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Praxistest: Opel Agila 1.2 Automatik: Der Agilomat

Wendig, praktisch, sparsam: Der Opel Agila fühlt sich in verstopften Innenstädten pudelwohl. Mit Automatikgetriebe wird aus dem kleinen Rüsselsheimer eine vielseitige Einkaufstasche für Schaltmuffel.

Einsteigen – sofort zurechtfinden – losfahren: Das macht einen guten City-Flitzer aus. Das Cockpit des Opel Agila ist nicht so frisch und frech wie bei Ford Fiesta, Fiat 500 & Co. - aber es erfüllt seinen Zweck. Die Instrumente sind gut ablesbar, die Sitze auch auf längeren Strecken bequem. Große Becherhalter, ein ordentliches Handschuhfach und weitere Ablagen wie das Klappfach oben auf dem Armaturenbrett stehen für die Dinge des täglichen Autofahrerlebens bereit. Die Verarbeitung wirkt grundsolide. Vier Erwachsenen bietet der Agila problemlos Platz. Die vorderen Fensterheber sind elektrisch, hinten wird gekurbelt.

Der Kofferraum ist mit 225 Litern in dieser Fahrzeugklasse ganz ordentlich (zum Vergleich: Daihatsu Sirion 225 Liter, Chevrolet Aveo 220 Liter, Kia Picanto 127 Liter). Bei umgelegten Rücksitzen schiebt sich automatisch eine Brücke über den Spalt, so dass man auf dem fast ebenen Ladeboden selbst sperrige Gegenstände relativ gut unterbringen kann. Maximal schluckt Opels Mini 1050 Liter bis unters Dach.

Besonders praktisch ist der doppelte Laderaumboden. Unter der Abdeckung wartet eine Kunststoffwanne, in der man zum Beispiel nach dem Sonntagsausflug verschmutzte Schuhe verstauen kann. Danach nimmt man die Wanne einfach heraus und macht sie mit dem Gartenschlauch sauber.

Platz ist in der kleinsten Lücke

Die große Stunde des kleinen Rüsselsheimers schlägt beim Einparken. Zwar kann man die Haube nicht gut einsehen. Aber sie ist so kurz, dass es beim Rangieren nicht stört. Die Rundumsicht ist gut und der Wendekreis klein, so dass man den Agila in jede Lücke quetschen kann.

Das Fahrverhalten insgesamt ist so, wie man es in dieser Klasser erwarten darf – der Agila lässt sich spielend um jede Kurve dirigieren und ist weder zu hart noch zu schwammig gefedert. Abgesehen von kurzen Querfugen, die er leicht hoppelnd quittiert, gibt der Opel bei jeder Straßenbeschaffenheit eine gute Figur ab. Schnelle Kurven hat er nicht besonders gern, doch in dieser Fahrzeugklasse ist man in Sachen frühes Untersteuern Schlimmeres gewohnt.

Basismotor des Agila ist ein Einliter-Dreizylinder mit 48 kW/65 PS. Das Automatikgetriebe gibt es nur in Verbindung mit dem stärkeren 1,2-Liter-Vierzylindermotor (63 kW/86 PS). Für den Spurt von 0 auf 100 km/h braucht der Agilomat fast 15 Sekunden. Doch im City-Tempo bis 60 km/h ist man flott genug unterwegs.

Die 4-Stufen-Automatik schaltet fast immer ruckfrei und am passenden Punkt, so dass man Nerven schonend durch die Stadt gleitet. Für Bergabfahrten schaltet man in die Stufe Zwei, um die Motorbremse zu nutzen. Wenn es steil bergab geht – etwa bei spiralförmigen Parkhausabfahrten – bewährt sich die Stufe L.

Auf Autobahn und Landstraße sollte man etwas bessere Nerven mitbringen, denn mangels Hubraum dreht der Motor sehr hoch, bevor die Automatik die nächste Stufe erlaubt. Um einen Schaltvorgang zu erzwingen, muss man meistens aber nur kurz den Fuß vom Gas nehmen. Da sich die Windgeräusche in Grenzen halten, kann man es auch auf längeren Autobahnpassagen zwischen 100 und 160 km/h ganz gut im Agila aushalten.

Bedingt Autobahn-tauglich

Allerdings schluckte unser Testwagen außerorts rund drei Liter mehr als die vom Hersteller angegebenen 4,9 Liter pro 100 Kilometer. Im Stadtverkehr gab es an der Tankstelle dafür eine positive Überraschung: Mit 7,4 Litern auf 100 Kilometer genehmigte sich der Agila sogar etwas weniger als die vom Hersteller angegebenen 7,8 Liter.

Wer auf den Komfortgewinn der Automatik verzichten kann – und das tun bei Kleinwagen die meisten Kunden – ist trotzdem mit dem Handschalter günstiger unterwegs. Der Dreizylinder genehmigt sich in der Stadt durchschnittlich 5,9 Liter, der 1,2-Liter Vierzylinder 6,9 Liter (Werksangaben). Das sparsamste Modell ist der 1,3-Liter Diesel (Stadtverbrauch 5,5 Liter).

Die Preise des Agila starten bei 9.990 Euro (1.0, 65 PS). Die Automatikversion gibt es nur in Verbindung mit der Edition-Ausstattung, womit der Preis auf stolze 14.970 Euro klettert – für rund 2000 Euro mehr gibt es schon einen Golf. Immerhin ist der Agila Edition gut bestückt, bringt unter anderem Drehzahlmesser, Bordcomputer, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Nebelscheinwerfer, elektrisch einstellbare Außenspiegel sowie ein CD-Radio mit. ESP jedoch kostet selbst in der Top-Ausstattung 360 Euro Aufpreis.

Auch die Konkurrenz verlangt für die selten georderten Automatversionen satte Aufschläge. Ein Daihatsu Sirion 1.3 Automatik (91 PS) kostet 12.590 Euro, ein Kia Picanto 1.1 Automatik (65 PS) 12.855 Euro und ein Chevrolet Aveo 1.4 Automatik LT (101 PS) 14.590 Euro – alle diese Autos starten genau wie der Agila in der Basisversion mit Kampfpreisen knapp unter 10.000 Euro.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.