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19. Januar 2012, 16:25 Uhr

Razzia bei Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker

Der ehemalige Sprecher von Bundespräsident Wulff ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Ermittler durchsuchten Glaesekers Räume und die des Eventmanagers Schmidt - wegen Bestechungsverdachts.

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Ließ er sich mit Gratisurlauben bestechen? Der ehemalige Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker© Wolfgang Kumm/DPA

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Donnerstag Privat- und Geschäftsräume des entlassenen Sprechers von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, durchsuchen lassen. Zusammen mit Beamten des Landeskriminalamts verschafften sich die Ermittler auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt, der zu Wulffs Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover und dem damaligen Regierungssprecher Glaeseker gehabt haben soll.

Den Beschuldigten würden Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es bestehe der Verdacht, dass Glaeseker als niedersächsischer Regierungssprecher die Veranstaltung und Finanzierung der von Schmidt ausgerichteten Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" "gefällig" gefördert und dafür mehrfach unentgeltlich Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht habe. Die Ermittler hätten Immobilien in Wunstorf bei Hannover, Berlin und der Schweiz durchsucht, hieß es. Dabei seien Computerdateien und Dokumente sichergestellt worden. Die Ermittlungen ausgelöst hatte ein Bericht auf stern.de, der Glaesekers Verbindung zu Schmidt erstmals detailliert schilderte.

Ohne Angabe von Gründen entlassen

Die Vorwürfe gegen Glaeseker stehen nicht direkt in Verbindung mit der Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten. Allerdings stand auch Wulff mit dem umstrittenen Eventmanager Schmidt in Verbindung. Vor dem Landtag in Hannover sagte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) am Donnerstag, die Landesregierung habe den Nord-Süd-Dialog, ein Wirtschaftstreffen von Niedersachsen und Baden-Württemberg, nicht finanziell unterstützt. Als Schirmherr des Treffens habe Wulff als damaliger Ministerpräsident aber mit Sicherheit dem ein oder anderen gesagt: "Das ist eine wichtige Sache, da sollten Sie sich beteiligen."

Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten Glaeseker kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen. Damals war die Kreditaffäre des CDU-Politikers gerade bekanntgeworden. Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen.

McAllister geht auf Wulffs Handeln nicht ein

Unterdessen lässt die Opposition im Landtag von Hannover im Streit um die Kreditaffäre nicht locker. Am Freitag soll über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses debattiert werden. Die Entscheidung fällt aber erst im Februar. Auch die Einschaltung des Staatsgerichtshofes steht zur Diskussion.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) vermied vor dem Landtag am Donnerstag jede Bewertung von Wulffs Handeln, auf das er mit keinem Wort einging. In der Sache brachten dutzende Fragen der Opposition keine neuen Erkenntnisse - unter anderem, weil einige Fragen von der CDU/FDP-Regierung unter Verweis auf das Steuer- und Bankgeheimnis unbeantwortet blieben.

Wulff steht seit Mitte Dezember wegen eines günstigen Hauskredits, wegen Urlauben bei vermögenden Freunden und wegen seines Umgangs mit den Medien in der Kritik. Am Mittwoch hatten seine Anwälte 240 Seiten Medienanfragen und Antworten darauf ins Internet gestellt. Zuvor war Wulff mangelnde Transparenz vorgeworfen worden.

mad/DPA/AFP
 
 
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