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Das sind Deutschlands beste Gründer

Wer hat die besten Ideen? Und wer hat den Mumm, sie umzusetzen? Wer gründet heute die Firmen, die morgen Jobs schaffen? Am Dienstagabend sind in Berlin die Sieger des Deutschen Gründerpreises 2009 bekannt gegeben worden. Hier können Sie lesen, wie es diese Pioniere geschafft haben, ihre Firmen voranzubringen.

Von Jan Boris Wintzenburg

Die Deutschen tun sich schwer mit dem Gründen von Unternehmen: Beim aktuellen Global Entrepreneurship Monitor belegt die Bundesrepublik unter 43 Staaten einen der hintersten Plätze. Gerade zwei Millionen Menschen oder rund 3,8 Prozent der Bevölkerung haben sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren aktiv mit der Gründung einer Firma befasst. Nur in Belgien und in Russland war der Anteil noch geringer.

In durchaus vergleichbaren Ländern wie Finnland oder Spanien dagegen ist die Quote doppelt, in den USA gar dreimal so hoch. Und weil jene Konzerne, die morgen Arbeitsplätze schaffen und den Lebensstandard sichern, heute gegründet werden müssen, vergibt der stern zusammen mit den Sparkassen, Porsche und dem ZDF jedes Jahr den Deutschen Gründerpreis. Die Ehrung der besten Gründer soll möglichst viele Menschen ermutigen, es den Ausgezeichneten gleich zu tun. Am Dienstagabend sind in Berlin die Preise in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verliehen worden.

Die Preisträger 2009

Bei den ganz jungen Firmen der Kategorie StartUp (bis drei Jahre) konnte sich die True Fruits GmbH aus Bonn durchsetzen. Die drei Gründer Inga Koster, Marco Knauf und Nicolas Lecloux kennen sich bereits seit dem Studium und brachten die Idee, Smoothies (Getränke aus pürierten Früchten) zu produzieren, von einem Auslandssemester in Schottland mit. Vor drei Jahren waren sie damit die Pioniere auf dem deutschen Markt und sind inzwischen einer der Marktführer. Außerdem nominiert in dieser Kategorie: Der Online-Kletterausrüstungs-Versand Bergfreunde.de aus Kirchentellinsfurt bei Stuttgart und die Firma Gear-Tec aus Eggebeck, die sich auf die Reparatur von Getrieben in Windkraftanlagen spezialisiert hat.

In der Kategorie Aufsteiger (bis sieben Jahre) setzte sich die Nanion Technologies GmbH aus München durch. Ihr Gründer Niels Fertig hat eine Idee aus dem Studium konsequent weiter entwickelt und sich damit selbstständig gemacht. Seine Geräte analysieren vollautomatisch die Wirkung von Arzneimitteln in Zellkanälen und werden in der Forschung und bei Pharmakonzernen weltweit eingesetzt. Sie ermöglichen es zum Beispiel, schneller und günstiger nach gefährlichen Nebenwirkungen neuer Medikamente zu suchen. Außerdem nominiert in dieser Kategorie: Der Anlagenbauer Purplan aus Wallenhorst bei Osnabrück, der Anlagen zur Polyurethanherstellung fertigt und die Cotesa GmbH aus Mittweida in Sachsen, die Flugzeugteile aus hochwertigsten Faserverbundwerstoffen herstellt.

Der Erfinder-Unternehmer

Für sein Lebenswerk wurde der 89-Jährige Artur Fischer ausgezeichnet. Der Schwabe aus dem Schwarzwalddorf Tumlingen, in dem sein Unternehmen noch heute seinen Stammsitz hat, ist einer der produktivsten Erfinder des Landes: Über 1100 Patente hat Fischer angesammelt. Sein wichtigstes: Der moderne Dübel. Als Artur Fischer im Herbst 1958 auf die Idee kam, wie man Dinge zuverlässig befestigen kann, bestanden die Dübel-Vorläufer noch aus einer Messinghülse, die mit Hanf gefüllt war. Er tüftelte rum und nahm schließlich das damals noch relativ neue und teure Polyamid, presste es zu Röhrchen, ritzte sie ein und verpasste ihnen zum besseren Halt in Wänden und Decken Haifisch-Zähne.

Aber auch Kinderspielzeug (Fischer-Technik), Blitzlicht-Würfel (erfunden 1949, vermarktet mit Agfa) und gar eine Eierköpf-Maschine (die allerdings nicht richtig funktionierte und sich bekannter Maßen nicht durchsetzte) entsprangen seinem vor Ideen sprühenden Geist. Noch heute zieht sich Fischer regelmäßig in seine Erfinderwerkstatt zurück. Die Zeit dazu hat er, seit sein Sohn Klaus, 58, die Geschäfte der Fischerwerke mit ihren 3800 Mitarbeitern auf allen fünf Kontinenten führt.

Auf Tee gesetzt

Der Sonderpreis geht in diesem Jahr an Professor Günter Faltin von der Freien Universität Berlin. Der Wirtschaftswissenschaftler, der eine Professur für Entrepreneurship hat, gründete 1985 die Projektwerkstatt GmbH, um seinen Studenten auch in der Praxis zeigen zu können, worauf es bei der Firmengründung ankommt. Das erste Projekt wurde die Teekampagne, die inzwischen zum weltgrößten Importeur von hochwertigem Darjeeling-Tee aus Indien geworden ist.

Die Beobachtung, die der Teekampagne zu Grunde liegt, ist denkbar einfach: Tee ist in Indien billig, im Supermarkt in Deutschland aber teuer. Wenn man alle Zwischenhändler ausschaltet muss sich doch daraus ein gutes Geschäft entwickeln lassen. Faltin konzentrierte sich auf nur eine, sehr hochwertige Teesorte, die er ausschließlich in Kilo-Paketen direkt an Endkunden verschickt. Daraus wurde der größte Teeversandhandel Deutschlands, der noch heute nach diesen simplen Prinzipien funktioniert.

Inzwischen hat Faltin noch ein Dutzend ähnlicher Projekte angeschoben, die alle Teil der Studentenausbildung sind. Die Gewinne aus den Firmen fließen in seine Stiftung Entrepreneurship, mit der das Gründergeschehen in der Bundesrepublik weiter angekurbelt werden soll. Und dass das nötig ist, zeigen ja die noch immer viel zu niedrigen Gründerzahlen in Deutschland.

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