Das Trauma lebt weiter

1. Dezember 2012, 22:50 Uhr

Der FC Bayern hat in der Meisterschaft zum fünften Mal hintereinander nicht gegen Borussia Dortmund gewinnen können. Das 1:1 war gerecht. Einen Matchwinner gab es trotz des Unentschiedens. Von Klaus Bellstedt

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Torwart Roman Weidenfeller rettete dem BVB mit drei Weltklasseparaden kurz vor Ende einen Punkt in München©

Da stand Dortmunds Keeper nach dem 1:1 im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga gegen Bayern München nun also vor dem Mikrofon des Sky-Reporters und lächelte. Wie er denn das Ergebnis werte, wurde er gefragt. Roman Weidenfellers Statements haben mittlerweile Kultcharakter. "Ja unentschieden halt", sagte er - und grinste sich einen. Die Laune des Borussen-Torwarts war nicht nur wegen des Ausgangs der im Vorfeld zum deutschen "Clasico" hochstilisierten Partie bester Dinge. Er freute sich vor allem über seine eigene Leistung. Weidenfeller erwähnte sie mit keinem Wort. Dabei war er der Remis-Retter des BVB. Mit drei unglaublichen Paraden gegen Toni Kroos, Thomas Müller und Javi Martínez kurz vor Schluss hielt der 32-Jährige diesen einen Punkt für die Schwarz-Gelben fest. Und nur deshalb stand am Endes dieses eisig-kalten Abends in München fest: Für die Bayern reichte es nach vier Liga-Pleiten in Serie und dem verlorenen Pokalfinale 2012 wieder nicht zum ersten Sieg gegen den großen Rivalen aus Westfalen.

Dabei sah es zu Beginn eigentlich ganz gut aus für die Hausherren. Man merkte der Mannschaft von Jupp Heynckes an, dass sie das Dortmund-Trauma möglichst früh überwinden wollte. Die Bayern spielten schnell, direkt und dominant. Nach zehn Minuten war aber bereits Schluss mit der Herrlichkeit. Und das lag am Gegner. Der BVB fand sich im ungewohnten 4-5-1-System immer besser zu Recht, attackierte früh und zerstörte so den Spielaufbau der Hausherren. Schweinsteiger und Co. hatten zwar viel mehr Ballbesitz, ihnen fehlten aber die taktischen Mittel, um die perfekte Dortmunder Organisation zu überwinden. Zeitweilig verschob der deutsche Meister im Mittelfeld so gut, dass die Bayern kaum mehr kontrolliert über die Mittellinie kamen. Es sei denn, Franck Ríbery war mal am Ball. Weil aber auch der Borussia nach vorne nicht viel gelang (wo war eigentlich Marco Reus?), stand es ewig lange 0:0. Neutralisation auf höchstem Niveau, so ließ sich die Partie bis weit in die zweite Hälfte am besten beschreiben. Und in gewisser Weise ja auch bis zum Schluss.

Erst am Ende Oberwasser für die Bayern

Das Match war eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Dass dann aber doch noch zwei Tore fielen, lag an der individuellen Klasse der beiden Schützen. Die Art und Weise wie zunächst Toni Kroos in der 67. Minute die Führung für die Bayern erzielte und Dortmunds Mario Götze nur sieben Minuten jene egalisierte, war beeindruckend. Bei Kroos war es die Finte gegen Subotic und Hummels, bei Götze die perfekte Ballannahme. Dass die beiden ihre Tore auch noch mit dem schwachen linken Fuß erzielten, kam noch obendrauf. "Es war ein wichtiges Tor, aber ich hätte es gerne gegen einen Sieg eingetauscht. Ich glaube, ein Sieg für uns wäre auch verdient gewesen", sagte Kroos hinterher. Darüber konnte man allerdings geteilter Meinung sein.

Roman Weidenfellers Analyse war da schon ein wenig objektiver. "Wir haben heute bewiesen, dass wir mit den Bayern komplett mithalten können." Der Meinung war übrigens auch Jürgen Klopp: "Insgesamt fand ich es gut - von uns und von den Münchnern. Dementsprechend ist das Unentschieden absolut in Ordnung", sagte Dortmunds Trainer, der genau wie Jupp Heynckes ein "intensives Spiel" gesehen hatte. Lediglich ganz am Ende hatte der souveräne Tabellenführer der Bundesliga Oberwasser.

Nicht nur Meister werden

Aber dort schlug dann ja die Stunde des Gäste-Torwarts. Nach dem Spiel war seine Leistung auch bei den Trainern in aller Munde. "In der Schlussphase hat Weidenfeller überragend gehalten. Ich weiß nicht, was der Junge noch machen muss, um mal international zu spielen", bemerkte Bayern-Trainer Jupp Heynckes und spielte damit auf die Ignoranz von Jogi Löw an, der den Dortmunder bei seinen Nationalmannschaftsberufungen fast schon traditionell links liegen lässt. Auch Jürgen Klopp wusste natürlich, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Roman hat für uns das 1:1 festgehalten."

Am Ende war es also eine gerechte Punkteteilung in der Allianz-Arena. Mit dem Ergebnis können beide Teams gut leben. Die Bayern mit dem Blick auf die Tabelle sowieso. Auf Leverkusen hat man nach dem 15. Spieltag jetzt acht Punkte Vorsprung. Der Abstand auf die drittplatzierten Dortmunder, die in München in ihrer Entwicklung schon wieder einen Schritt gemacht haben, beträgt weiter satte elf Punkte. Alles gut also? Eben nicht. Weil die Bayern nicht nur Meister werden wollen, sondern die Borussia auf dem Weg dorthin unbedingt wieder besiegen wollten. Das ist ihnen nicht gelungen. Das Trauma hält also vorerst an.

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