Daihatsu Copen Auffällige Kleinigkeit


Der japanische Winzling Daihatsu Copen wird in Deutschland ein Exot bleiben. Aber wenn er mal auftaucht, werden sich alle nach ihm umdrehen

Der japanische Winzling Daihatsu Copen wird in Deutschland ein Exot bleiben. Aber wenn er mal auftaucht, werden sich alle nach ihm umdrehen

Die Passanten stutzen beim Anblick des Daihatsu Copen. "Ist der zu heiß gebadet worden?", fragen sie den Fahrer gerne, wenn der gerade aussteigt. Im Vollwaschgang war er nicht, doch klein ist der Flitzer schon. Sogar klitzeklein. Er dürfte, von Selbstbaukisten mal abgesehen, bei 3,40 Meter Länge sogar der kleinste Serien-Roadster der Welt sein. Seinen Namen bezieht er aus der Verschmelzung von "compact" und "open".

Ralf Cremer, Pressechef von Daihatsu Deutschland, sieht den Oben-ohne-Bonsai so: "Unsere gesamte Modellpalette ist durch und durch vernünftig. Da tut so ein bunter Tupfer wie der Copen dem Image gut." Im Mutterland Japan ist der Winzling bereits ein Erfolg. Die Entscheidung, ihn nach Europa zu bringen, muss bei Daihatsu Hals über Kopf gefallen sein. Denn es blieb noch nicht einmal Zeit, den Arbeitsplatz des Fahrers von rechts nach links zu verpflanzen. Weil sich das in Zukunft auch nicht ändern soll, strickt Cremer aus diesem Anderssein flugs eine Tugend: "Das könnte dem Copen im links gelenkten Deutschland zu einem Kultstatus verhelfen." Ob die Rechtslenkung für den neuen Lütten ein Manko ist, klärt der stern-Fahrbericht.

GLANZ & GLORIA:

putzig. Der Copen erinnert mit seinen rundlichen Formen, den verchromten Sturzbügeln, den verhältnismäßig großen Rädern und den extrem kurzen Überhängen vorne und hinten stark an einen eingelaufenen Audi TT. Der Kleine ist ein Blickfang, der den Beschützerinstinkt weckt.

GAS & SPASS: prima. Jedes einzelne der nur 68 Pferdestärken aus dem winzigen Motörchen geht entschlossen zur Sache und verhilft dem Copen dank Turbolader zu flotter Gangart - sofern viel geschaltet wird. Besonders kurvenreiche Landstraßen mag er mit seiner direkten Lenkung sehr. Gokart-mäßig fährt sich der Copen nicht zuletzt auch wegen seiner nur 830 Kilo, die dank Alu-Motorhaube, -Dach und -Kofferraumklappe erzielt wurden. Die Routine, mit links das Fünfganggetriebe bedienen zu müssen, ist ebenso Sache von wenigen Minuten wie die Gewöhnung an die Rechtslenkung. Allerdings zwingt sie beim Überholen zu besonderer Vorsicht. Rotzfrech sein kerniger Sound aus dem dicken Doppelrohr-Auspuff. Das Verdeck öffnet oder schließt sich elektrisch innerhalb von 20 Sekunden, die Insassen sollten aber möglichst nicht viel größer als 1,80 Meter sein, sonst könnten sie im geschlossenen Copen unliebsame Bekanntschaft mit dem Dach machen.

DRUM & DRAN:

komplett. Wie es sich für japanische Autos gehört, besitzt der Copen serienmäßig all das, was ein Auto heutzutage so braucht. Unter anderem zwei Airbags, Klimaanlage, ABS und Zentralverriegelung. Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP hingegen fehlt. Serienmäßig gibt es schwarze Stoffsitze, gegen Aufpreis auch Leder. Leider nimmt das zusammengefaltete Aluminiumdach im Kofferraum so viel Platz weg, dass der verbleibende Raum gerade noch für Handtuch und Badesachen reicht. Wer mit dem Copen offen in Urlaub fahren will, muss sein Gepäck vorausschicken.

GELD & WERT:

gesalzen. 17 200 Euro ist ein happiger Einstiegspreis. Damit kostet er deutlich mehr als der Smart Roadster (14 990 Euro) und liegt auch noch über dem Ford Streetka (16 990 Euro). Trost: Erfahrungsgemäß verlieren Roadster als Fanartikel nicht so schnell an Wert und lassen sich gebraucht gut verkaufen.

FAZIT:

Der Copen, den Daihatsu selbst das "Bonbon unter den Roadstern" nennt, hat durchaus das Zeug zum Kultauto, wenngleich er nur etwas für junge Singles ist mit Hang zum Szene-Flanieren.

Hans-Robert Richarz


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