Ab nach Amerika

4. März 2011, 15:51 Uhr

Lokalpolitik? Comeback in Berlin? Oder sogar Exportschlager? Momentan hat Guttenberg noch genug mit der Abwicklung der Plagiatsaffäre zu tun, doch für die Zeit danach tun sich neue Möglichkeiten auf. Amerika soll locken - und laut Experten wäre er da am besten aufgehoben. Von Florian Wöhrle

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Cupertino statt Kulmbach? Die Spekulationen über Guttenbergs Zukunft schießen ins Kraut©

Trotz der Plagiatsaffäre muss sich der gefallene Polit-Superstar Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) offenbar keine Sorgen um seine Zukunft machen. Es soll eine Offerte aus den USA geben und die Politik spricht über nichts so intensiv wie über ein mögliches Comeback des frisch zurückgetretenen CSU-Manns.

Wie das Magazin "Focus" berichtet, erwägt er einen Umzug mit seiner Familie in die USA. Dort soll ihm eine Consulting-Firma ein Angebot gemacht haben. Guttenberg wolle aber zunächst auf jeden Fall die Ermittlungen um seine Dissertation abwarten.

Headhunter sehen schwarz in Deutschland

Eine Zukunft im Ausland wäre jedenfalls die beste Alternative für den Freiherrn, wenn man einer Umfrage unter Headhuntern glaubt. Die "Financial Times Deutschland" hatte führende Personalberater nach den Aussichten für Guttenberg befragt. Ergebnis: Für die deutschen Chefetagen gilt er als Härtefall, aber im Ausland wäre er gut zu vermitteln. Ein Headhunter sieht sogar glänzende Aussichten "in den Boards von Microsoft oder Apple". Großraum Seattle oder Cupertino in Kalifornien? Es gibt unattraktivere Wohnworte.

In Deutschland wollen viele Anhänger den ehemaligen Verteidigungsminister allerdings nicht ziehen lassen. So werden für eine Pro-Guttenberg-Demonstation am Samstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin rund 1000 Teilnehmer erwartet. Die Organisatoren hatten zuvor die Aktion "Wir wollen Guttenberg zurück" auf der Internet-Plattform Facebook gestartet.

Kanzlerin hält ihm Tür offen

Auch eine aktuelle Erhebung spricht eher für eine Zukunft des Polit-Stars als Spitzenkraft der deutschen Politik-Bühne. Annähernd drei Viertel der Deutschen wünschen sich laut einer ebenfalls vom "Focus" vorab veröffentlichten Umfrage von TNS Emnid ein Comeback.

Die Kanzlerin weiß um die anhaltende Beliebtheit von "KTG". In einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Angela Merkel: "Die Türen zur Politik sind ihm aus meiner Sicht nicht verschlossen." Sie bleibe dabei, "dass er weiter ein guter Minister hätte sein können".

Beistand bekommt er auch von Martin Walser - der Schriftsteller bekundet Mitleid mit Guttenberg. In einem Gastbeitrag für den "Focus" schreibt Walser, Abschreiben sei zuweilen eine "notgedrungene Überlebenshilfe", er selbst habe im Abitur auch schon versucht, zu spicken. "Ich war an meinem Abiturtag in der Mathematikprüfung dringend auf Abschreibe-Hilfe angewiesen." Ihm sei das Spicken jedoch nicht gelungen, "weil der, der neben mir saß, meine Not nicht teilen konnte oder wollte". Er sei trotzdem durchgekommen.

Bezüge gespendet

Und Guttenberg selbst? Geldprobleme stehen dem Freiherrn und seiner Familie sicherlich nicht ins Haus. Sein März-Ministergehalt, die letzten Abgeordnetenbezüge und das Übergangsgeld spendet er nach Informationen "Bild"-Zeitung jedenfalls den Familien von bei Auslandseinsätzen gefallenen Bundeswehrsoldaten. Dabei geht es um immerhin 30.932 Euro, schreibt das Blatt.

Will Guttenberg etwa schleunigst reinen Tisch machen, bevor er tatsächlich in die USA übersiedelt? Seinen Fans sei gesagt: Vor Freitag kommender Woche wird er sich mit Sicherheit nicht verabschieden. Am Donnerstag soll der zurückgetretene Verteidigungsminister mit höchstem militärischen Zeremoniell dem Privatleben übergeben werden: Die Bundeswehr sagt mit einem Großen Zapfenstreich "Good-Bye".

 
 
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