Schavan will Bildungslotsen für Hauptschüler

28. April 2010, 15:00 Uhr

Offensive gegen Facharbeitermangel: Bundesbildungsministerin Annette Schavan will 3200 Sozialarbeiter einsetzen, um Hauptschülern zu einer Lehrstelle zu verhelfen. Das Kabinett billigte ein entsprechendes Hilfsprojekt.

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Metallbauer-Lehrlinge im ersten Lehrjahr: "Das Potenzial entfalten"©

Berufslotsen sollen künftig in ganz Deutschland Hauptschüler betreuen und ihnen so zu einem Ausbildungsplatz verhelfen. Die Bundesregierung finanziert dieses auf acht Jahre angelegte Programm mit 755 Millionen Euro, wie Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch in Berlin ankündigte. 3200 Sozialarbeiter will sie dafür anheuern. Sie begründete das Programm auch mit dem drohenden Facharbeitermangel hierzulande.

Zunächst einmal 60.000 Hauptschüler sollen mit Hilfe der Berufslotsen künftig eine mehrjährige, "gezielte Begleitung in die Ausbildung" bekommen, sagte Schavan bei der Vorstellung des Berufsbildungsberichtes der Regierung. "Wir werden das Potential dieser jungen Menschen fördern und entfalten."

Die Lotsen sollen nach Angaben Schavans etwa Sozialpädagogen sein, "junge Senioren mit viel Berufserfahrung" oder "junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die Brücken bauen können". Ein Drittel von ihnen soll ehrenamtlich arbeiten, die restlichen hauptamtlich. Jeder von ihnen wäre im Schnitt für 19 Schützlinge zuständig.

"Eine gute Situation für die jungen Leute"

Nach den Worten Schavans sollen zunächst in der siebten Klasse die Stärken und Schwächen und die Interessen der Schüler festgestellt werden. In der achten Klasse sollen sie dann zwei Wochen lang in sogenannten Praxisstationen den Berufsalltag kennenlernen, wie Hans-Peter Schäfer sagte, Leiter des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer Köln, das eine solche Orientierung bereits anbietet. In Klasse zehn folge dann ein Berufspraktikum. Der Deutsche Gewerkschaftsbund lobte die Initiative der Regierung als "richtigen Ansatz".

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 8,2 Prozent auf rund 566.000 Verträge zurück, wie aus dem vom Kabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht hervorgeht. Gleichzeitig sank aber auch die Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen um 8,8 Prozent auf knapp 576.000. Damit habe sich die Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt fortgesetzt. Schavan hob hervor, dass Ende September die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsplätze die Zahl der Bewerber übertraf. "Das ist für junge Leute eine gute Situation." Auch diejenigen, die über Jahre "nicht untergekommen" seien, biete sich nun die Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Auch in diesem Jahr wird die Zahl der Ausbildungsplätze laut Berufsbildungsbericht weiter sinken - schätzungsweise um 20.200 Plätze. Auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen werde aber zurückgehen, daher werde sich die Situation statistisch für die Jugendlichen nicht verschlechtern.

Die Ministerin sagte, schon jetzt gebe es Regionen, in denen zu wenige Fachkräfte zur Verfügung stehen. Betriebe, die jetzt nicht ausbildeten, würden in einigen Jahren erhebliche Probleme haben. Die Maßnahmen der Regierung seien wirksam und wichtig um zu verhindern, dass der Fachkräftemangel hierzulande einmal "die größte Wachstumsbremse wird".

AFP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
soho (01.05.2010, 12:46 Uhr)
Steuergelder verschwendet??
Wenn ich hier einige Kommentare lese, frage ich mich wirklich was aus unserer Gesellschaft geworden ist. Wo sind denn hier bitte Steuergelder verschwendet, wenn in die Bildung und in die Zukunft junger Menschen investiert wird?! Schüler aus bildungsfernen Familien brauchen die Unterstützung der Mitmenschen, da ihre Familien ihnen diese nicht bieten können/wollen. Ich selbst studiere Lehramt für die Hauptschule und betreue in einem Projekt seit zwei Jahren drei Hauptschüler. Ich suche mit ihnen nach Praktikumsplätzen, mache Bewerbungstraining und organisiere Bewerbungsgespräche zusammen mit Personalreferenten. Und meine drei Schüler sind mir dankbar dafür! Sie wollen etwas aus ihrer Zukunft machen und ihr Leben anders gestalten als ihre Eltern. Sie sind bereit dazu einen ordentlichen Schulabschluss zu machen und einen Ausbildungsplatz zu finden. Doch das können sie nicht alleine, dazu brauchen sie Hilfe. Und wenn die Eltern aus diversen Gründen diese Hilfe nicht bieten können, dann braucht es Bildungslotsen. Ein Lehrer allein kann sich nicht um 25 Schüler kümmern. Natürlich bräuchten wir auch Elternlotsen, doch was ist bitte wahrscheinlicher: dass sich die Eltern helfen lassen, die sich meistens mit ihrer Situation schon zufrieden gegeben haben und meinen, nichts mehr ändern zu können oder Schüler, die ihre gesamte Zukunft noch vor sich haben?
Ich denke, dass unsere Steuergelder in nichts besser angelegt sind, als in die Bildung und die Zukunft junger Menschen unseres Landes. Und würde sich die negative Einstellung unserer Gesellschaft gegenüber Hauptschülern oder Schülern, aus bildungsfernen Familien oder mit Migrationshintergrund ins positive verändern und sie ihnen auch eine Chance geben würden auf dem Arbeitsmarkt, könnten auch wieder ein paar Steuergeldern eingespart werden. Übringens: das Projket mit meinen drei Schülern kostet den Staat genau 15 ?. Die übrigen Kosten übernehme ich ganz allein.
STR_EDDS (30.04.2010, 22:24 Uhr)
Besser
Besser als Bildungslotsen wäre ein kräftiger Tritt in den Hintern der jeweiligen Eltern. Wieso müssen mit Steuergeldern deren Versäumnisse ausgebadet werden?
.
Andererseits: wenn die Lotse helfen, dass ein gewichtiger Prozentsatz an Schülern dem Bildungsprekariat entfliehen kann, dann muss es wohl so sein.
.
Papayu (30.04.2010, 02:15 Uhr)
Hauptschueler
Als ich noch zur Schule ging 1945- 1954
"Volksschule und Praktische Oberschule"
da galb es fuer die Duemmsten die Hilfsschule.
Da gab es keinen Abschluss und zum Hilfsarbeiter reichte es allemal.
Die heute eine Hauptschule besuchen sind schlechter dran. und wenn man auch noch deutscher Schueler ist. Ein Nachbar von mir hatte einen Sohn, der schwierig war. Er kam in die Hauptschule in eine Klasse voller Tuerken etc. Gerade 3 (drei) Schueler waren Deutsche und der Unterricht war auf die Auslaender zugeschnitten. Nicht einmal 20 % des Pensum wurde erreicht. Dementsprechend war anschliessend das Zeugnis und eine Lehrstelle gab es nicht.
Er war ja Hilfsschueler.
Was soll hier denn noch die Schulpflicht??/.
Wenn die fremden Schueler, besser die Eltern nicht wollen, brauchen sie keine Schule besuchen. Sie behindern nur die Ausbildung der nicht so Klugen.
tannebaum (29.04.2010, 12:49 Uhr)
ich wäre für lotsen für die eltern...
denn aus deren elternhäuser stammen diese dummen kinder. dort, wo sich keiner mit seinen kindern beschäftigt, nichts vorliest, nicht essen und besteckhalten beibringt, nicht nach den wünschen und sehnsüchten der kinder fragt, die hausarbeiten nicht kontrolliert, keine manieren lernen.

wieso muss der steuerzahler 755 millionen aufbringen, weil die eltern zu faulund/oder doof sind???!!! warum braucht man 755 millionen damit die kinder lernen was pünktlichkeit, manieren, lernen und zukunftsperspektive ist?

was kommt denn als nächstes???? elternlotsen, lehrerlotsen, azubilotsen, sauflotsen, nukotinlotsen?

wenn die politik es nicht schafft, dass in dieser gesellschaft wieder anstand und regeln wachsen, dann gehen wir vor die hunde. aber haben wenigtens vollbeschäftigung, denn die hälfte aller ist dann lotse für die andere hälfte. toll!!!
kaffeesatz (29.04.2010, 12:11 Uhr)
Ich will,
sagt Schawan! Sie sollte dafür sorgen, dass die angedachten 755 Mio. für mehr Lehrkräfte und für bessere Schulen ausgegeben werden, dann brauchen wir keine "Lotsen".
Offenbar haben die Damen und herren Politiker zu viel Zeit, um sich ständig neuen Unsinn auszudenken!
80blatt (29.04.2010, 10:48 Uhr)
Beeindruckendes Konzept,
das zeugt von großem Sachverstand.

"Die Lotsen sollen...Sozialpädagogen sein, "junge Senioren mit viel Berufserfahrung" oder "junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, die Brücken bauen können"...soll ehrenamtlich arbeiten, die restlichen hauptamtlich. Jeder von ihnen wäre im Schnitt für 19 Schützlinge zuständig."

Wer jemals einem dieser jungen Berater der AA (akademischer Abschluß zwingende Vorgabe, egal in was) gegenüber saß und dessen Ahnungs- und Hilfslosigkeit bemerkte, kann sich ausmalen, wie dieses "Konzept" von Frau Schavan in der Realität aussehen wird.
Papayu (29.04.2010, 02:35 Uhr)
Sozialarbeiter Lotsen?
Werden unsere Ministerinnen denn immer duemmer?? Was soll denn der Mist??
Nach Elterngeld, Babyjahr auf Kredit nun Bildungslotsen. Wenn Jugendliche in die Pubertaet kommen habe sie meistens etwas anderes im Sinn, sich in Discos austoben zu koennen usw. Denn was sie erwartet ist t r o s t l o s. Wer nicht als Klassenprimus oder unter den ersten 10 die Schule verlaesst, hat kaum eine Chanche
einee Berufsausbildung zu bekommen.
Das war schon in den 50.Jahren. Da wurden Schlosser oder Schreiner(Tischler) mit mittlerer Reife zur Ausbildung gesucht.
Maedchen konnten entweder Friseuse, Verkaeuferin oder Stenokontoristin.
lernen.Und das 3 Jahre.Und vor allen Dingen es waren billige Arbeitskraefte. 3 Jahre Verkaeuferin gelernt, verplemperte Zeit, denn um Unterhosen zu verkaufen wozu braucht man da 3 Jahre Lehrzeit.
Alle meine Ausbilder kamen aus anderen Berufen, mein erster "Chef" war gelernter Schuster. Das war 1956. Spaeter ging das nicht mehr, da brauchte der "Ausbilder" ein Zertifakat, dass ihn dazu berechtigte.
Das ganze Ausbildungssystem ist laengst5 ueberholt. Da sind die Amerikaner besser dran. Erst Elementarschule, dann Highschool und zur Berutsausbildung
die Colleges. Aber auch hier haben nur die Besten anschliessend einen Arbeitsplatz.
Aber es war so und wird sich nie aendern.
Es wird immer arm und reich geben, ehrliche Menschen ohne job und ohne Zukunft.
Frau Schawan, da kann auch die Kirche nicht helfen und von frommen Gedanken wird man nicht satt.
Plancklala (28.04.2010, 21:53 Uhr)
Endlich neue Jobs
Endlich neue Jobs für Studis. Cool. Brauch ich nur noch ein Abitur. Fett. Bin ich schon drin oder was? Ging ja einfach.
johnniedeamonic (28.04.2010, 19:06 Uhr)
....
"Schavan will Bildungslotsen für Hauptschüler"


da ich mittlerweile wie jeder andere auch jeglichen Glauben an die Menschlichkeit und das Interesse unserer Regierung verloren habe gehe ich stark davon aus das diese Maßnahme ein Versuch ist möglichst viele Jugendliche Arbeitslose in irgendwelche dubiosen Zeitverträge zustecken um die Arbeitslosenstatistiken zu schönen
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