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Chevrolet HHR: Rebell im Retro-Look

Schon der berüchtigte Mafia-Boss Al Capone liebte das Vorgänger-Modell des Chevrolet Suburban 1949. Jetzt stand der Oldie Pate für den neuen Star der General Motors-Tochter. Im Retro-Anzug will der HHR vor allem bei jungen Menschen punkten.

Von Kai Behrmann

Der erste Blick täuscht nicht. "Den kenne ich doch von irgendwoher?", denkt sich der Autofreund, wenn ihm der Chevrolet HHR das erste Mal über den Weg fährt. Für den Neuling der wichtigsten Marke des US-amerikanischen Autoherstellers General Motors stand nämlich ein alter Bekannter Pate: der Chevrolet Suburban aus dem Jahr 1949, mit dessen Vorgänger-Modell sich schon der berüchtigte Mafia-Boss Al Capone zu seinen zwielichtigen Geschäften kutschieren ließ. Dabei ließen sich Chef-Designer Brian Nesbitt vor allem von der hohen Dachlinie, den runden Frontscheinwerfern im länglichen Gehäuse und dem kugelförmigen Kühlergrill inspirieren. Aber an noch einen erinnert der HHR: an den Chrysler PT Cruiser. Der Grund: Auch hier hatte Nesbitt seine Finger im Spiel.

Anders will er sein. Anecken mit seinem ungewöhnlichen Äußeren, dieser Mischung aus Gestern und Heute. Ein echter Rebell eben - das ist sein Ziel. Und zumindest äußerlich wird der HHR diesem Anspruch auch gerecht. Grimmig fletscht einem der hohe Kühlergrill seine Silber glänzenden Querverstrebungen entgegen. Dazu lässt der US-Import im Stile eines echten Machos die kraftvoll herausgearbeiteten Kotflügel wie Muskeln spielen. Gleichzeitig verleiht die rundliche Karosserie dem HHR allerdings auch kindlich, sympathische Züge.

Mit Retro das Image aufpolieren

In seiner Heimat USA rauscht der kantige Kompakt-Klassler bereits seit zwei Jahren über die Highways. Jetzt soll der "Rebell der Chevrolet-Familie", wie ihn der Hersteller bezeichnet, mit seinem Hauch Vierziger-Jahre auch in Europa für Pulsrasen sorgen. Mit allzu großen Erwartungen schicken die US-Autobauer ihr neuestes Baby allerdings nicht über den Teich. Die Kalkulationen des Unternehmens sind mit 3000 bis 4000 Zulassungen pro Jahr recht moderat.

Eine wichtige Aufgabe hat der HHR jedoch: Er soll Chevrolet zu einem cooleren, frischeren Image verhelfen und die Marke auch für jüngere Menschen und Familien attraktiv machen. Bisher kamen die eher spröden Ami-Schlitten mit dem Goldkreuz-Logo auf dem Kühlergrill aus Südkorea und trugen den Namen Daewoo. Der HHR ist jetzt das erste Fahrzeug in der aktuellen Modell-Palette von Chevrolet, das direkt aus Nordamerika stammt. Auf dem Heimatmarkt USA ist die Rechnung bereits aufgegangen: Dort hat der HHR, dessen Name für "Heritage High Roof" (hohes Dach mit Tradition) steht, mehrfach Auszeichnungen eingeheimst.

Fieser Crash beim Driften

Spröder Charme im Innenraum

Während der HHR optisch seinem Ruf als ruppiger Rebell durchaus gerecht wird, kommt er unter der harten Schale doch etwas zahm daher. Der 2,4-Liter-Vierzylinder mit seinen 170 PS verspricht mehr, als er tatsächlich hält. Statt rasanter Ausritte bevorzugt der HHR eher eine etwas beschaulichere Gangart. Mehr als 180 km/H lassen sich weder mit dem serienmäßigen Schaltgetriebe noch mit der vierstufigen Automatik aus dem Motor herauskitzeln. Damit sich beim Treten aufs Gaspedal etwas tut, braucht der HHR schon eine recht hohe Drehzahl. Dafür ist der durchschnittliche Benzinverbrauch mit 7,8 für ein US-Modell durchaus akzeptabel.

Der Innenraum versprüht im Gegensatz zum äußeren Design eher spröden Charme. Die Armaturen sind mit schlichtem Hartplastik verkleidet, die Sitze mit glattem Leder überzogen. Das ebenfalls ledergepolsterte Lenkrad ist zwar in der Höhe, nicht aber in der Reichweite verstellbar. Eines vermisst man allerdings nicht im HHR: Platz. Davon ist reichlich vorhanden. Legt man die Rücksitzbank und den Beifahrersitz um, hat man bis zu 1634 Litern Stauraum zur Verfügung. Das Gepäck für eine vierköpfige läst sich problemlos verstauen. Etwas unpraktisch ist allerdings die breite Heckleiste. Beim Einladen von sperrigen Gegenständen steht diese etwas zu weit hervor.

Eines ist dem "Rebellen" gewiss: Aufmerksamkeit

Positiv macht der Retro-Chevy durch seine großzügige Ausstattung auf sich aufmerksam. So zählen zum Beispiel Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Tempomat und elektrisch verstellbare Außenspiegel zum serienmäßigen Standard. Hinzu kommt ein CD-Radio inklusive MP3-Anschluss. Damit rechtfertigt der HHR unterm Strich seinen Preis von rund 23.000 Euro. Und auch wenn er in Europa auch vielleicht nicht der große Renner wird wie in den USA - eines ist dem "Rebellen" gewiss: Aufmerksamkeit. Und überhaupt: Wer achtet schon auf die inneren Werte, wenn man von so einem Hingucker zu einer Spritztour eingeladen wird.

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