Dacia Sandero Der schönere Logan


Im Juni weht der Kompaktklasse ein eisiger Wind aus den Karpaten entgegen: Der Dacia Sandero kommt nach Europa. Er bietet viel Platz und eine gefällige Optik für weniger als 8000 Euro. Und in gewisser Weise emanzipiert sich Dacia mit ihm vom Mutterkonzern Renault.

"By Renault" - diese Plakette ziert den Kofferraum des Billigautos Logan. Vor ein paar Jahren wirkte das noch wie eine Art Rückversicherung für unsichere Käufer - "ja, es steckt ein großer Name dahinter". Mittlerweile spricht Dacia für sich. Der Logan verkauft sich weltweit ausgezeichnet, auch in Deutschland. 17.303 neue Logans fanden im vergangenen Jahr ihren Weg auf deutsche Straßen. Damit war der Rumäne zwar noch weit entfernt vom Renault Clio (29.506 Neuzulassungen). Aber vielleicht wedelt in ein paar Jahrzehnten ja der Schwanz mit dem Hund: Renault - made by Dacia?

Doch kehren wir zu den Tatsachen zurück - schließlich ist Dacia eine vollständige Renault-Tochter. Das neue Modell Sandero macht nicht nur dem Clio Konkurrenz, sondern auch dem Rest der Autowelt. Dacia wird ihr jetzt mehr denn je die Kunden abzapfen. Der Sandero ist eine kompakte Schräghecklimousine, vier Meter lang und 1,75 Meter breit. Vier Erwachsene finden problemlos Platz, durch die weit öffnenden Türen ist der Einstieg bequem. Der Kofferraum fasst 320 Liter (190 Liter weniger als beim Logan). Wird die Rückbank umgeklappt, stehen 1200 Liter zur Verfügung. Das Motorenprogramm ist das gleiche wie beim Logan, zur Auswahl stehen zwei Benziner mit 75 oder 87 PS und zwei Diesel mit 68 oder 86 PS. Eine hohe Bodenfreiheit macht den Sandero fit für schlechte Straßen, eine Abdeckung schützt Motor und Getriebe von unten.

Moderner und freundlicher

Optisch reißt der Sandero nicht gerade vom Hocker, doch im Vergleich zum drögen Stufenheck-Logan wirkt er wesentlich moderner. Dafür ist er im Einheitsbrei der Kompaktautos nicht mehr so unverwechselbar. Aber einem (fast) geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul: Für weniger als 8.000 Euro gibt es nirgendwo anders soviel Neuwagen am Stück. Vom Selbstbewusstsein der Marke zeugt auch das neue Logo, das auf Haube und Kofferraumklappe prangt und sowohl moderner als auch freundlicher wirkt als das bisherige. Im Innenraum hat sich ebenfalls einiges getan. Hier und da dezente Zweifarb-Optik, freundlichere Sitzbezüge, weiß unterlegte Armaturen - da kommt die teure Konkurrenz in Erklärungsnöte.

Natürlich kostet der Wagen nicht deshalb weniger als 8000 Euro, weil Dacia die Menschheit beglücken will, sondern weil es sich in Transsylvanien so schön billig produzieren lässt. Und bei aller Frische bleibt der Sandero ein spartanisches Auto. Selbst für die Servolenkung und eine geteilt umlegbare Rückbank sind Aufpreise fällig. Die Liste der lieferbaren Extras passt auf einen Bierdeckel - eine Klimaanlage ist immerhin dabei. ABS und Frontairbags gibt es serienmäßig, Seitenairbags kosten Aufpreis und ESP haben die anderen. Im rumänischen Stammwerk Pitesti laufen die für Europa gedachten Sanderos vom Band, für den südamerikanischen Markt gibt es eine Fabrik in Brasilien. In Pitesti steigt die Fertigungskapazität mit dem Serienanlauf des Sandero auf 60 Autos pro Stunde. Das dürfte nur der Anfang sein. Schon jetzt kommt Dacia mit der Produktion kaum nach, vor allem für den Kombi Logan MCV gibt es lange Wartezeiten.

Sebastian Viehmann, press-inform press-inform

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