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Elektroautos in der Krise: Warten auf Grün

Durch die Krise der Automobilindustrie kommt auch die groß angekündigte Elektro-Offensive ins Stocken: Die etablierten Autobauer haben derzeit andere Sorgen, manche der kleinen Entwicklungsfirmen kommen ins Schwimmen, weil starke Kapitalgeber fehlen.

Wäre jede Konzeptstudie eines Elektroautos in Serie gegangen, würden schon tausende Stromer durch die Innenstädte wuseln. Bis vor kurzem schien es so, als stünde die Ära der Elektroautos nun wirklich bevor. Betonung auf: "Schien es so". Opel plant zwar für 2011 das Volt-Schwestermodell Ampera - doch die Zukunft des mit Beihilfen über Wasser gehaltenen Mutterkonzerns GM ist ungewiss. Mercedes will immerhin den Elektro-Smart in Serie bringen und hat eine elektrische B-Klasse in Aussicht gestellt. Der BMW-Konzern testet den Mini E im Flottenversuch - doch ob und wann ein bezahlbarer Elektro-Mini beim Händler um die Ecke zu kaufen ist, steht in den Sternen.

Bei den Automobilriesen gibt es viele Wenns und Abers: Wie umweltfreundlich und alltagstauglich sind die Stromer wirklich? Wie viele Einschränkungen - etwa bei der Reichweite - sind die Kunden bereit einzugehen? Wer kümmert sich um eine Infrastruktur zum Aufladen? Das Zögern der Großen könnte eigentlich den Durchbruch für neue Firmen bedeuten, so wie es vor einigen Jahren bei Handys in der Telekommunikationsbranche der Fall war. Doch viele "Independents" geraten in der Krise ins Schwimmen.

Stromer in Warteschleife

Der norwegische Elektromobilbauer Think etwa hat die Produktion vorübergehend eingestellt und hält sich mit einem Überbrückungskredit seines Investors über Wasser. Die Sportwagenschmiede Tesla behauptet zwar, bald in die Gewinnzone zu fahren, doch der Tesla Roadster bleibt ein elektrisches Spielzeug für Superreiche. Der Leichtbau-Renner Loremo, der als Dieselfahrzeug und als Elektroauto angekündigt wurde, fährt immer noch in der Warteschleife.

Auch beim Mindset fehlt noch das grüne Licht für die Produktion. Das viersitzige Elektro-Coupé aus der Schweiz, dessen Karosserie vom ehemaligen VW-Chefdesigner Murat Günak entworfen wurde, hat bereits seine ersten Testrunden gedreht und könnte nach Angaben der Entwickler in 18 Monaten serienreif sein. "Wir brauchen aus heutiger Sicht 120 bis 150 Millionen Euro, um eine Serie von 10.000 Fahrzeugen auf die Räder zu stellen", sagt Daniel Buchter, Geschäftsführer von Mindset und der Muttergesellschaft Spirt Avert AG.

Finanzstarke Partner gesucht

Die Summe ist ein Taschengeld im Vergleich zu den Milliardensubventionen, mit denen die USA ihre kränkelnden Autogiganten am Leben halten - und doch ein Kapital, das in der Mega-Krise erst einmal organisiert werden will. "Bis jetzt haben wir uns mit eigenen Mitteln finanziert. Nun sprechen wir mit verschiedenen Gruppen, die sich für ein mögliches Investment interessieren. Dazu gehören strategische Partner - zum Beispiel aus der Stromindustrie - und Partner aus dem Finanzsektor", sagt Buchter. Die Schweizer bauen darauf, dass Energieriesen ihr Produkt Strom mit Hilfe eines schicken Elektroautos "emotionalisieren" könnten.

Bei ersten Testfahrten im verregneten Berlin und an den verschneiten Ufern des Tegernsees konnte der Mindset-Prototyp bereits unter Beweis stellen, dass er auch bei unwirtlichen Witterungsbedingungen problemlos funktioniert. Flüsterleise und sehr schnell dreht der Wagen seine Runden. Wer im Interieur Platz nimmt, fühlt sich in einen alten amerikanischen Straßenkreuzer versetzt - eine durchgehende Sitzbank aus Leder und ein großer Fußraum, der von keiner Mittelkonsole durchbrochen wird, sorgen für Behaglichkeit. Erst bei höherem Tempo erinnert die noch nicht installierte Geräuschdämmung daran, dass man in keinem Serienmodell sitzt.

Die "neue Automobilära"

Der Mindset schafft den Spurt von 0 auf 100 km/h in rund 7 Sekunden und bringt gute 800 Kilogramm auf die Waage. Um die rein elektrische Reichweite (100 bis 200 Kilometer) zu erhöhen, springt bei Bedarf ein 17 kW starker Einzylindermotor als Stromgenerator ein. "Unser Range Extender soll nur soviel Leistung bringen, wie man wirklich benötigt" sagt Mindset-Chefingenieur Stephan Hartmann. Die Reichweite soll man auch rein elektrisch erhöhen können - mit einem zweiten Batteriepack anstelle des Stromgenerators.

Ob Mindset, Ampera, Loremo oder Mini E bald eine elektrische Ära einläuten, die nicht mehr aus elektrifizierten Plastikkisten oder in Kleinserie umgerüsteten PKW besteht, bleibt abzuwarten. Auch wenn viele Experten noch auf Jahrzehnte hin eine Dominanz des Verbrennungsmotors erwarten, dürfte sich der Elektroantrieb nach und nach etablieren. Die Renault-Nissan-Allianz etwa bereitet sich auf eine "neue Automobilära" vor, mit elektrischem Licht am Ende des Tunnels: "Die Automobilindustrie sollte aus dieser Krise mit umweltschonenderen Produkten hervorgehen, die besser an das neue wirtschaftliche Umfeld angepasst sind. Das Automobil bleibt unersetzlich", glaubt Renault-Präsident Carlos Ghosn.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.