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3. September 2010, 22:12 Uhr

Ein großes Tor, der Rest war Schweigen

Eine Erkenntnis brachte der Abend: Klose trifft weiter. Sonst wurde ein mühsamer Arbeitssieg eingefahren. Und Ballack? Es fiel nicht weiter auf, dass der Kapitän a. D. in Brüssel gefehlt hat. Von Patrick Strasser

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Immer wenn er das Nationalmannschaftstrikot aberstreift, blüht er auf: Siegtorschütze Miroslav Klose© Roland Weihrauch/DPA

Gerade war der Gegner besiegt, brauchten sie schon andere. Und dafür stellten Kontrahenten aus den eigenen Reihen eine ernst zu nehmende Herausforderung dar.

Es war nicht einmal ganz eine Stunde vergangen nach dem 1:0 der deutschen Nationalelf zum Auftakt der EM-Qualifikation in Belgien, da ging es im DFB-Mannschaftsbus eine halbe Stunde vor Mitternacht ordentlich zur Sache. Jeder gegen jeden, an einem Tisch. Ein Duell auf höchstem Niveau. Beim Kartenspielen traten gegeneinander an: Philipp Lahm, Thomas Müller, Heiko Westermann und Stefan Kießling.

Längst war die Welt in Ordnung für die deutschen Nationalspieler. Der Bus hatte direkt am Ausgang der Kabine vor der "Tribune rouge" geparkt. Wer schon drin war und auf den Rest wartete, vertrieb sich die Zeit ein wenig.

Es war eben der klassische Arbeitssieg, wie aus so vielen Spielermünden zu hören, dieses 1:0 im Stade "Roi Baudouin" von Brüssel. Und nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen, in dem Fall ein zwangloses Spielchen.

Ein Geistesblitz

Auf dem Platz hatte der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zuvor ein Geistesblitz genügt, ermöglichst durch eine Unachtsamkeit des Gegners. Es war ausgerechnet Daniel van Buyten, der Belgier unter all den Bayern-Profis auf dem Platz, der ungewollt einen Teilassist leistete zum Tor des Abends von Miroslav Klose, blitzschnell und ebenso gescheit in Szene gesetzt von Vereinskollege Thomas Müller. Ein Treffer, der in seiner Schnelligkeit, Geradlinigkeit und Konsequenz an die großen Momente der WM in Südafrika erinnert. Spielkunst mit Leichtigkeit - es war eine der seltenen Szenen, die das gute Gefühl des Sommers zurückbrachten. Der Rest war Schweigen. Ein Schweigen der Kunst. "Es war ein schweres Stück Arbeit. Wir sind froh, dass wir hier gewonnen haben", drückte Bastian Schweinsteiger die Erleichterung über das mühevolle 1:0 aus gegen einen Gegner, der in der Fifa-Weltrangliste hinter Gabun und Burkina Faso auf dem 48. Platz steht.

Für den WM-Dritten Deutschland stand diesmal die Arbeit im Vordergrund. Als solcher war das erste Pflichtspiel nach der WM intern auch ausgerufen worden, man müsse sich in das Spiel "hineinquälen", hatte Assistenztrainer Hans Flick zuvor gesagt. So kam es dann auch mit der Ausnahme des künstlerisch wertvollen Lichtblicks in der 51. Minute. Kloses Tor war bereits sein 53. Treffer im 102. Länderspiel - er schreibt seine Geschichte weiter, die EM 2012 ist ein ganz spezielles Ziel für ihn, wurde er doch im Co-Ausrichterland Polen geboren.

Klose trifft weiter - eine der Erkenntnisse des Abends. Nummer zwei: Thomas Müller ist auch dann an der entscheidenden Szene des Abends beteiligt, wenn er nicht seinen besten Tag hat. Und drittens: Auf die neue Nummer eins, Manuel Neuer, ist Verlass. Für den Rest der mit elf WM-Fahrern aufgestellten Mannschaft, in der Holger Badstuber den Vorzug vor Heiko Westermann in der Innenverteidigung bekam, gilt das, was man man prognostiziert und sich beinahe folgenschwer eingeredet hatte. Man sei noch nicht so weit, die WM-Teilnehmer erst etwas mehr als einen Monat nach ihrem Urlaub noch nicht bei ihrer vollen Leistungsstärke was man vor allem den beiden Neuzugängen von Real Madrid, Mesut Özil und Sami Khedira anmerkte, die nie so recht ihren Rhythmus fanden. Auch die zweite sorgenvolle Annahme sollte sich zum Teil bewahrheiten: "Große Mannschaften haben sich nach guten Turnieren in ihrem ersten Wettkampfspiel oft schwer getan", hatte Löw vorausgesagt.

Sieg bleibt Sieg

Also galt es, einen Betriebsunfall zu vermeiden gegen ein Land, das alljährlich mehr neue Biersorten als Talente herauszubringen scheint. "Man hat phasenweise schon gespürt, dass die Spieler erst vier Wochen wieder im Training sind", analysierte Löw, "wir haben ein bisschen gebraucht, um in Schwung zu kommen, aber in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel gut im Griff gehabt." Der Körper war die eine Seite, der Geist die andere: "Der Sieg war wichtig, die Mannschaft hat guten Spirit bewiesen", so Löw. "Wir haben die Tücken des ersten Qualifikationsspiels gut überstanden", fasste Abwehrchef Per Mertesacker die Lage zusammen. Kapitän Lahm sprach: "Jeder Anfang ist schwer, da war es wichtig, dass wir direkt auswärts drei Punkte geholt haben. Wir wissen, dass wir noch 13 Monate vor uns haben, bis wir uns qualifizieren können. Das wird ein weiter und harter Weg." Na ja, erstmal eher kurz und einfach. Samstagnachmittag per Superkurzstreckenflug von Brüssel nach Köln, am Dienstag (20.45 Uhr, ARD live) steht dort das zweite Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan, trainiert von Berti Vogts, auf dem Programm. Dürfte eine leichte Übung werden. Löw meinte noch: "Jetzt freuen wir uns, dass wir mal wieder zu Hause spielen können."

Ach ja, und auch dann erneut wieder ohne Michael Ballack. Es fiel nicht weiter auf, dass der Kapitän a. D. in Brüssel gefehlt hat. Der Mann hat einfach keine guten Karten derzeit.

Von Patrick Strasser
 
 
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