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Weltpremiere des neuen VW-Polo: Erwachsen geworden: Der neue Polo ist ein kleiner Golf

Volkswagen präsentiert die neueste Generation des Polo in Berlin. Und macht klar, dass der Kleine jetzt bei den Großen mitspielen soll.

Von Thomas Ammann

Nicht mehr der Kleinste - denn das ist ja der VW Up.

Nicht mehr der Kleinste - denn das ist ja der VW Up.

Mangels anderer Attraktionen ist ein türkisblauer VW Polo I von 1975 das meistfotografierte Motiv vor der alten Industriehalle auf der Insel Eiswerder in Berlin. Das Polo-Urmodell hat inzwischen Seltenheitswert - wohl keiner wäre damals auf die Idee gekommen, dass sich irgendjemand 42 Jahre später noch für einen unscheinbaren Kleinwagen interessiert, was sich unter anderem damals in der, nun ja, verbesserungswürdigen Rostvorsorge niederschlug. Der Polo I ist inzwischen ein gesuchter Klassiker.

Nicht mehr der Kleine sein

Die Zeiten ändern sich, und so nennt sich die Insel in der Havel inzwischen "Event Island", und die Weltpremiere des neuen Volkswagen Polo steht an diesem verregneten Berliner Morgen unter dem etwas holprigen Motto "no longer the little one". Aus dem Kleinen, der sich bislang 14 Millionen Mal verkaufte, soll also ein Großer werden. Volkswagens zweitwichtigstes Modell (nach dem Golf) soll nach 42 Jahren endlich erwachsen werden.

VW Polo 2017: Gölfling
VW Polo Generation VI 2017 - die Preise starten bei knapp 13.000 Euro

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Darauf deuten schon die Abmessungen hin: Auch der Polo folgt in der sechsten Generation dem anscheinend unumkehrbaren Trend zum Wachstum und misst jetzt in der Länge erstmals über vier Meter, weshalb er unter den Journalisten schon den Spitznamen "Mini-Golf" bekam.

In den Worten des Volkswagen-Markenvorstands Herbert Diess klingt das natürlich etwas anders: "Der Polo spielt in einer höheren Liga" erklärt er bei der Präsentation vor rund 300 internationalen Journalisten, die den ersten Auftritt des neuen Modells mit frenetischem Applaus begrüßen, als handele es sich um einen Popstar. Der Polo trage "alle Features der höheren Klassen" in sich, so Diess später im Interview, und werde damit zum "Maßstab in diesem Marktsegment". "Mehr Innenraum als jemals zuvor", verspricht Volkswagen-Entwickler Frank Welsch, "ein völlig neues Infotainment-System und die Weltpremiere des interaktiven Displays".

In Wagenfarbe lackierte Verkleidungen wirken flotter als Klavierlack in Schwarz.

In Wagenfarbe lackierte Verkleidungen wirken flotter als Klavierlack in Schwarz.

Nun wird also auch der Polo zum Smartphone auf Rädern, mit einem volldigitalen Cockpit und einem riesigen Display in der Mitte, das, so Welsch, "deutlich mehr Darstellungsmöglichkeiten bei einfacherer Bedienung" als bisher bieten soll.

Die ganze Palette der Assistenten

Schon die Basisversion verfügt über ein elektronisches Assistenzsystem namens "Front Assist", das zum Beispiel vor Fußgängern warnt und mit "Emergency Brake Assist" selbständig Notbremsungen einleitet, und je nach Bedarf (und Geldbeutel) lässt sich diese Palette beliebig ausweiten: Mit "Adaptive Cruise Control" beispielsweise, einem Abstandsregler, der in Verbindung mit dem Automatikgetriebe auch beim Stop-and-Go-Verkehr funktioniert, oder mit "Rear Traffic Alert", der beim Ein- oder Abbiegen vor dem nachfolgenden Verkehr warnt. Herkömmliche Rückspiegel gibt es aber auch noch, und das sogar serienmäßig.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es die VW-Designer schaffen, ein neues Modell zu kreieren, ohne dass der Vorgänger gleich alt aussieht. Die neuen Abmessungen - länger, breiter und etwas niedriger - sorgen in Verbindung mit den geschärften Seitenlinien und einer tiefer gezogenen Motorhaube für einen deutlich dynamischeren Auftritt. Der Polo habe nun eine "starke Schulter", meinte VW-Designchef Klaus Bischoff, der bei der in Englisch gehaltenen Präsentation sichtlich stolz auf seine jüngste Schöpfung ist. 

In knalligen Farben wie "Reef Blue" und "Energetic Orange" wurde das neue Modell in Berlin vorgestellt, das deutlich trendiger daherkommt als alle seine Vorgänger und mit dem Ur-Typ I etwa soviel gemein hat wie ein iPhone mit einem Wählscheibentelefon. Klar, dass man dabei auch auf neue Käufer- und Käuferinnenschichten schielt, die mit der eher nüchternen Volkswagen-Funktionalität bisher wenig anfangen konnten. "Mini" wurde als einer der Wettbewerber genannt, in dessen Revier man offensichtlich wildern will. Für die neue Lifestyle-Offensive steht denn auch das Sondermodell "Beats" mit seinem 300-Watt-Soundsystem. "Fuelled by music" lautet das Werbemotto für die rollende Disco. 

Stromer nicht geplant

Das stimmt für die Motoren leider nicht, womit wir bei dem leidigen Abgasthema angekommen sind. Sechs Benzinmotoren von 65 bis 200 PS (für den GTI), ein 90 PS starker Erdgasmotor sowie gerade mal zwei Dieselmotoren mit 80 oder 95 PS werden angeboten. Eine Hybridversion oder ein rein elektrisches Modell, sagt Volkswagen-Chef Herbert Diess, seien für den Polo nicht geplant. Dafür seien die Diesel mit AdBlue-Einspritzung die "weltweit saubersten". Sie würden mit der aufwendigen Harnsäure-Technologie allerdings auch etwas teurer, räumt Diess ein, weshalb er eine "Marktverschiebung in Richtung Benziner" erwartet.

Mehr Auto zum gleichen Preis

Der VW-Lenker wirkt überraschend entspannt bei diesem Thema, was wohl auch damit zu tun hat, dass "der Dieselanteil in diesem Marktsegment traditionell gering" sei, wie er erklärt. Die Dieselmotoren erfüllten spielend alle aktuellen Abgasnormen und seien "zukunftssicher", so Diess. Auch bei den Benzinern will man sich ins Zeug legen: Sie sollen serienmäßig mit Partikelfiltern ausgestattet werden. Die Preise für das neue Modell beginnen bei 12.975 Euro, was sogar einer faktischen Preissenkung entsprechen soll, wie Volkswagen vorrechnet. Der Polo hat jetzt serienmäßig vier Türen, die bislang rund 800 Euro mehr kosteten. Für diesen Basistarif gibt es aber weder die Sonderfarbe "Honey Yellow Metallic", noch das famose Navigationssystem mit dem 8-Zoll-Display, eine Lederausstattung oder andere edle Zutaten aus der langen Aufpreisliste. Aber das hatte der Polo I von 1975 auch nicht.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.