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29. November 2010, 17:40 Uhr

Politik muss wieder transparenter werden

Wikileaks sorgt für Wirbel im transatlantischen Verhältnis. Es wird debattiert, ob es rechtens ist, die Regierung so vorzuführen. Doch eigentlich geht es um etwas Wichtigeres. Ein Kommentar von Manuela Pfohl

Wikileaks, Geheimdokumente, Enthüllungen, Depeschen, US-Diplomatie, US-Diplomaten, US-Botschaft

Die Website Wikileaks: Die Angst der Regierungen vor Enthüllungen wächst© Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Wikileaks hat es also wieder getan! Die Rechercheure haben ins Netz gestellt, was sie zum allgemeinen Entsetzen der Politik beizutragen haben - und die Politik ist entsetzt. Doch worüber eigentlich? Tatsächlich scheint es am Tag danach, als ob es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe, als die Erkenntnis, dass die US-amerikanische Diplomatie die deutsche Regierung für genauso unfähig hält, wie es ein nicht ganz unerheblicher Teil der Deutschen seit Jahren tut. Ist das, was Wikileaks unter anderem über den "Spiegel" an internen Dokumenten und vertraulichen Vermerken aktuell präsentieren lässt, also wirklich ein Scoop? Nein, das ist es nicht.

Die Bedeutung der erneuten "Enthüllungen" von Wikileaks liegt ganz woanders. Nämlich in der mit jeder neuen Veröffentlichungsankündigung wachsenden Panik von Regierungen, erwischt zu werden. Womit auch immer. Dass die US-Außenministerin Hilary Clinton inzwischen von einer "Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten" spricht, wenn es um Wikileaks geht, macht das ebenso deutlich, wie der ganz offensichtliche Versuch, die Arbeit von Wikileaks in Verruf zu bringen, indem man seinen Gründer Julian Assange diskreditiert.

"Saubere" Kriege sind nur Märchen

Wenn Wikileaks öffentlich macht, was der Öffentlichkeit ganz offensichtlich verheimlicht werden soll, dann ist das ein Korrektiv für das, was die Politik der Gesellschaft allzu gern unterjubeln will: Das Märchen von "sauberen" Kriegen, transparenten Behörden, loyalen politischen Entscheidungen. Dass wir dieses Korrektiv dringend brauchen, haben die bisherigen Veröffentlichungen bewiesen. Sei es beim Thema Irakkrieg oder in Sachen Guantanamo.

Aufklärung, die eigentlich Sache investigativer Journalisten wäre. Nur die haben sich in den vergangenen Jahren nur selten mit Ruhm bekleckert. Statt politische Verlautbarungen und staatliche Entscheidungen zu hinterfragen, haben sie sich oft genug vor den Mühen der Recherche und möglichen Misserfolgen gescheut. Und nicht nur das. Als Wikileaks vor Jahren begann, brisante Dokumente aus aller Herren Länder zu allen möglichen Themen ins Netz zu stellen, wurden die Rechercheure von den professionellen Journalisten gern belächelt und pauschal als unseriös abgetan. Lange Zeit galt es als unfein, sich auf Informationen von Wikileaks zu berufen. Schließlich war der Wahrheitsgehalt der Dokumente auch damals schon umstritten.

Inzwischen hat sich das geändert: Um die Gunst von Wikileaks wird gebuhlt wie um einen exklusiven Informanten; Journalisten profilieren sich nicht mehr selbst als Rechercheure, sondern schmücken sich mit den Federn von Wikileaks; die Politik fürchtet sich mehr vor Wikileaks als vor den "konventionellen" Medien. All das ist zwar traurig, aber das kleinere Übel, wenn man den allgemeinen Nutzen gegenüberstellt: Die Gewissheit, dass die Politik gezwungen wird, wieder durchschaubarer zu werden.

Ein Kommentar von Manuela Pfohl
 
 
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