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Faszination: Jeep Forward Control: Raritäten am Haken

Mitten im idyllischen Appenzell sammelt und restauriert der Schweizer Jakob Inauen alte Jeeps. Sein unermüdliches Arbeitspferd ist ein Jeep Forward Control. Den kennen Sie nicht? Kein Wunder, denn der Abschlepper ist ein besonders seltenes Jeep-Exemplar.

Der grüne Riese ist heute wieder etwas unwillig. Jakob Inauen redet dem alten Offroader gut zu. Der Anlasser quält sich langsam vorwärts, die mahlenden Geräusche aus den Untiefen des Motors klingen trotzig. Endlich schüttelt sich der Jeep, rülpst schwarzen Qualm aus dem Auspuff und lässt seine Abfahrbereitschaft erkennen. Jakob Inauen legt knirschend den ersten Gang ein und bugsiert seinen exotischen Abschleppwagen auf die Straße. Der Wagen sei "so ungefähr Baujahr 1964", sagt der 66-jährige Schweizer. Genau weiß er es auch nicht mehr.

Der Abschlepper vom Typ Jeep FC-170 befindet sich schon seit 30 Jahren in Jakob Inauens Besitz. Er hat sich damals aus zwei ziemlich mitgenommenen Fahrzeugen ein neues zusammengebaut. Als gelernter Automechaniker und unermüdlicher Bastler konnte Jakob Inauen sich auch einen Umbau nicht verkneifen: Das Chassis des Jeep hat er um 90 Zentimeter verlängert und die mechanische Seilwinde selbst eingebaut.

Weil der alte seitengesteuerte Vierzylinder-Motor irgendwann den Geist aufgab, tut jetzt ein 3,8 Liter großer Sechszylinder aus einem Ford Mustang eher mürrisch seinen Dienst. "Der hat etwa 160 PS - damit schafft das Auto immerhin 100 Sachen", sagt Inauen.

Rund 1,3 Tonnen kann der Forward Control schleppen. Und er wäre kein Jeep, wenn er nicht eine in den Schweizer Bergen unverzichtbare Eigenschaft hätte: Einen zuschaltbaren Allradantrieb mit Geländeuntersetzung. "Mit dem Forward Control bin ich bisher noch überall durchgekommen", erzählt Inauen.

Amerikanisches Urviech

Das vierradgetrieben Urviech ist ein seltener Vertreter seiner Art. Es kam 1956 auf den Markt und wurde nur neun Jahre lang gebaut. In den USA konnte sich der Allzweck-Jeep eine kleine Nische erobern und war in vielen Varianten erhältlich – vom normalen Pritschenwagen über Abschleppfahrzeuge bis hin zum Feuerwehrauto. Für das Militär entstanden ebenfalls verschiedene Versionen, darunter ein Krankenwagen und ein Truppentransporter.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Ein nennenswerter Erfolg blieb dem Forward Control allerdings versagt. Es entstanden kaum mehr als 30.000 Exemplare, viele haben nicht bis heute überlebt. Nach Europa verirrten sich nur wenige Forward Controls – schließlich war der Markt für kleine Transporter in den 50er und 60er Jahren durch europäische Hersteller schon ausreichend gesättigt und der Bedarf nach Allrad-Nutzfahrzeugen ziemlich überschaubar.

Besonders gepflegt hat Jeep-Fan Jakob Inauen seinen alten Abschlepper nicht. Blasen am Lack zeigen, wo der Rost seine Fress-Orgie feiert. Eine dicke Staubschicht bedeckt den Innenraum, in dem es sich diverse Abschleppseile und ein altes Radkreuz gemütlich machen. Der zerschlissene Sitz mit den roten Vinylpolstern dürfte ebenso wenig original sein wie das Lammfell darauf.

Rostende Relikte

Eine Plakette am Armaturenbrett zeigt stolz den Schriftzug Willys-Overland. Doch als der Forward Control gebaut wurde, hatte das Unternehmen längst wieder einmal den Besitzer gewechselt. Nach der Übernahme durch Kaiser-Frazer wurde Jeep schließlich 1970 vom Automobil-Riesen AMC geschluckt. Weder Kaiser noch AMC existieren heute noch, nur die Marke Jeep hat dem Lauf der Zeit getrotzt.

Ein paar Relikte der AMC-Jeep-Liaison hat Jakob Inauen ebenfalls in seiner Sammlung: Drei AMC Eagle rosten auf einer Wiese neben der Straße vor sich hin. Der Allrad-Kombi aus den 80er Jahren mit seiner Seitenverkleidung im Holz-Look ist quasi der Urahn von Volvo XC70, Nissan Qashqai & Co. – der erste echte Crossover. Jakob Inauen benutzt die Eagles allerdings nur als Teileträger für seine Sammlung, weil in den raren Kombis Jeep-Technik steckt.

Ob sein grüner Forward Control noch weitere 30 Jahre hält, weiß Inauen nicht. Aber ein modernes Transportfahrzeug kommt für ihn nicht in Frage. "Er fährt eben so lange, bis er auseinander fällt", meint der Schweizer.

Und das kann bei einem Jeep nun mal eine ganze Weile dauern.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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