvollziehbar. und diese meinung hat eben jeder in der cdu zu haben, denn die haben ja das C drin.

kopftücher sind ja auch nicht verboten und werden ja auch in den schulen getragen. hier in berlin von sehr, sehr vielen minderjährigen. von anpassung keine spur, keine integration und mit 12 versprochen, mit 17 verheiratet. und da regt sich keiner auf... komisch nicht?!
Bitte-sachlich (12.05.2010, 14:16 Uhr)
Nachtrag
Die Ministerin kommt natürlich aus Niedersachen, nicht NRW.
Bitte-sachlich (12.05.2010, 12:04 Uhr)
Gabriel hat leider die SPD-Altlast übernommen ...
... schlecht von Lafontaine zu reden. Dabei gibt es keine bessere Brücke zu den Linken als dieser ausgewiesene Sozialdemokrat.

Allerdings steckt Gabriel wie soviele westdeutsche Politiker in der Bild-Falle. Wenn man nicht versteht, dass Medien wie z.B. FAZ, Focus, Bild, Spiegel ideologischen Müll zum Thema Linkspartei verbreiten, dann kann man natürlich nur Angst haben vor der Linkspartei.

Ich finde, dass die Extremismus-Bezeichnung der FDP verfassungsfeindlich ist. Das politische Programm der Linken, egal ob man es mag oder nicht, betont den parlamentarischen Weg Ihrer Politikvorschläge. Wer die Linkspartei ausgrenzt, steht nicht auf dem Boden der Verfassung hinsichtlich Meinungsfreiheit und Freiheit der Teilnahme an politischer Willensbildung.

Außerdem: wessen Gesetze sind in den letzten Jahren immer wieder vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden? Richtig: die Gesetze von CDU-FDP-SPD.

Selbst das Wahlgesetz, dass ja direkt zur politischen Repräsentation dient, ist anstößig und wird aus offensichtlichem politischen Eigennutz erst auf dem letzten Drücker reformiert.

Oder denken wir an die neue türkisch-stämmige Ministerin in NRW. Die hat darauf hingewiesen, was das Bundesverfassungsgericht zum Thema Kreuze in Schulen ausgesagt hat und wurde dafür von der CDU angegriffen! Soviel zur Verfassungstreue der CDU und soviel zum Extremismusvorwurf der Konservativen in Richtung Linkspartei.
kabelmann (12.05.2010, 09:55 Uhr)
Schön zu sehen...
....dass die SPD Spitze irgendwie auf den Irrweg gelangt ist, konservative Politik habe irgendwas mit Realitätsnähe oder Pragmatismus zu tun. Da lügt sich aber jemand selbst ganz schön in die Taschen.
dreicon (12.05.2010, 09:50 Uhr)
Linke Mehrheit
Ja, es ist nun mal so. Die Mehrheit der Leute denkt links, und wählt rechts. Warum?

Ich glaube, es liegt an der Zögerlichkeit , oder auch Unfähigkeit der bisherigen linken, sprich: SPD, die Fakten zu-, und anzuerkennen, daß der Kapitalismus in seiner reinen Form kein Staatsmodell für eine Bevölkerung ist. Alle Versuche, ihn zu demokratisieren, siehe Soziale Marktwirtschaft, sind gescheitert, und werden scheitern. Es ist die zügellose Gier des Menschen, die, wenn nicht von der Gesellschaft gezügelt, immer wieder auf Kosten der Wohlfahrt der Gesellschaft grenzenlosen Reichtum Weniger generiert. Wenn es bei diesen Raubzügen nicht gelingt, dem Großteil der Menschen alles abzupressen, werden die diesen verbleibenden Reste als Erfolg des Kapitalismus für die Gesamtgesellschaft gefeiert.

Wenn ein System also erwiesenermaßen nicht funktioniert, muß man dieses abschaffen. Nicht daran herumdoktorn. Denn diese "Reformen" waren und sind nichts anderes als Versuche, die Wahrheit zu verschleiern.

Und wenn das bisher bekannte Alternativsystem auch nicht funktionierte, muß man sich eben ein Neues ausdenken. Und wenn man dabei hauptsächlich an die Menschen, nicht nur an die "Bürger" denkt, schwupps ist man bei den LINKEN!
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