HOME

Cabrio-Vergleich: Audi A3 vs. BMW 1er: Helau und Alaaf

Es ist Karneval in Deutschland. Doch bei uns treten nicht Mainz und Köln beim Kampf um den meisten Spaß und Frohsinn an, sondern Ingolstadt und München. Wer baut das schönste Sessions-Cabrio 2008?

Das kann kein Zufall sein: Audi stellt seinen erfolgreichen A3 nach zwölfjähriger Produktion erstmals als Cabriolet vor. Zeitgleich gibt es den 1er BMW, deutlich jünger und kaum weniger erfolgreich, ebenfalls als Oben-ohne-Version. Beide mit nahezu identischen Abmessungen und beide mit einem verführerischen Stoffdach.

Trotz aller Coupé-Cabriolet-Trends fühlen sich viele Sonnenanbeter von den Automobilherstellern nicht verstanden. Nicht alle wollen ein Klappdach und so stehen die Cabrioversionen von 1er BMW und Audi A3 ungewohnt friedlich mit Stoffmütze nebeneinander und buhlen um die Gunst der Kunden.

"Man muss auch jönne könne" heißt es in Köln. Die Jecken vom Rhein streiten sich seit Jahren mit den Mainzern um den Ruf, die besten Karnevalisten zu sein. Ähnlich in Bayern und in Sachen Auto. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass München oder gar Ingolstadt Karnevalshochburgen wären, aber beide wissen, wie man erfolgreich Cabriolets baut.

Nachdem es von beiden bereits größere Cabrios gibt, zieht es Audi und BMW in der Session 2008 nun an die Basis. Die Volumenmodelle A4 und 3er BMW sind im Laufe der vergangenen Jahre fast schon ins Luxussegment abgedriftet. Wer will, kann für die szenigen Mittelklassecabrios gut und gerne 60.000 Euro ausgeben.

Karnevalsbühne also frei für den Nachwuchs von Isar und Donau. Beide beginnen deutlich unter der 30.000-Euro-Marke und locken so Kunden, die ehemals eine Klasse darüber einsteigen mußten.

Luxuskarosse ruiniert: In der Lieferzone geparkt: Porsche-Fahrer muss es auf die harte Tour lernen

Henkelmann oder nicht?

"Jeder Jeck is’ anders" - beim Design hat es der Münchner etwas einfacher. Das BMW-Cabriolet basiert auf dem 1er Coupé und die Stufenlösung sieht einfach stimmiger aus. Dabei kann man den Audi-Designern rund um Dany Gerand keinen Vorwurf machen - im Gegenteil. Gerade von vorn wirkt der A3 prächtig und auch die Seitenlinie ist wie aus einem Guss.

Doch angesichts der hohen Gürtellinie und der Schrägheckbauart mussten die Designer am Hinterteil tricksen. Ein sehenswerter Abschluss mit schmucken Designleuchten ist das Ergebnis. Doch die Klobigkeit des letzten A3-Drittels lässt sich nicht komplett überspielen. Hier schlägt sich der 1er BMW aufgrund der Coupé-Basis einfach stimmiger.

Beim Dach gibt es hier wie da gute Lösungen. Innerhalb kürzester Zeit lassen sich die exzellent gedämmten Stoffmützen öffnen und schließen. Teilelektrisch ist das Seriendach des A3. Doch man sollte sich gleich für das zusätzliche 795 Euro teure Akustikverdeck entscheiden, das sich bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h in knapp zehn Sekunden vollelektrisch öffnen und schließen lässt. Da kann einen ein kurzer Konfettischauer kaum schocken. Der BMW ist zwar mit 22 Sekunden deutlich langsamer, jedoch ist die Bedienbarkeit der noblen Mütze bis 50 km/h gegeben.

Audi ist variabler

Mit seinen beiden wenig sehenswerten statischen Überrollbügeln erlaubt sich der Audi den einzigen optischen Makel. Ihr Vorteil ist eine umklappbare Rückbank, die den 260 Liter großen Kofferraum auf 674 Litern anwachsen lässt.

Der 1er BMW bietet 260 bis 305 Liter Platz und einen breiten Skisack – auch nicht schlecht. Wieso die Antennen für Navigation und Radio den Rücken verunstalten, bleibt ein bayrisches Geheimnis.

Im Fond hat man bei Audi und BMW gleichermaßen wenig Platz. Hier sind Taschen besser aufgehoben. Und wer es sich mit dem Bekanntenkreis nicht verscherzen will, sollte die Rückbank auch in der Karnevalszeit besser gleich als Stauraum für Kamellen deklarieren.

Wie bei den geschlossenen Brüdern mimt der 1er BMW erfolgreich den Sportler, der sich nach Kurven sehnt und mit seiner sportlich-straffen Fahrwerksabstimmung besonders bei ambitionierten Piloten einschmeichelt. Der Audi will als nicht zu weicher, aber dennoch komfortabler Cruiser nicht nur Frauen begeistern. Doch gerade bei den "lecker Mädsche" dürfte das Ingolstädter Erdbeerkörbchen der neusten Generation auch nach Aschermittwoch leichtes Spiel haben.

BMW mit mehr Motoren

Bei den Motorversionen kann man bei allen beiden Konkurrenten wenig falsch machen. Beim Audi überzeugen besonders die drehfreudigen Benziner, die 160 bzw. 200 PS leisten. Locker und lässig setzt sich das neue 1,8-TFSI-Aggregat in Szene. 118 kW/160 PS und 250 Nm maximales Drehmoment zwischen 1.500 bis 4.200 Touren sorgen ebenso für gute Unterhaltung wie 218 km/h Spitze und 7,3 Liter Durchschnittsverbrauch. Wer will, kann mit 140-Commonrail-PS vortrefflich und überaus sparsam dieseln.

Das Motorenspektrum des BMW ist mit Leistungen zwischen 143 und 306 PS deutlich beeindruckender. Kauftipp sind hier der 120d mit seinem Knauserverbrauch von 5,1 Litern, kraftvollen 177 PS und 222 km/h Spitze. Benzinerfans lockt der BMW 125i, der mit seinen drehfreudigen 218 PS aus drei Litern und sechs Brennkammern den größeren 3er BMW nahezu vergessen macht.

Audi A3 und BMW 1er sind jeweils prächtige Cabriolets, die endlich wieder Stoffdach-Charme in die Liga der Sonnenanbeter bringen. Wer es sportlicher mag, wählt den BMW, der schier grenzenlosen Fahrspaß und eine beeindruckende Motorenpalette bietet. Wer schon immer auf Erdbeerkörbchen stand, es edel mag und es gerne etwas klassischer möchte, kommt um den Audi kaum herum.

Das Preisspektrum beginnt mit dem 105 PS starken Audi A3 Cabriolet 1.9 TDI für 27.950 Euro. Der BMW kostet als nackt ausgestattetes Basismodell 118i mindestens 28.550 Euro. Der kraftvolle 125i startet bei 36.200 Euro.

Doch das Schöne an beiden Cabrios: Nach Aschermittwoch ist es noch lange nicht vorbei.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity