Auto-Welt Fliegender Holländer


Dass Niederländer mehr können, als mit Wohnwagen europäische Autobahnen zu verstopfen, ist weitläufig anerkannt. Seit knapp zwei Jahren kommen nun auch Luxus-Flitzer aus Holland.

Dass Niederländer mehr können, als mit Wohnwagen europäische Autobahnen zu verstopfen, ist weitläufig anerkannt. Trotzdem zählten die Flachländer in jüngsten Vergangenheit nicht gerade zu den begnadeten Autobauern. Seit knapp zwei Jahren gibt es aber wieder Hoffnung, am niederländischen Autohimmel.

Lange Tradition

Spyker heißt die Marke, die auf der British International Motorshow 2000 ihre Wiedergeburt erlebte. Was wie einer dieser nichts sagenden Kunstnamen klingt, war mal einer der ältesten Autobauer der Welt. Schon 1898 bekamen Jakobus und Hendrik Spijker den Auftrag, eine Staatskarosse für den niederländischen Königshof zu bauen. Es stand die Krönung von Königin Wilhelmina an, und die wollte sich gerne in einem Automobil chauffieren lassen. Die Staatskarosse ist auch heute noch bei wichtigen Anlässen im Einsatz.

Motoren aus Deutschland

Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs standen die Gebrüder Spyker vor allem für technisch innovative und exklusive Autos. Schon 1903 flitze ein Spyker mit Allradantrieb über die noch holprigen Straßen, 1913 dann auch mit elektrischer Beleuchtung. Die schon für damalige Zeiten überragenden Motoren kamen übrigens aus Deutschland: Spyker war Maybach-Kunde. Erst der Kriegsausbruch beendete die Karriere des jungen Unternehmens. Teure Automobile waren nicht mehr zu verkaufen.

Zwei Modelle

Zwei Geschäftsleute setzten der 76 Jahre währenden Abstinenz der Marke mit dem Propeller im Logo vor zwei Jahren ein Ende. Spyker ist gleich mit zwei Modellen im Konzert der schnellen, flachen, handgefertigten Traumautos vertreten. Neben dem C8 Coupé, bei Spyker heißt es Laviolette, wartet noch ein bildhübscher Spider auf Kundschaft. Die zeigte sich begeistert, denn bevor überhaupt ein Auto die Produktionshalle in Zeewolde verlassen hatte, lagen bereits 35 Vorbestellungen vor. Der Clou: Jeder Spyker-Käufer bekommt ein persönliches Passwort und kann der Webcam bei der Produktion seines Wägelchen zuschauen.

V8 im Heck

Befeuert werden die Spykers von einem kräftigen V8-Motor, der Audi-Fahrern aus dem S8 ein Begriff sein sollte. Das Triebwerk hat mit den nur knapp über eine Tonne schweren Flitzern natürlich wenig Mühe. Die Höchstgeschwindigkeit wird werksseitig mit rund 300 Stundenkilometern angegeben. 150.000 Euro sollte man jedoch schon übrig haben, um in den Genuss der Geschwindigkeit zu kommen.

Spyker C8 Double 12 S

Motor

V8-Mittelmotor

Hubraum

4 Liter

Leistung

620 PS / 455 kW

Länge/Breite/Höhe

4.585/1.920/1.255 Millimeter

Leergewicht

1.215 Kilogramm

0-100 km/h

unter 4 Sekunden

Topspeed

345 km/h

Preis

ab 350.000 Euro

Rennpremiere

Auf der IAA in Frankfurt dann, der dritte Spyker: C8 DOUBLE 12. Während die beiden »normalen« Spykers, C8 Laviolette und C8 Spyder, bei Leibe keine Supersportler sind, ist der DOUBLE 12 ein echtes Tier auf vier Rädern. Im Heck das Sportlers wummert ein Vier-Lieter-V8-Triebwerk, das auf 480 PS gedrosselt ist. Was das Kraftwerk mit dem knapp über 1000 Kilo schweren DOUBLE 12 anstellen würde, wenn man den möglichen 620 PS freie Fahrt lassen würde, mag man sich gar nicht vorstellen. Auch so braucht das gute Stück weniger als vier Sekunden, um auf 100 Stundenkilometer zu beschleunigen. Der Preis? Den teilt Spyker nur auf Anfrage mit.

Ganz klar, dass man so einen Boliden nicht nur für den Abstecher zum Bäcker zusammennietet. Seine Rennsport-Taufe bekam der DOUBLE 12 beim 12-Stunden-Rennen von Sebring. Sehr weit kam das gute Stück jedoch nicht. Schon nach etwas mehr als vier Stunden viel der Spyker einen technischen Defekt zum Opfer.

Nicht schlecht, was die Nachbarn da auf vier Räder stellen. Fragt sich nur, ob es den Spyker auch mit Anhängerkupplung gibt ...

Jochen Knecht


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