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Ausblick auf die Formel-E-Saison 2019: Das Jahr der Wahrheit

Seit ihrer Gründung hat die Formel E viele Hoffnungen geweckt, den Sprung in die erste Reihe des Motorsports jedoch noch lange nicht geschafft. Die kommende Saison Nummer fünf könnte für die elektrische Rennserie zum Jahr der Entscheidung werden.

BMW Formel E 2019

BMW Formel E 2019

Vier Jahre hat die Formel E mittlerweile auf dem Buckel. Vier Jahre in dem viel ausprobiert wurde, es weltweit viel Applaus und jede Menge Häme gab. Was sich bisher nicht verändert hat: als echte Rennserie, die sich gegenüber den traditionellen Großevents wie Formel 1, Moto GP, WRC, Nascar, IMSA, Indy oder Le Mans ernsthaft in Szene setzen kann, hat die Formel E weltweit bisher kaum einen Stich setzen können. Das liegt kaum an den Fahrern, denn wer hier in den engen Cockpits der Elektro-Monoposti Platz genommen hat, der hat auch in anderen Rennserien zumeist schon etwas geleistet. Sam Bird, Felix Rosenqvist, Tom Blomquist, Nelson Piquet Jr., Edoardo Mortara, Jean-Eric Vergne oder Andre Lotterer haben sind für Motorsportfans keine Unbekannten.

Das Jahr der Wahrheit
BMW Formel E 2019

BMW Formel E 2019

Anfangs fehlten die mächtigen Marken und mit ihnen die entsprechend großen Namen. Und wenn man der Formel E neben aller Marketinggeneigtheit etwas vorwerfen kann, dann war es der peinliche Fahrzeugwechsel zur Mitte jedes Rennens. Die Batterieleistung der Boliden war bis zum Ende der jüngst abgelaufenen Saison Nummer vier so klein, dass man zur Mitte des Rennens in ein Zweitauto wechseln musste. Auffälliger hätte man die Zuschauer auf das größte Problem der Elektromobilität wohl kaum aufmerksam machen können - die Reichweite. Dabei war es nicht nur das hemdsärmelige Fahrzeugwechsel in der Box, der die Formel E gerade bei erfahrenen Motorsportlern vollends durchfallen ließ. Auch das an sich spannende Renngeschehen wurde immer wieder durch die Batterien beeinflusst, sodass zur Rennmitte oder zum Ende mitunter gar nichts mehr ging und die sich Boliden mit gezügeltem Schaum ins Ziel retteten. Mitunter schaffte es der ein oder andere nicht ins Ziel - sicher einmal unterhaltsam, aber nichts für echten Motorsport.

Die Anforderungen an die weltweite Motorsportveranstaltung mit rund einem Dutzend Events sind hoch. Die Elektroserie Formel E soll bei potentiellen Autointeressenten die Lust wecken, endlich in ein Elektromobil umzusteigen. Hier sind immer mehr Modelle im Handel, doch der Kunde hat kaum Lust auf die neue Technik, über der noch immer das allgegenwärtige Damoklesschwert der überschaubaren Realreichweite hängt. Es ist daher kein Wunder, dass sich Autohersteller, Zulieferer und finanzstarke Werbefirmen die Finger nach der anfangs müde belächelten Rennserie ohne Benzingeruch lecken. So wollte man raus aus der reinen Öko-Ecke, sondern spannenden Sport präsentieren. Motorsport für die, die sonst nicht an die Rennstrecken von Hockenheim, Spa, Laguna Seca oder Suzuka fahren. Daher kam die Formel E in die Innenstädte, lockte mit engen Rennkursen in Häuserschluchten und überschaubaren Eintrittspreisen.

"Die Formel E möchte sich zu der Plattform entwickeln, auf der die Automobilhersteller neue Technologien testen und entwickeln, bevor sie sie in ihren Straßenfahrzeugen einführen", so Formel-E-Chefvermarkter Alejandro Agag, der auf den Spuren von Bernie Ecclestone Hände schüttelt, Klinken putzt und beinahe rund um die Uhr neue Partner akquiriert, "die Formel E entwickelt sich zu einer spannenden Mischung aus etablierten Herstellern wie Renault, Citroen-DS, Audi, Mahindra oder Jaguar sowie neuen futuristischen Marken oder großen Komponentenherstellern." Die Autohersteller drücken mit ihrem Engagement und großer Begeisterung nach außen hin auf die Tube - nach innen sieht das ganze etwas anders aus. Wer etwas tiefer in Stuttgart, Ingolstadt, München oder Paris bohrt, bekommt schnell mit, dass es nicht die Motorsportabteilungen sind, die beim Thema Formel E jubilieren. Eher die Strategie- und Marketingabteilungen wollen die eigene Automarke nicht nur innovativ, sondern auch elektrisch wirken zu lassen. Und wie könnte man Elektromodelle wie Nissan Leaf, Mercedes EQC, BMW iNext, Jaguar i-Pace oder Porsche Taycan besser in den Kopf der Kunden bringen, als mit einer ernsthaften Rennserie? Doch dafür müsste die Formel E erst einmal als ebensolche wahrgenommen werden.

Die Chancen hierfür dürften ab der neuen Saison steigen, denn es wird sich einiges ändern. Die neuen Akkupakete sorgen dafür, dass der Autowechsel zur Mitte des Rennens entfällt. "Das ist für Porsche ein ganz wesentlicher Schritt, denn Reichweite ist ein entscheidender Aspekt der Elektromobilität", unterstreicht Porsche-Techniker Andreas Seidl. Die neuen Fahrzeuge haben zudem mehr Leistung, wovon sich einige ebenfalls ein spannenderes Renngeschehen versprechen. In der Saison 2018 / 19 starten alle Teams mit einem neuen Chassis, dem SRT 05e von Spark. Die Maximalleistung der Fahrzeuge wurde von 200 kW / 272 PS auf 250 kW / 340 PS erhöht. Das garantiert ein Spurtpotenzial von 0 auf Tempo 100 in unter drei Sekunden und bis zu 280 km/h Höchstgeschwindigkeit. Im Rennen leisten die surrenden Boliden 200 statt bisher 180 kW und wer durch eine besonders deklarierte Aktivierungszone fährt, kann kurzfristig bis zu 225 kW für seine Manöver nutzen. Wichtiger dürfte die Erhöhung der Batteriekapazität von 33 auf 54 kWh sein.

Die Formel E stellt unverändert ein Einheitschassis und das für alle einheitliche Akkupaket. Sämtliche Antriebskomponenten inklusiv Motor, Umrichter, Getriebe oder Kühlsystem sind ab sofort dagegen Eigenentwicklungen der einzelnen Hersteller. "Derzeit muss der Fahrer die Bremsbalance manuell verstellen um beim Rekuperieren das richtige Verhältnis zu bewahren", erklärt Porsche-Motorsport-Techniker Malte Huneke eine der Tücken, "zukünftig wird die Wirkung der hydraulischen Bremse per Brake-by-Wire-System situationsgerecht verringert. Diese Kopplung ist energieeffizienter und obendrein sicherer, falls die Verzögerung per Elektromotor einmal gestört sein sollte." Auch den Hightech-Anspruch kann man der Formel E nicht absprechen. Und an der Spannung lag es bei der Formel E bisher ohnehin nicht. Die Rennen bieten jede Menge Abwechslung, die Zuschauer sind auf den Citykursen in New York, Mexiko, Hong Kong oder Monte Carlo näher dran als an jeder anderen Rennstrecke und die Teams lagen auch in der vergangenen Saison bis zum Finale näher denn je zusammen. Erst bei den beiden Abschlussrennen in New York konnte sich Audi die Meisterschaft knapp mit zwei Punkten vor Techeetah holen.

Jetzt, wo der Makel der zu geringen Reichweite aus den Formel-E-Boliden verschwunden sein sollte, kommen auch die Autohersteller aus ihren Höhlen. Viele waren aus Marketinggesichtspunkten allzu früh auf das Formel-E-Pferd ausgesprungen, wollten den eigenen Motorsportanspruch dann jedoch nicht mit der Übergangstechnik verheizt wissen. Etablierte Marken wie Audi, PSA (DS), Jaguar und Renault hatten ihre schützenden Deckungen bereits früher verlassen. Für junge Hersteller ohne Motorsporttradition wie Venturi oder Nio war das Risiko, nicht in der ersten Reihe mitzufahren, ohnehin überschaubar und so trommelten sie lautstarker denn je. Doch jetzt wird der Wind für alle härter. Mit der neuen Saison 2018 / 2019 übernimmt BMW das Formel-E-Team von Andretti. Der Renault-Nissan-Konzern zieht das Renault-geführte DAMS-Team ab und ersetzt es von seinem hauseigenen Nismo-Team. Nissan soll sich in der Rennserie als Elektromarke in Szene setzen, auch wenn DAMS weiterhin für die technische Umsetzung sorgt. "Wir sind stolz auf unsere Innovationsführerschaft bei Elektroautos für die Straße", sagt Jose Munoz, Chief Performance Officer von Nissan, "jetzt wollen wir unsere Elektroauto-Expertise in den Motorsport einbringen und die Meisterschaft als Entwicklungsplattform für unsere EV-Technologien nutzen. Die Formel E mit ihren Rennen in den großen Stadtzentren ist eine perfekte Bühne für unsere Zukunftsstrategie Nissan Intelligent Mobility."

Auch für BMW wurde die Rennserie erst interessant, als der Autotausch beseitigt war und man den Antrieb selbst beisteuern konnte. "Der BMW iFE.18 ist für unser Unternehmen ein Meilenstein", erläutert BMW-Motorsport-Chef Jens Marquardt, "noch nie in der Geschichte von BMW war der Technologietransfer zwischen Serie und Motorsport so ausgeprägt wie bei diesem Formel-E-Projekt. Alle Beteiligten füllen das Motto ‚TechLab for BMW i\' seit dem ersten Tag mit Leben." Erst in der sechsten Saison ab Dezember 2019 springen dann auch Porsche und Daimler in die Formel-E-Serie ein. Bereits in diesem Jahr ebnet HWA den Weg für das Mercedes-Werksteam und bezieht seine Triebwerke bis dahin von Venturi. HWA wird ab der sechsten Saison dann auch die offiziellen Werkseinsätze von Mercedes durchführen. Doch nicht nur die Namen der Teams werden klangvoller, auch die Rennserie selbst wird zur Auftaktveranstaltung von Saison fünf am 15. Dezember im Riad / Saudi Arabien nachgeschärft. Die Rennen dauern nicht mehr eine vorher festgelegte Rundenzahl sondern 45 Minuten plus eine Runde. Kennt man so ähnlich aus der DTM. Hoffentlich hat die Formel E ab der kommenden Saison mehr Erfolg das die stotternde deutsche Tourenwagenserie.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.