Dodge Nitro Mr. Dynamite


Schon optisch ist er die coolste Kiste seit Erfindung des kompakten SUV. Der Dodge Nitro kommt nächstes Frühjahr sogar nach Deutschland. Wir konnten in Kalifornien mit dem Asphalt-Cowboy bereits ein paar Highways unter die Räder nehmen.
Michael Specht/Kalifornien

Nitro, das klingt irgendwie nach Sprengstoff. Jetzt bloß nicht zittern. Vermutlich soll schon der Name den Konkurrenten Angst einflößen. Den Rest macht auf jeden Fall die bullige Optik. Was für ein Macho rollt da an? Riesige 20-Zoll-Räder mit verchromten Felgen im Pimp-my-ride-Stil, wuchtige Kotflügel, eine plateau-artige Haube, Fenster wie Schießscharten und im polierten Grill ein dickes Fadenkreuz. Keine Panik, alles nur Bluff. Der Nitro will Kia und Co gar nicht ans Blech, auch dem X3 von BMW nicht, obwohl er mit 4,57 Meter fast auf dem Zentimeter so lang ist wie dieser. Dafür sind die Stückzahlen hier viel zu gering. Er bleibt ein "lonesome cowboy".

Vier Räder für den Macho

Zum ersten Mal wagt sich Dogde auf das Parkett der Midsize-SUV (Sport Utility Vehicle). Dodge ist Chryslers Macho-Marke, bekannt für die dicken Ram-Trucks, Farmer´s friend sozusagen. Am Haken Pferde- oder Heuanhänger. Aber die großen SUV laufen momentan schlecht, verkaufstechnisch gesehen. Bei Verbräuchen von 20 Litern und mehr auch kein Wunder. Selbst in der Neuen Welt, wo der Sprit zurzeit 65 Euro-Cent kostet. Versicherer beklagen bereits die akute Zunahme von "torch my ride", von Leuten, die ihre Geländemonster abfackeln, um die Prämie zu kassieren. Plus 30 Prozent in den vergangenen zwei Jahren, so die Statistik.

Der Nitro ist da politisch korrekter, wenn auch er schwer unter die 15 Liter-Marke zu bekommen ist. So ein 3,7- oder Vierliter-V6 will halt trinken. Mehr, als ihm eigentlich zusteht, denn so richtig kommt die Einstiegsversion mit ihren 210 PS nicht in die Hufe. Beschleunigen oder Überholvorgänge wirken angestrengt.

Besser geht da der Vierliter ab, immerhin 260 PS stark. Allerdings darf man mit dem Gaspedal nicht zu zaghaft umspringen, denn sowohl bei Leistung als auch beim Drehmoment versammelt sich der überwiegende Teil ziemlich weit oben.

Diesel Odysee

Viel lockerer wäre die ganze Sache ja mit einem Diesel. Der ist sparsam und stark zugleich. Aber den wollen die Amis nicht. Zu schmutzig, sagt die Regierung, wegen der Stickoxide, zu stinkig, sagen die Kunden, weil diese nicht in öligen Pfützen stehen und zusammen mit tätowierten Truckern tanken wollen. In Deutschland ist das glücklicherweise anders. Hier genießt der Diesel hohen Stellenwert. Und deshalb baut auch Dodge für uns einen Selbstzünder in den Nitro ein. Der könnte ja im Prinzip vom Partner Mercedes kommen, aber das ging wohl nicht so richtig. Oder die Stuttgarter wollten nicht. Jetzt liefert der Nachbar im Ort den Selbstzünder: Detroit Diesel. Aber auch der baut ihn nicht, sondern lässt ihn Italien bei VM Motori fertigen. Die wiederum schiffen das Ding nach Toledo/Ohio, wo der Nitro zusammen mit dem Jeep Wrangler gefertigt wird.

Dem Kunden kann das letztlich egal sei, so lange der Preis stimmt. Auf die Frage nach diesem, ernteten wir nur Grinsen und Schulterzucken beim Marketing-Chef Thomas Hausch. "Zu früh, der Preis wird im März bekannt gegeben." Man wolle aber sehr aggressiv an die Sache rangehen, die Asiaten im Auge behalten. Wir denken mal: So um die 29 000 Euro könnte es los gehen.

Kerniger Geselle

Dafür gibt es denn auch nahezu europäische Fahreindrücke. Kein Geschaukel der Karosserie, keine schwammige Lenkung, keine lausigen Bremsen. Im Gegenteil, Chrysler hat sich richtig Mühe gegeben mit dem Nitro. ESP ist genauso an Bord wie der Bremsassistent BAS oder seitliche Airbags für die Köpfe. Auch im Innenraum riecht es nicht mehr nach billigem Plastik. Bis auf ein paar Nachlässigkeiten bei der Verarbeitung wirkt alles recht solide. Gut nachgedacht hat man in Auburn Hills, der Heimat von Chrysler, auch in Sachen Variabilität. Pfiffige Innenraumkonzepte kennen die US-Ingenieure ja meist nur von den Konkurrenzmodellen. Im Nitro können die Lehnen der Rücksitze 40 zu 60 nach vorne geklappt werden, ohne vorher die Kopfstützen heraus pulen zu müssen. Und dann liegen die Polster nicht einfach schräg in der Gegend herum, sondern bilden zusammen mit der hinteren Ladefläche eine Ebene so waagerecht wie ein Esstisch. 1800 Liter gibt Dodge an Ladevolumen an. Da passt selbst die größte Gefriertruhe hinten rein. Leicht einzuladen über eine ausziehbare Bodenplatte, die es in der Topversion R/T ab Werk gibt. 181 Kilo soll sie tragen, kann also auch zwei Anglern als Sitzpritsche dienen (oder einem Amerikaner).

Markige Optik für Outdoorabenteurer

Für Langholz-Fanatiker, Ikea-Freaks und Baumarkt-Maniacs konstruierte Chrysler die nach vorn klappbare Beifahrersitzlehne. Dann können über drei Meter lange Bretter trocken mit nach Hause fahren. Aber eher dürften wohl bunte Surfbretter im Nitro zu finden sein. Weil hinter dem Lenkrad junge Typen mit dunklen Sonnenbrillen sitzen, die die Fenster unten haben und mit ihrer hippen Musik die ganze Kreuzung beschallen. Sie dürften den muskulösen Kerl ziemlich lässig finden und können sicher kaum erwarten, damit auf dem Großstadt-Boulevard den Mädels zu imponieren. Denn eines ist klar: Ein Ami-SUV im Hummer-H3-Design kommt allemal cooler rüber als die biederen asiatischen Modelle.


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