Die falschen Freunde der FDP

21. Februar 2013, 16:41 Uhr

Innerhalb von zwei Wochen haben sich die Follower-Zahlen des FDP-Twitter-Accounts fast versechsfacht. Warum? Die Liberalen bestreiten, die Follower gekauft zu haben. Von Laura Himmelreich

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Alles nur Brasilianer und Portugiesen? Sagenhafter Anstieg der Follower auf dem FDP-Twitter-Account©

Der Tag, an dem der Internet-Höhenflug der FDP begann, war eigentlich kein außergewöhnlicher Tag. Am 6. Februar 2013 diskutierten die Liberalen über den Schutz vor Inflation und über Studiengebühren in Bayern. Und ein Mitarbeiter aus der Parteizentrale verfasste den Allerwelts-Tweet: "EU-Gelder nicht nach dem "Gießkannen-Prinzip" verteilen". Doch dann passierte etwas Bemerkenswertes: Die Zahl der Menschen, die beim Kurznachrichtendient Twitter die Nachrichten der FDP lesen, explodierte. Seitdem, in nur 15 Tagen, hat sich die Zahl der FDP-Follower fast versechsfacht, von 6437 stieg sie auf 36.761 an (Stand: Donnerstagnachmittag).

In der Welt der sozialen Netzwerke gelten Follower oder Facebook-Freunde als Währung. Wer viele hat, scheint beliebt zu sein – oder zumindest irgendwie wichtig. Agenturen verkaufen sogar falsche Follower, mit denen man die eigene Bedeutung für einige hundert Euro aufbessern kann. Im vergangenen Sommer musste sich bereits die CDU für einen Zustrom an gefakten Twitter-Followern rechtfertigen.

Manipuliertes Wachstum

Der Social-Media-Berater Martin Fuchs analysiert mit seinen Kollegen auf der Website Pluragraph.de die Aktivitäten von Parteien im Netz. Er glaubt nicht daran, dass hinter dem Twitter-Höhenrausch der Liberalen echte Follower stehen: "Ein so starkes Wachstum innerhalb weniger Tage müsste jede Organisation aufhorchen lassen", sagt Fuchs. "Gerade bei einem Account, der über Jahre hinweg ein konstantes Wachstum von wenigen Prozent im Monat aufweist, wie der Account @fdp_de, ist solch ein Wachstum nur durch Manipulation möglich."

30.000 Follower kann man sich einfach per Mausklick im Netz bestellen - Kosten: rund 600 Euro. Die Liberalen streiten ab, sich selbst die neuen Fans besorgt zu haben. "Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen", sagt ein Sprecher der Partei. Über die Gründe für den Boom könne er nur spekulieren. "Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass FDP beispielsweise im Portugiesischen ein gängiges Kürzel für ein Schimpfwort ist", sagt er.

Das "filho da puta"-Theorem

In der Tat: "filho da puta" heißt übersetzt Arschloch, Scheißkerl oder Hurensohn. Aber warum sollten 30.000 Portugiesen, Brasilianer oder Angolaner seit dem 6. Februar plötzlich das Bedürfnis bekommen haben, einem deutschen Twitter-Kanal zu folgen, der vermeintlich die portugiesische Fäkalsprache pflegt?

Der Social-Media-Berater Martin Fuchs sagt, die Erklärung der FDP sei eine "hanebüchene Theorie". "Daran sieht man, dass im Thomas Dehler-Haus noch keine große Social-Media-Expertise besteht." Fuchs glaubt eher, dass die Follower von jemandem gekauft worden sind, der die FDP dem Verdacht aussetzen will, ihren eigenen Twitter-Kanal zu manipulieren. "Dies hätte die FDP merken und auch sofort reagieren müssen. Zum Beispiel mit der Bitte an Twitter, die Follower der letzten Tage wieder löschen zu lassen." Vergangenen Sommer hat die CDU ihre 5000 falschen Follower zum Beispiel ganz schnell wieder streichen lassen.

Löschen oder nicht löschen

Vielleicht liegt es an den schwierigen Zeiten, in denen sich die FDP befindet. Denn anstatt dass sie ihre falschen Follower eliminieren lässt, scheinen sich die Liberalen noch ein bisschen an ihrer unverhoffter Beliebtheit zu erfreuen.

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