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Diese Skandale ruinieren Nestlé das Image

Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé steht regelmäßig am Pranger. Verunreinigtes Babymilchpulver, das gierige Geschäft mit Wasser oder umweltschädliche Nespresso-Kapseln rufen Kritiker auf den Plan. Ein Überblick über die Skandale der jüngsten Vergangenheit. 

  Nestlé kämpft seit Jahren mit negativen Schlagzeilen.

Nestlé kämpft seit Jahren mit negativen Schlagzeilen.

Mit dem Hashtag #FragNestlé sorgte Nestlé erst in der vergangenen Woche für Spott. Statt netter Fragen von Twitter-Usern, hagelte es Kritik. Eigentlich wollte der Schweizer Lebensmittelkonzern durch diese Aktion mit Transparenz punkten - auch weil die ARD quasi zeitgleich den Nestlé-Markencheck ausstrahlte. Dort bekam das Unternehmen ordentlich Gegenwind: Nestlé-Produkte waren im Einkauf teuer, aber nicht besser als Waren der übliche Supermarkt-Marken.

Doch ein solcher Shitstorm ist im Vergleich mit den jüngsten Skandalen der Firmengeschichte zu vernachlässigen, denn Nestlé musste sich in den vergangenen Jahren mit ganz anderen Kalibern beschäftigen.

Regelmäßig rufen auf Twitter oder Facebook auch User zum Nestlé-Boykott auf. Doch ganz einfach ist das nicht: Der weltgrößte Konzern vereint viele gängige Lebensmittelmarken unter seinem Dach. 

1. Blei-haltige Maggi-Nudeln

Im Juni 2015 stellten Lebensmittelkontrolleure in Indien fest, dass die Fertignudeln der Nestlé-Tochter Maggi bedenklich hohe Blei-Konzentrationen aufwiesen. Teilweise sei das Siebenfache der zulässigen Höchstmenge gefunden worden, berichtet das US-Magazin "Time". Daraufhin stoppte Nestlé den Verkauf in Indien. Die Maggi-Fertignudeln waren in Indien an nahezu jeder Straßenecke zu haben und unter anderem bei Schulkindern beliebt.

2. Milchpulver-Skandal in zwei Teilen

Bereits in den 70er und 80er Jahren gab es den ersten  Skandal um Milchpulver aus dem Hause Nestlé. Damals wurden in Entwicklungsländern von Nestlé-Mitarbeiterinnen Milchpulver an Mütter verteilt. Kritiker warfen schon damals dem Konzern vor, unverantwortlich zu handeln, da zur Zubereitung der Milch verunreinigtes Wasser genutzt wurde und viele Kinder starben. Außerdem seien die Mütter nur unzureichend über die Vor- und Nachteile von künstlich hergestellter Milch aufgeklärt worden. 

Im September 2008 folgte der nächste Skandal um die Babynahrung. In China hatte ein Tochterunternehmen verunreinigtes Milchpulver auf den Markt gebracht. Ursache dafür könnte Kunststoff in der Verpackung sein. Die Industriechemikalie Melamin führt zu schweren Nierenerkrankungen. Damals waren rund 300.000 Kinder in Krankenhäusern behandelt worden, sechs starben

3. Die Nespresso-Müllberge

So praktisch auch Kapselkaffee sein mag - diese Zubereitungsart verursacht Müllberge und steht daher regelmäßig in der Kritik. Schätzungsweise rund acht Milliarden Kapseln wurden 2013 von Kaffee-Tochter Nespresso verbraucht. Jede vierte Kapsel in Deutschland stammt von Nestlé.

Der Markt für Kapselkaffee wächst rasant, auch Discounter und andere Konzerne mischen auf dem Markt mit. Doch mit dem Boom wachsen auch die Müllberge. Laut dem Öko-Institut Freiburg seien die Alu-Kapseln von Nespresso einfacher zu recyceln als die der Konkurrenten, die Plastik-Kapseln mit Alu-Deckel kombinieren. Nespresso setzt auch schon seit Jahren auf Recycling, hat Programme dazu aufgesetzt und informiert über Wiederverwendbarkeit von Aluminium auf der Webseite. Das Ziel: Mindestens 75 Prozent des Aluminiums recyceln. Experten schätzen, dass bislang über den Gelben Punkt höchstens die Hälfte der Kapseln wiederverwertet werden

4. Das Geschäft mit dem Trinkwasser

Den größte Image-Crash verursachte der Firmenlenker  selbst. In einem Interview hatte Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe davon gesprochen, dass Wasser eben kein öffentliches Gut und der Zugang zu Wasser eben kein Menschenrecht sei, sondern Wasser einen Marktwert habe. Die Äußerung sorgte weltweit für Empörung, denn Nestlé verdient sehr gut an dem Geschäft mit dem Wasser - die Schweizer sind Marktführer für in Flaschen abgefülltes Trinkwasser. Um in dem Segment zu wachsen, hat Nestlé weltweit Wasserrechte (auch in sehr trockenen Regionen) gekauft und steht dafür am Pranger. Der Dokumentarfilm "Bottled life" beleuchtet die Geschäftspraktiken des Unternehmens. Nestlé hat auf die Aussage von Brabeck-Letmathe reagiert: Der Verwaltungsratspräsident sei schon immer der Meinung gewesen, dass jeder Mensch weltweit freien Zugang zu Trinkwasser und Sanitärversorgung haben sollte. 

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