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E-Mobilität Ora R1: Great Wall Motors will die Welt mit dem billigsten E-Auto der Erde erobern

Der Ora R1 wird als Frauenauto beworben.
Der Ora R1 wird als Frauenauto beworben.
© PR
In China ist der Ora R1 – die "Schwarze Katze" – ein Verkaufsschlager, er wird in Asien exportiert und könnte auch nach Europa kommen. Für 8.900 Euro gibt es einen vollwertigen Kleinwagen mit 310 Kilometer Reichweite.

Tesla hat die Welt erobert mit Fahrzeugen der Oberklasse. Chinas Autohersteller gehen den umgekehrten Weg: Sie wollen die Weltmärkte mit Preisbrechern angreifen. In der Spitze fällt es noch schwer, mit der Qualität und dem Markennimbus der westlichen Hersteller zu konkurrieren. Also nimmt man sich das Niedrigpreissegment vor und baut Fahrzeuge, die etwa 10.000 Euro kosten. Das ist die Hälfte von dem, was etablierte Hersteller für ihre günstigsten Wagen verlangen.

Der Ora R1 kann sich rühmen, das billigste E-Auto der Welt zu sein: Ab 8900 Euro ist man dabei, für etwas mehr als 11.000 Euro gibt es die Top-Version. Geleakte Papiere sagen, dass es ein Update der Batterie geben wird, sodass die Reichweite der teureren Version in Zukunft auf 410 Kilometer erhöht wird. Gleichzeitig wird die Leistung des Motors gesteigert. Der Name Ora steht für eine reine Elektromarke von Great Wall Motors, in China trägt der R1 den Namen "Schwarze Katze".

In China ein Erfolg

Mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis erreichte Ora R1 im Jahr 2020 immerhin Platz 4 der chinesischen Zulassungscharts für E-Autos. Noch erfolgreicher ist 2021 der Wuling Hongguang Mini EV, doch beim Wuling handelt es nicht um einen "echten" Pkw, sondern um ein Ultraleichtfahrzeug. Schon die Basisversion des R1 für etwa 8900 Euro bietet eine Reichweite von 300 Kilometern. Möglich wird das mit einer Batterie von nur 30,8 kWh, weil die Katze keine Tonne wiegt. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 102 km/h abgeregelt. Der Wagen hat vier vollwertige Sitzplätze. Sind sie besetzt, bleiben aber nur 200 Liter Volumen im Gepäckraum.

Auf Reisen sollte man besser zu zweit fahren, dann kann die Rückbank umgelegt werden und es stehen 891 Liter zur Verfügung. Auf den Ora R1 gibt es Garantie von drei Jahren oder 120.000 Kilometern für das gesamte Fahrzeug. Einzelne Komponenten besitzen eine Garantie von acht Jahren beziehungsweise 150.000 Kilometern. Die Basisversion ist nur sparsam ausgestattet, aber auch sie glänzt mit einem 9-Zoll-Touchscreen und Smartphone-Konnektivität – im chinesischen Markt ein Muss. Sondereditionen wie "Göttin" sehen geradezu edel aus.

Wer mag, kann mit der Katze sogar sprechen. In China ist das Auto mit zahlreichen Clouddiensten verbunden und soll – dank KI – die Rolle eines persönlichen Assistenten übernehmen.

Viel Reichweite und Auto für das Geld

Im Inneren sieht man viel Hartplastik, aber auch schicke Lüftungsdüsen im Turbinen-Look. Selbst eine Klimaanlage ist dabei. In den letzten Jahren schreiben chinesische Autobauer die Sicherheit groß. Auch das Einsteigermodell ist daher mit Airbags, ESP und ABS ausgestattet. Um Fußgänger zu schützen, wurde die Front weich und stoßabsorbierend aufgebaut.

Mit nur 3495 mm Länge, 1660 mm Breite und 1560 mm Höhe ist klar, dass es sich um ein Auto für den urbanen Bereich und nicht um ein Reiseauto handelt. Für Asiaten dürften die Platzverhältnisse auch wegen der Höhe großzügig sein. Die kleine Plattform von Great Wall Motors folgt übrigens nicht dem Skateboard-Modell, die tendentiell zu einem SUV-Aufbau führt. Beim R1 "türmt" sich die Technik über der Vorder- und Hinterachse auf, so dass der Fußraum weit nach unten reicht.

Der R1 ist in etwa so groß wie ein Smart Forfour. Hier starten die Preise für die Elektroversion EQ Forfour 22.6000 bei Euro. Die Reichweite ist allerdings nur halb so groß wie die des Ora R1.

Export in Asien 

"Wir haben die Vision, ein Marktführer im Elektrofahrzeug-Segment in China zu werden", sagte Ning Shuyong, General Manager von Ora, bei der Vorstellung. "Unsere Autos werden in Übereinstimmung mit internationalen Standards entworfen und gebaut und wir richten unser Augenmerk definitiv auf internationale Märkte, einschließlich Europa." Bislang wird der R1 nur in asiatische Märkte exportiert, dabei behielt er sein aggressives Preismodell bei. Würde es den Ora R1 in Deutschland geben, würde die staatlichen Subventionen den Preis auf etwa 5000 Euro reduzieren. Mit so einem Mini-Preis wäre das Modell auch hierzulande sicher erfolgreich.

Auf der Messe "Auto Schanghai 2021" zeigte Ora übrigens ein neues Modell, den Ora ES11. Es überraschte mit einem Retro-Look und erinnerte stark an den VW-Käfer – natürlich mit Elektroantrieb.


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