Das Wunder geht weiter

26. September 2012, 00:48 Uhr

Eintracht Frankfurt ist in der Bundesliga die Mannschaft der Stunde. Das mitreißende 3:3 gegen Meister Dortmund hat bewiesen: Das Team hat Klasse - und erinnert in mancher Hinsicht an den BVB. Von Klaus Bellstedt

Dortmund, Bayern, FCB, Robben, Schweinsteiger, Müller, Schalke, Eintracht, Kehl, Fortuna, Düsseldorf, Inui, Veh, Rode

Einer der großen Stützen der Eintracht: Abräumer Sebastian Rode©

Das höchste Lob gab es schließlich vom Meistermacher persönlich: "Vom Umschaltspiel ist das das Beste, was ich je von einer Frankfurter Mannschaft gesehen habe. Das ist richtige Qualität", urteilte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem nervenaufreibenden 3:3, dem bisher besten Spiel der noch jungen Bundesliga-Saison, zwischen dem BVB und Eintracht Frankfurt zum Auftakt des 5. Spieltags.

Es kommt selten vor, dass Klopp mal einen Gegner lobt. Schon gar nicht, wenn seine Mannschaft verliert. Die Borussia hatten zwar nicht verloren, aber gefühlt war das packende 3:3-Unentschieden doch eine Niederlage. Schließlich gab der erneut defensivschwache deutsche Meister gleich zweimal eine Führung aus der Hand. Wohl gemerkt: gegen einen Aufsteiger. Man muss sich das immer wieder vor Augen führen. Auch wenn es schwerfällt. Denn wer Eintracht Frankfurt derzeit beim Fußballspielen zusehen darf, der sieht keine mauernde Holzfällertruppe, sondern Spektakel pur. Sozusagen Künstler bei der Arbeit.

Mit vier Siegen und einem Unentschieden sind die Hessen in die neue Saison gestartet. So gut war in 50 Jahren Bundesliga noch kein Aufsteiger. Und die Art und Weise wie die Mannschaft von Trainer Armin Veh derzeit auftritt, macht Lust auf mehr. Nur die Bayern kicken momentan noch schöner. Frankfurt hat als Tabellenzweiter jetzt vier Zähler mehr als Dortmund auf dem Konto, die Mannschaft liegt drei Punkte vor Schalke. Das ist eigentlich ein Fußballwunder. Und doch gibt es Erklärungen für den Höhenflug der Eintracht.

Inui erinnert an Kagawa

An erster Stelle ist der Trainer zu nennen. Armin Veh hat mit der Mannschaft nach dem brutalen Abstieg 2011 ein Jahr in der 2. Bundesliga gearbeitet. Dabei hat er auch die Konkurrenz genau beobachtet. Nach dem Aufstieg kamen Inui aus Bochum, Occean aus Fürth, Zambrano vom FC St. Pauli und Aigner von den Löwen aus München. Die Neuzugänge schlugen ein. Veh hat sie alle - das ist das Bemerkenswerte - besser gemacht. Armin Veh ist ein besonnener Mann. Er ist ein pragmatischer Coach ("Wenn’s einmal läuft, dann läuft's"), der viel Wert auf technisch anspruchsvollen Fußball legt. "Diese Elf wirkt zeitlos schön", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" noch vor wenigen Tagen. Veh hat dieses Team gestaltet.

Eintracht Frankfurt ist auch eine Mannschaft, die als Kollektiv hervorragend funktioniert. Alle zehn Feldspieler arbeiteten beim 3:3 gemeinsam gegen den Ball und schlugen Dortmund beinahe mit den eigenen Waffen. Das Pressing erinnerte jedenfalls stark an den BVB aus den vergangenen beiden Spielzeiten - genauso wie der kleine Japaner Takashi Inui in seiner Spielweise Erinnerungen an den Ex-Dortmunder Shinji Kagawa weckt. Inui hat jetzt schon drei Torvorlagen und drei Treffer in dieser Saison erzielt. Ballannahme und Weiterverarbeitung sind beim Japaner jetzt schon Extraklasse, seine Sololäufe einfach nur hinreißend. Nicht nur gegen Dortmund.

Frankfurt bleibt bescheiden

Ein weiteres Gesicht des Frankfurter Erfolgs ist Sebastian Rode. Der U-21-Nationalspieler ist unter Veh vom Talent zu einem prägenden Bundesliga-Profi gereift. Der Mittelfeldabräumer ist, gemeinsam mit Inui, so etwas wie der der Star der Eintracht und aus dem schnellen Spiel des Bundesliga-Rückkehrers nicht mehr wegzudenken. Rode glänzt nicht nur durch seine intensive Zweikampfführung, sondern auch mit viel Spielverständnis und Offensivdrang. Die Konkurrenz ist längst hellhörig geworden. Deshalb will man so schnell wie möglich den bis 2014 gültigen Vertrag mit dem Juwel verlängern. Aber die Gespräche stocken gerade.

Rode will international spielen, "am liebsten Champions League". Das wird ihm die Eintracht nicht bieten können. Das ist auch gar nicht der Anspruch der Frankfurter, die bei aller Euphorie genau wissen, wie sie die Erfolge einzuordnen haben. "Wir genießen, was gerade passiert, wissen aber genau, wo wir hingehören und welchen Zweck die Punkte haben", sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Und dennoch: Im Moment scheint die Mannschaft zu allem fähig. Jürgen Klopp und seine Dortmunder können davon jetzt auch ein Lied singen.

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