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Europa-Premiere VW Jetta: 100 Prozent Deutschland-Zuschlag

In den USA gilt der Jetta als flotter Flitzer. In Deutschland muss das neue Modell mit einem Opa-Image und dem Preis kämpfen. Der Wagen aus dem Billiglohnland Mexiko kostet hier fast doppelt soviel wie in den USA. Dafür gibt es einen besseren Motor und hübschere Kunststoffverkleidungen.

Sportlich und Jetta – das passt in Amerika gut zusammen. Zu Fahrzeugpremieren heuert Volkswagen Ladys wie Carmen Elektra und Katy Perry an. Selbst eine Tuningszene gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten für den Jetta. In den USA sind Fließheckmodelle unbeliebt, kompakte Limousinen finden dagegen ihre Liebhaber.

Hierzulande wird beim Namen Jetta eher an Häkelüberzüge für Klopapierrollen gedacht. Das Stufenheckmodell gilt seit Jahren als das Auto für Langweiler schlechthin. Ein technisch ausgereifter Golf mit Rucksack und viel Platz, wenig fesch und alles andere als dynamisch. So konnte er das US-Image nie über den Atlantik retten. Fair ist das nicht, denn schon der Vorgänger war kein schlechtes Angebot. Neben dem doch sehr großen Passat war der Jetta auch die einzige Limousine von Volkswagen. Aber anders als in den USA konnte sich der Jetta hier nicht als preiswerte Alternative zum BMW 3er positionieren. Kein Wunder, dass der neue Jetta seine Weltpremiere im Frühjahr in den USA feierte. Nach erfolgreichen ersten Verkaufsmonaten lässt er den Schatten zu den amerikanischen Klassen-Bestsellern Civic und Corolla zunehmend kleiner werden.

Der Jetta sieht bei weitem nicht so unauffällig aus wie der Golf. Das neue, vom Golf weitgehend gelöste Design ist dabei nur eine Seite der Medaille. In den USA macht der Preis die Musik. Für 15.900 Dollar - umgerechnet gerade einmal 11.500 Euro - arrangiert sich der US-Kunde gern mit einem betagten Zweiliter-Benziner mit 115 PS, härten Schaumstoffen im Innenraum und einer einfachen Hinterachs-Konstruktion.

In Deutschland kommt der neue und durchaus sehenswerte VW Jetta Anfang 2011 auf den Markt. Die amerikanische Schnäppchenmentalität will Volkswagen hier gar nicht erst einreißen lassen. "Das europäische Modell ist deutlich werthaltiger als das Basismodell in den USA", unterstreicht daher auch VW-Vorstand Dr. Ulrich Hackenberg. In unseren Breiten gibt es für den Jetta nur die modernen TDI- und TSI-Triebwerke und eine aufwendige Mehrlenkerhinterachse. Die teure Achse und die weicheren Oberflächen-Schäume am Cockpit dürften die meisten Kunden bei einer Probefahrt kaum bemerken. Den Nachteil schon: Der wertige Auftritt hat zusammen mit der Turbo-Technik seinen Europa-Preis. In Deutschland dürfte es für das 122 PS starke Jetta-Basismodell erst bei knapp 20.000 Euro losgehen.

Kra/Press-Inform

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