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Rad Power Bikes Radmini – Klapprad mit fetten Reifen und Stromantrieb

Die dicken Reifen und der niedrige Schwerpunkt führen zu einem sicheren und souveränen Fahrgefühl.
Die dicken Reifen und der niedrige Schwerpunkt führen zu einem sicheren und souveränen Fahrgefühl.
© stern
Klappräder mit E-Antrieb sind relativ selten. Das Mini kommt aus den USA und kombiniert die Falteigenschaften mit überbreiten Fat Tires. Es bietet einfache, aber solide Technik zu einem günstigen Preis.

Klappräder sind das Stiefkind der E-Bikeszene. Namhafte Hersteller bieten überhaupt kein Exemplar an und die wenigen erhältlichen Modelle sind meist mit chinesischer Technik ausgestattet. Ein klappbares Pedelec ist etwas anders als ein Faltrad von Brompton. Auch zusammengelegt ist es deutlich größer und vor allem schwerer. Das Rad zusammenklappen und dann als Pendler locker in die Bahn einsteigen, das mag mit einem faltbaren Muskelrad noch angehen, mit einem Pedelec von über 20 Kilogramm Gewicht geht das nicht.

Kleiner - aber nicht leichter

Warum sollte man also so ein Rad kaufen? Wegen der kleinen Reifen ist ein Klapprad kompakter und leichter unterzustellen. Zusammengelegt wird das Packmaß deutlich kleiner als bei einem Rad mit 28er-Reifen. Das Radminivon Rad Power Bikes kann man nicht nur in der Mitte einmal falten, dazu lassen sich die Pedale wegknicken, die Lenkerstange umlegen und der Sattel tief versenken.

Wirklich handlich ist das Paket dann immer noch nicht. Aber in einem Van, einem Kombi oder SUV kann man locker zwei Räder hinten im Gepäckraum unterstellen. Man kann ein Rad auf einem speziellen Träger mitnehmen. Doch dafür benötigt das Auto eine Anhängerkupplung. Der Träger will nicht nur montiert und demontiert werden, er muss bei Nichtgebrauch auch untergestellt werden. "Hinten rein" ist die einfachere und billigere Lösung. Interessant ist so etwas auch für Wohnmobilisten, Bootsbesitzer oder Eigner einer kleinen Ferienwohnung.

Fat Tires für sicheres Fahrgefühl

Das Radmini von Rad Power Bikes kommt aus den USA und wirkt wie alle Räder der Firma ziemlich knuffig. Das liegt an den kleinen, aber überbreiten Reifen. Solche fetten Reifen – "20 x 3,3" Kenda Multiterrain - sind bei muskelbetriebenen Rädern eine schweißtreibende Angelegenheit, doch wenn der Motor mithilft, sind die dicken Puschen eine feine Sache. Sie fahren sicherer und stecken Längsfugen locker weg. Die Reifen finden Halt auf lockerem Sand und dürften weitgehend pannensicher und unkaputtbar sein. Eine spezielle Einlage schützt sie vor Durchstichen. Unser Eindruck: Glassplitter und Dornen werden den Pneus nichts anhaben können, man müsste schon über ein Brett mit Nägeln fahren. Und wie erwähnt, sehen die dicken Räder knuffig aus.

Obwohl das Radmini selbst klein ausfällt, ist es doch auch für große Fahrer gemacht. Mit 183 cm passt es prima und dann ist noch Luft nach oben. Das Zusammenlegen des Rades geht problemlos, wegen des Gewichtes von 30 Kilogramm ist das aber auch Arbeit.

Zwei Personen zur Montage

Das Radmini wird nur im Versandhandel verkauft. Es wird gut gesichert in einem großen Karton mit absolut brauchbarem Werkzeug geliefert. Wir haben 40 Minuten für die Montage inklusive eines optionalen Gepäckträgers benötigt. Besondere Kenntnisse sind nicht vonnöten, aber man sollte auch kein blutiger Laie sein. Zwei Personen sind besser als eine, es ist nicht gerade einfach, das Rad aus dem Karton zu heben, wenn man ihn nicht beschädigen will.

Simpler aber solider Motor

Der Antrieb des Radmini erfolgt mit dem bekannten Hinterradnabenmotor von Bafang. In Deutschland wird er häufig unter Fantasienamen vertrieben. Was Drehmoment und Ansteuerung angeht, gehört der Motor sicher nicht zu den besten Modellen auf dem Markt. Aber in dem Radmini passt er gut. Es stört nur das typische Jaulen, das kann man mit Schmieren der Zahnräder deutlich verringern, doch dazu muss der Motor ausgebaut und zerlegt werden.

Die Ansteuerung des Motors ist immerhin so sensibel, dass das Fahren auch mit unterstützender Muskelpower Spaß macht. Es ist kein Vergleich zum Fahrgefühl des Einstiegsmodells der gleichen Firma, des Radrovers, in dem sehr einfache Komponenten verbaut sind. Der Akku ist mit 672 Wh üppig dimensioniert – E-Bike-Standard sind 500 Wh. Rad Power Bikes gibt eine Reichweite von 55 bis 88 Kilometern an. Je nachdem, wie sehr man bereit ist mitzuarbeiten, sind die Angaben realistisch.

Rad Power Bikes : Radmini – Klapprad mit fetten Reifen und Stromantrieb

Anders als beim Einstiegsmodell wird das Radmini mit Schutzblechen und einer Shimano Acera 7-Gangschaltung geliefert. Im Vergleich zu einer sportlichen XT-Schaltung ist das ein behäbiges Schaltwerk, für den Zweck reicht sie aber aus. Mit sieben Gängen und fünf Unterstützungsstufen des Motors ist man in jedem Tempo gut unterwegs, auch Anstiege sind kein Problem. Wegen der Bauart leidet man auch nicht unter der Abriegelung bei 25 km/h, schneller möchte man sowieso nicht fahren.

Schwächer als die US-Version

In den USA wird das gleiche Rad mit einem weitaus stärkeren Motor ausgeliefert, die EU-Version verfügt nur über 250 anstatt über 750 Watt. Das EU-Modell wird nicht allein durch die Elektronik gebremst, es wird schwächere Hardware eingebaut. Tuningfreunde brauchen also nicht hoffen, dass sie mit einem Trick das Rad "entsperren" können und dann die US-Power zur Verfügung haben. 

Das kleine Rad bringt den Fahrer in eine aufrechte und bequeme Haltung. Man hat dennoch über den Mountainbike-Lenker eine gute Kontrolle. Durch die dicken Reifen und die Federung des Vorderrades fährt sich das Radmini sehr komfortabel. Es ist sicher nicht für den Offroadeinsatz gemacht, doch, wenn man etwas mitarbeitet, kann das Rad auch über sehr unebenen Grund bewegt werden.

Aufrechte Haltung bedeutet auch, dass das Körpergewicht des Fahrers auf dem Sattel ruht, statt sich auf Arme und Beine zu verteilen. Hier könnte man nachrüsten, etwa mit einer gefederten Sattelstütze. Bei einem eigenen Rad würden wir außerdem den opulenten Kabelbaum mit einer Hülle bändigen. Komponenten wie Lichtanlage und Stütze passen. Gebremst wird mit mechanischen Scheibenbremsen von Tektro.

Unfallgefahren entschärft

Nett ist die Anfahrhilfe über einen Gasgriff. Die geringe Höhe des Rades und der niedrige Schwerpunkt führen zu einem sicheren Fahrgefühl vor allem in den kritischen Momenten des Anfahrens und des Anhaltens. Auf- und Absteigen geht bei so einem kompakten Rad wie dem Radmini ohnehin leichter als bei einem hohen 28er mit Diamantrahmen.

Das ganze Rad wirkt sehr solide und ordentlich verarbeitet. Aufgebaut ist das Radmini 1,72 Zentimeter lang. Fährt man den Sattel ein und klappt den Lenker um, schrumpft die Höhe auf 71 Zentimeter. Ganz zusammengefaltet beträgt das Packmaß 104 x 55 x 71 Zentimeter. Leicht zu bewegen ist das Paket wegen des Gewichtes von 30 Kilogramm nicht. Wenn der Akku entnommen wird, wird es etwa 3,5 Kilogramm leichter.

Günstig im Vergleich 

Das Rad kostet 1599 Euro, werden zwei bestellt, gibt es einen Rabatt von 150 Euro auf den Preis des Paares. Damit man den Preis einschätzen kann, sei kurz auf das Vektron S10 des taiwanesischen Klappradspezialisten Tern hingewiesen. Das Tern hat auch kleine, aber normal breite Reifen, anders als das Radmin iist es ausdrücklich für die Mitnahme bei Pendlern konzipiert. Das Vektron S10 glänzt mit vielen klugen Ideen und baut auf einen wertigeren Boschmotor auf – allerdings nur in der günstigen Activeline-Ausführung. Dafür kostet der Spaß allerdings auch 3500 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel das Mini.

Fazit

Für ein E-Klapprad ist das Radmini also sehr preiswert, das Fahrerlebnis kann man besser mit dem Wort "sicher" als mit "sportlich" umschreiben. Damit sollte man leben können. Das Falten bietet Vorteile beim Transport und beim Verstauen, es ist aber kein Rad, das man sich unter dem Arm klemmen kann. Wie bei anderen modernen Falträdern auch, muss man keine Angst haben, dass der Rahmen wegen des Scharniers wackelt oder instabil wirkt.

Das Radmini ist ein preiswertes Rad für alle, die ein sehr kompaktes E-Bike und ein sicheres Fahrgefühl schätzen. Der China-Motor ist von der Software gut eingestellt. Die geringeren Möglichkeiten des Nabenantriebes gegenüber den Topmotoren von Shimano, Bosch und anderen fallen bei so einem Rad wie dem Radmini anders als bei einem Mountainbike kaum ins Gewicht. Durch den Klappmechanismus kann das Radmini leichter transportiert und untergestellt werden. Senioren sollten aber bedenken, dass hier 30 Kilogramm in den Kofferraum gewuchtet werden wollen.

Hier geht es zum E-Bike Test.

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